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Kranenburg
Beruhigt durch Kranenburg

Kranenburg. Nach jahrelangen Diskussionen wurde vor acht Wochen die Verkehrsregelung auf der "Großen Straße" im Zentrum der Gemeinde geändert. Es spricht einiges dafür, dass daraus eine Dauerlösung wird. Geschäftsleute lehnen Änderung ab. Von Peter Janssen

In der Kategorie "Geänderte Verkehrsregelung für Ortsmitten" galt die Große Straße in Kranenburg lange Zeit als ein hoffnungsloser Fall. Die Kommunalpolitiker machten es sich nicht leicht. Es wurde keine Entscheidung, die man im Schnellverfahren fasste. Vorschlag der Verwaltung, Gegenstimmen? Keine. Und fertig die Laube.

Ende Januar war es schließlich so weit. Die frisch beschlossene Variante, eine "unechte Einbahnstraße", wurde eingeführt. Unecht deshalb, weil sie Gegenverkehr zulässt, man jedoch nur von einer Seite in das Gemeindezentrum einfahren kann. Der von der Grenze kommende Verkehr, darunter etliche Nachbarn aus den Niederlanden, muss jetzt die Umgehung fahren (die RP berichtete).

Die derzeit noch als Testphase geltende Regelung hat jedoch gute Chancen, zu einer dauerhaften zu werden. Denn es gibt kaum Bürger oder Behörden, die sich gegen die Neuerung wehren.

Eine 44-jährige Mutter aus Kranenburg schätzt an der geänderten Regelung unter anderem, dass es jetzt wesentlich einfacher ist, vom Markt auf die Große Straße oder Wanderstraße zu fahren. "Da musste man sonst extrem lange auf eine Lücke warten", sagt sie. Wie angenehm es geworden sei, sich im Ortskern aufzuhalten, werde sich jedoch richtig erst in den Sommermonaten zeigen, so die Mutter.

Begeistert ist auch eine Rentnerin (67), die nahezu täglich mit dem Fahrrad auf der Großen Straße unterwegs ist. Die Sorgen auf körperliche Unversehrtheit, die sie zuvor hatte, sind gewichen. "So ruhig und entspannt war das Fahren hier nie", sagt die 67-Jährige.

Doch gibt es auch andere Stimmen. Vor allem von Bürgern, die in den Abendstunden im Kranenburger Zentrum unterwegs sind. Ein Vorwurf, der häufig zu hören ist: Die Pkw seien aufgrund des geringeren Gegenverkehrs zu schnell unterwegs. "Bei jeder Autotür, die man öffnet, läuft man Gefahr, eine weniger zu haben", so ein Bürger. Bei einer Messung erreichte ein Fahrzeug knapp 70 Stundenkilometer.

Die Polizei hat das Problem erkannt und kontrolliert jetzt die Geschwindigkeit. Dennoch bewertet die Behörde die Neuerungen positiv. "Die Verkehrssituation hat sich entspannt", sagt Polizeisprecher Manfred Jacobi. Es sei sinnvoll, Gegenverkehr zuzulassen. Die Regelung habe sich bislang bewährt. Einzig in den frühen Morgenstunden würden Fahrer aus Richtung Niederlande versuchen, in die Straße einzufahren.

Die Kommunalpolitiker haben sich vor Ort angeschaut, was sie entschieden haben. Und auch sie waren zufrieden. Einigkeit besteht darin, dass es notwenig ist, weitere Hindernisse zur Reduzierung der Geschwindigkeit aufzustellen. "Wir diskutieren noch darüber, an welchen Stellen wir verkehrsberuhigende Maßnahmen einbauen", sagt SPD-Fraktionschef Manfred Maas. Es gibt Zahlen aus dem Rathaus, die das neue und mehrheitlich positive Gefühl belegen. So hat die Gemeinde Autos gezählt, die täglich auf der Großen Straße unterwegs waren und sind. "Vor der neuen Regelung befuhren täglich durchschnittlich 6000 Fahrzeuge den Ortskern. Jetzt sind es nur noch 3230. "Das haben aktuelle Zählungen ergeben", sagt Bürgermeister Günter Steins. Dennoch hätte aus seiner Sicht die Verkehrsführung nicht geändert werden müssen: "Ich habe mich dort nie gefährdet gefühlt", sagt der Verwaltungschef, der jedoch einräumt, die Leute verstehen zu können, die dies anders sehen. Auch das Ordnungsamt der Gemeinde hat bislang nahezu ausschließlich positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Es sei ein Schritt in die richtige Richtung, heißt es.

Doch gibt es auch eine Gruppe, der die neue Verkehrssituation außer Ärger und finanziellen Einbußen nichts gebracht hat: Die Geschäftsleute im Gemeindezentrum lehnen die Neuerung ab und haben Unterschriften gegen die neue Regelung gesammelt. Die Umsätze seien zwischen zehn und 50 Prozent zurückgegangen, so die Händler, die bereits bei Bürgermeister Steins waren. Der will das Thema noch einmal mit der Politik besprechen. Die meisten Gewerbetreibenden wollen nur eins: Die Änderungen sollen zügig wieder rückgängig gemacht werden. Dadurch würde die Möglichkeit geschaffen, sich erneut einige Jahre mit dem Thema zu beschäftigen. *alle Namen der Redaktion bekannt.

Quelle: RP
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