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Prozess in Kleve
Beschönigte Inserate der Bordellbande sollten Frauen anlocken

Kleve. Am dritten Prozesstag hat eine Angeklagte über die Methoden der Klever Bordellbande ausgesagt. Nach Angaben der 31-Jährigen lockte die Bande mit beschönigten Inseraten chinesische Frauen an, die dann zu Prostitutionszwecken in Deutschland eingeschleust wurden. 

In chineschen Schriftzeichen wird in einer Anzeige nach einer "Masseurin" gesucht. Als Verdienst verspricht das Inserat 300 Euro pro Tag. "Das ist aber beschönigt, um Frauen anzulocken", sagte eine 31-jährige Angeklagte Dienstag vor dem Klever Landgericht.

Ihr wird zusammen mit drei weiteren ebenfalls aus China stammenden Frauen und einem 53-Jährigen hauptbeschuldigten Mann aus Fernost vorgeworfen, mittels solcher Anzeigen Chinesinnen zu Prostitutionszwecken in die Bundesrepublik eingeschleust zu haben. Ebenso soll die Bande, die unter anderem im Kranenburger Gewerbegebiet "Im Hammereisen" und in weiteren Teilen Orten Deutschlands sogenannte "China-Bordelle" betrieb, insgesamt zwei Millionen Euro Steuern und Sozialabgaben nicht gezahlt haben.

Bereits am zweiten Prozesstag hatte die 31-Jährige in einer durch ihren Anwalt verlesenen Einvernehmung diese Vorwürfe gestanden. Allerdings sei der 53-jährige Beschuldigte der Chef des Ganzen gewesen, dessen Anweisungen sie nachgegangen sei. Ähnliches berichtete gestern eine weitere Angeklagte dem Klever Landgericht. In der Einlassung, welche die Verteidigerin der 30 Jahre alten Chinesin verlas, schilderte diese, für welche Tätigkeiten sie zuständig war. "Ich habe das Geld eingesammelt", sagte die junge Frau, die selbst zuvor als Prostituierte arbeitete und eine Liebesbeziehung mit dem Hauptangeklagten führte, aus der ein Kind hervorging. Sie habe von dem, was in den deutschlandweit betriebenen Bordellen vor sich ging, trotzdem nicht viel mitbekommen.

Über Geschäftliches habe der 53-Jährige – angeblich zu ihrem eigenen Schutz – nie viel erzählt. Anzeichen einer Zwangsprostitution habe sie aber nicht mitbekommen. Auch sei bei den geschalteten Anzeigen klar gewesen, dass es sich nicht um einen wirklichen Job als Masseurin gehandelt habe. "Denn sonst hätte dahinter gestanden: Keine Prostitution", begründete die 30-Jährige. Das Geld sei, so wie sie es mitbekommen habe, zur Hälfte zwischen der Prostituierten und dem Betreiber geteilt worden.

Heute wisse sie, dass auch sie nicht rechtens gehandelt habe. Das tue ihr leid. "Ich wollte meinem Freund behilflich sein", so die junge Chinesin. Er habe ihr schließlich nach einer schweren Zeit ein Dach über den Kopf und etwas zu Essen gegeben. Dafür habe sie sich revanchieren wollen. Mit einem traurigen Blick verfolgte sie die Verlesung ihrer Einlassung durch ihre Anwältin, die mit dem Satz endete: "Ich habe große Angst vor der Zukunft." Am gestrigen Prozesstag kamen außerdem die Einnahmen aus den Etablissements kurz zur Sprache. So seien manche mit nur ein bis zwei Kunden pro Tag sehr schlecht gelaufen. Andere, wie auch das in Kranenburg, dagegen recht gut, wie die 31-jährige Angeklagte bereits in ihrer eigenen Einlassung erwähnte.

(pets)
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