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Kleve
Besondere Reihe: Vier Stimmen aus vier Herzen für die Fuge

Kleve. "Die Kunst der Fuge" (BWV 1080) ist ein Werk der Musikgeschichte, das eine besondere Faszination ausübt. So befasste sich auch das Boreas-Blockflöten-Quartett im vierten Konzert der Besonderen Reihe in der Kleinen Kirche an der Böllenstege mit Contrapuncti und fugatischen Werken. Von Barbara Mühlenhoff

Das Ensemble ist seit seiner Gründung vor acht Jahren interessiert an dieser Musikrichtung, ausgehend vom Großmeister J. S. Bach. Im Gepäck hatten Elisabeth Champollion, Julia Fritz, Luise Manske und Georg Fritz neben Renaissance-Blockflöten und Barock-Instrumenten auch einen modernen Paetzold-Bass - allesamt spannende Verwandte der bekannten Sopran-Blockflöte, die auf das zahlreich erschienene Publikum sehr anziehend wirkten und während der Pause hautnah begutachtet werden konnten.

Diese Nähe zu den Zuhörern wurde durch die Moderation von Elisabeth Champollion noch unterstrichen, die Werke und Komponisten in kurzen Beschreibungen schön nahebrachte. Die Blockflötisten umrahmten fünf Contrapuncti aus der "Kunst der Fuge" mit Werken von 1250 bis 1999: Vom mittelalterlichen "Sumer is cumen" aus England bis zum quirligen Treiben der "Three Gadgets" und "Theatre of the absurd" des zeitgenössischen flämischen Komponisten Piet Swerts, in denen die Flötenstimmen ein bisschen Fangen und Verstecken spielten, um sich am Ende zu finden. In den Kontrapunkten des barocken Meisters Bach wanderten Dux und Comes, führende und geführte Stimme, transparent dargebracht durch die vier Stimmen. Spritzig und virtuos erklangen die Kanzonen des Italieners Tarquinio Merula "La Lusignuola", "La Livia" und "La Pellegrina" aus dem 17. Jahrhundert.

Möglichkeiten der Chromatik zeigten Robert Parsons "Ut re mi fa sol la" und Diomedes Catos "Fantasia Cromatica" und wie flexibel der Klang der Blockflöte sein kann, bezeugten Varianten von Verzierungen und musikalischen Girlanden in den Madrigalen "Prima stanza: A la dolce ombra" sowie "Qzuarta stanza: Però fiù fermo" von Cipriano de Rore und Girolamo dalla Casa.

Die Beispiele für den Farbenreichtum und die Beweglichkeit der Blockflöte und wie virtuos sie zu ernsthaftem Musizieren geeignet ist beeindruckte die Zuhörer von Jung bis Alt: schwungvoll, lebendig und auch dramatisch kann diese Musik sein, wenn die vorhandenen Affekte nur deutlich genug hörbar gemacht werden. Die polyphonen Konstrukte des Konzerts erklangen beim Boreas-Quartett in vier Stimmen und aus vier Herzen, fanden sich in einem gekonnten Zurücknehmen und Hervortun der vier Künstler harmonisch und rund zusammen, so dass die "Besondere Reihe" ihrem Namen wieder einmal bestens gerecht wurde.

Gerne möchte man das Boreas-Ensemble aus Bremen wieder hier begrüßen, wenn ihr "Wind" des Nordgottes, der dem Ensemble seinen Namen gab, die Instrumente zum Klingen bringt.

Quelle: RP
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