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Kleve
"Besser Fußgängerzone ohne Fahrräder"

Kleve: "Besser Fußgängerzone ohne Fahrräder"
Gerade auf der "Großen Straße" kann es zu gefährlichen Situationen kommen, wenn dort Radler und Fußgänger unterwegs sind. FOTO: Evers
Kleve. Der Rat möchte mit großer Mehrheit das Verbot für den Fahrradverkehr in der Klever Fußgängerzone lockern. Doch die Zahl der Kritiker ist groß: Geschäftsleute, Anwohner und vor allem die Polizei raten von dem Vorhaben ab. Von Matthias Grass

Fahrradfahrer in der Klever Fußgängerzone, bergab in der Hagschen und Großen Straße - das geht gar nicht. Das ist der Tenor von Geschäftsleuten, Anwohnern und der Polizei auf den Vorstoß der Klever Politik, Fahrradfahren zu bestimmten Zeiten auch bergab in den bis jetzt auch für den Fahrradfahrer gesperrten Straßen von 19 Uhr bis 11 Uhr zuzulassen.

"Wenn man Teile der Fußgängerzone freigeben will, dann höchstens nach Feierabend, wenn die Geschäfte geschlossen sind und die Frequenz auf den Straßen deutlich nachgelassen hat", sagt Klaus Fischer von Alexander-Herrenmode in Kleve, Vorstandsmitglied des Klever City-Netzwerkes. Auch in der Kavarinerstraße, der Herzogstraße und der Gasthausstraße sollte tagsüber die Fußgängerzone Fußgängerzone bleiben, sagt Fischer mit Blick auf die Kundschaft der Geschäfte, die beim flanieren nicht auf Fahrräder achten möchte. Das KCN würde allenfalls eine Öffnung wie vorgesehen ab 19 Uhr, aber dann nur bis neun Uhr morgens befürworten.

Ein anderer Geschäftsmann fasst das Statement des KCN-Vorstandes in drastischere Worte: Das sei doch oben auf der Hagschen Straße wie der Scheitelpunkt einer Achterbahn, von dem sich Radfahrer mit vollem Tempo in die Tiefe stürzen. Diese Sicht bestätigt die Polizei: "Bergab wird die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit selten eingehalten, aufgrund des Gefälles fahren Fahrradfahrer hier erhebliche Geschwindigkeiten", zitiert Polizeisprecher Michael Ermers die Direktion Verkehr der Polizei in Kleve. Schwierig sei vor allem der Engpass Elsabrunnen und dann die Einfahrt in die stark von Fußgängern frequentierte Große Straße. "Auf trockener Straße ist eine Notbremsung hier schon schwierig, auf nasser Fahrbahn wird wegen des Straßenbelages eine Vollbremsung fast unmöglich", mahnt Ermers.

Friedrich Meyer ist Anwohner der Fußgängerzone und beobachtet immer mehr Fahrradfahrer, die schon am morgen bis 8.30 Uhr "mit absoluter Spitzengeschwindigkeit" bergab unterwegs sind und nach Belieben die ganze Straßenbreite nutzen. Ein Szenario, das er nachmittags auch nach Schulschluss beobachtet. "Die Fahrradfahrer sind dann teils mit einem Kopfhörer im Ohr unterwegs. Dabei werden auch noch Überholmanöver gefahren", sagt Meyer. Der Anwohner der Großen Straße hat bereits vor zwei Jahren einen eindringlichen Brief an die Stadt geschrieben und auf die Probleme aufmerksam gemacht. "Da müsste schon längst viel mehr kontrolliert werden", konstatiert er.

Der schwere Unfall im Januar dieses Jahres bestärkt die Bedenken: Damals rammte ein 32 Jahre alter Fahrradfahrer eine 76-jährige Frau, die mit ihrem Rollator dem Radler nicht mehr ausweichen konnte. Sie musste ins Krankenhaus gebracht werden. Der Unfall war im eher flachen Teil der Fußgängerzone in Höhe der Kavariner Straße.

Karl-Heinz Burmeister vom BUND in Kleve blickt sehr kritisch auf eine für Fahrradfahrer freigegebene Fußgängerzone. Mit vielen Bauchschmerzen habe man die Große Straße zur Fußgängerzone gemacht, die Straßenbahn aufgehoben, die Umgehung durch die Galleien gebaut und dann die Vorteile für die Geschäftsleute und Besucher der City erfahren, blickt er zurück. "Heute ist man stolz, diesen geschätzten Raum unbeschwerter Begegnung zu besitzen und keiner möchte ihn missen", sagt er.

Die Straßen-Verkehrsordnung setze enge Regeln über die Nutzung und deren Ausnahmen. "Der Fußgänger hat absoluten Vorrang. Der schiebende Radfahrer ist zugleich Fußgänger. Selbst bei temporärer Zulassung von Radverkehr hat sich dieser dem Fußgänger unterzuordnen. Dem steht jedoch die Topographie der Großen Straße entgegen - bei einer Freigabe würden Unfälle mit Verletzungen billigend in Kauf genommen", konstatiert Burmeister.

Die Gegenrichtung bergauf werde auch noch so beworben, dass man dort mit E-Bikes fahren könne (was nicht zugelassen wäre). Diese Fahrräder mit Hilfsmotor seien zu schnell und werden oft von älteren Leuten nicht beherrscht, sagt der BUND-Mann. "Muss der Einkäufer also jetzt ständig auf der Hut sein, dass ihm keiner von hinten in die Seite kracht? Und was kommt als Nächstes? Darf der Radfahrer dann nachts mangels Verkehr rote Ampeln überfahren? Bei aller Liebe zum Fahrrad - wer ruft den Rat zur Ordnung?", fragt Burmeister.

Quelle: RP
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