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Kleve
Betreutes Wohnen für Suchtkranke

Kleve: Betreutes Wohnen für Suchtkranke
Im Kontaktcafe: Gerd Engler und Christina Schmidt mit einem Klienten (von rechts). FOTO: Markus van Offern
Kleve. RP-Serie 50 Jahre Caritas: Zum Fachbereich Soziale Hilfe / Existenzsicherung gehört auch die Drogenberatung mit ihren vielen Unterthemen. Die Lebensqualität der Abhängigen zu erhalten ist Hauptaufgabe. Kontaktcafé als Anlaufstelle. Von Anja Settnik

Ihre Sucht ist so weit fortgeschritten, dass sie nicht nur als Krankheit gilt, sondern sogar als Behinderung anerkannt wird. Der jüngste Süchtige oder psychisch Kranke, den die Klever Caritas in seiner eigenen Wohnung betreut, ist gerade mal 20 Jahre alt, der älteste bereits 77. Ob heranwachsend oder im Seniorenalter - ihnen allen gemein ist, dass sie aus eigener Kraft nicht in der Lage sind, ihren Alltag zu bewältigen. Das "ambulant betreute Wohnen für Suchtkranke" hilft, eine stationäre Heimunterbringung zu vermeiden - zugunsten der Betroffenen und zur Entlastung des Kostenträgers.

Christina Schmidt, Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin, leitet die Abteilung. In enger Abstimmung mit Gerd Engler als Fachbereichsleiter Soziale Hilfen koordiniert sie den Dienst, an dem 15 Mitarbeiter beteiligt sind. "Wir betreuen Menschen in Goch, Emmerich und Kleve", erklärt sie. Die Klienten hätten sehr unterschiedliche Bedarfe; "bei einigen genügt es, wenn wir sie alle 14 Tage treffen, mit anderen arbeiten wir zwei bis vier Stunden in der Woche", berichtet Schmidt. Dabei handelt es sich nicht um Gesprächsrunden, sondern um ganz konkrete Hilfen. "Wir begleiten zu Behörden, geben Tipps zur Haushaltsführung, nehmen Kontakt mit Versicherungen auf, unterstützen die Gesundheitsfürsorge oder machen Vorschläge für die Tagesgestaltung." Denn das alles ist für langjährig Drogenabhängige alleine nicht mehr zu bewältigen. Wer vor allem die nächste Flasche Schnaps oder den nächsten Schuss im Sinn hat, für den sind der Zustand seines Kühlschranks oder die eigene Körperpflege völlig nebensächlich.

Selbstbestimmtes Wohnen mit einer chronischen Suchterkrankung ist eine große Herausforderung und ohne eine professionelle Begleitung oft kaum möglich", sagt die Sozialpädagogin. Ziel ist es (natürlich), die Leute wieder "auf die Füße" zu kriegen, wie es Gerd Engler ausdrückt. Drogenfrei und vom selbst verdienten Einkommen zu leben - das ist allerdings ein nicht häufig erreichtes Fernziel. "Die meisten unserer Klienten leben von Transferleistungen. Sie in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln ist schwierig, aber wenn es gelingt, als Aufstocker oder mit einem Mini-Job wieder Anschluss an den Alltag anderer zu finden, ist das schon ein großer Erfolg", meint Engler.

Bis dahin vergeht viel Zeit - "manchmal ein Jahr, manchmal auch fünf, das ist ganz verschieden", sagt Christina Schmidt. Das Kontaktcafé der Caritas ist für sie eine willkommene Anlaufstelle. Hier ist für kleines Geld immer ein Kaffee oder ein Brötchen zu bekommen, manchen lockt die Dusche, außerdem stehen Mitarbeiter für Gespräche zur Verfügung. Oft sind nicht nur die chronisch Kranken zu begleiten, sondern auch Angehörige. Nicht wenige haben Kinder, manche Lebenspartner. Um die Kinder kümmert sich dann zusätzlich die Caritas-Abteilung Jugendhilfe. "Es gibt auch gemeinsame Fallbesprechungen, weil wir, wenn Kinder betroffen sind, vernetzt arbeiten", erklärt Schmidt. Die Mehrzahl ihrer rund 100 "Fälle" lebt allein, einige wohnen mit einem Partner oder in einer selbst organisierten WG.

Betreuung in Anspruch zu nehmen ist eine freie Entscheidung. Nur wer sich selbst dazu bereit findet, kann von den Angeboten profitieren. "Wir müssen für den Kostenträger, den Landschaftsverband, einen Hilfeplan schreiben und Ziele festsetzen. Der Kranke soll sich in seiner Entwicklung auf dieses Ziel zumindest zu bewegen." Das heißt eben nicht immer Gesundung und selbstständiges Leben. "Aber die Lebensqualität zu erhalten ist auch schon etwas", weiß Engler.

Quelle: RP
 
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