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Kleve
Beuys in eine Schablone gepresst

Kleve. Biograf Hans-Peter Riegel diskutierte im "Resonanzraum Kunst" im Kurhaus Von Matthias Grass

Die Thesen von Hans-Peter Riegels Beuys-Biografie, die im Klever "Resonanzraum Kunst" diskutiert wurden, sind schnell zusammengefasst: Beuys war Anthroposoph und die Anthroposophen nach Rudolf Steiner sind okkult. Beuys hat sich nach dem Krieg mit Sammlern umgeben, die einen nationalsozialistischen Hintergrund haben. Beuys hat nie in Rindern gewohnt. Beuys hat mit seinen Kriegserlebnissen als Flieger übertrieben und über mögliche Traumata, die er als Infanterist erlitten hat, möglichst geschwiegen. Soweit Biograf Riegel.

"Aber was sagt uns das?", fragte Diskussionsleiter Prof. Harald Kunde, Direktor von Museum Kurhaus Kleve. Und was bedeutet das für das, was Beuys jenseits der akribisch zusammengefassten Daten tatsächlich ausmacht – nämlich seine Werke, seine bis heute so verstörenden Arbeiten? Nicht viel. In dieser Hinsicht war der Abend alles andere als erhellend. Auch der Nazi-Vorwurf, der im Raum stand und von Ron Manheim (einst stellvertretender Leiter von Museum Schloss Moyland) mit Zitaten vertieft werden sollte, ist nicht wirklich neu. Der wurde schon Mitte der 1990er Jahre auf dem Beuys-Symposium in Kranenburg diskutiert, später von Beat Wyss (2008) noch schärfer formuliert. Der Vorwurf setzte sich in der breiten Beuys-Forschung aber nicht durch. Weil er in sich nicht stimme, wie der Leiter des Kaiser-Wilhelm-Museums, Martin Hentschel, 2012 in einem Gespräch mit RP-Redakteur Dr. Jens Voss ausführte.

Das sah Kunde ähnlich, der Riegel vorwarf, er betreibe unterstellenden Objektivismus, weil Riegel ein vorher gewusstes Bild von Beuys zeichnen wollte und diese Bild-Schablone jetzt über die gesammelten Fakten presse. Riegel wiederum warf der Beuys-Forschung vor, den Klever vor allem zu verklären. Damit habe Hans van der Grinten angefangen. Und die braunen Sammler? Die kauften auch Warhol und Rauschenberg – sind die deshalb Nazis?, fragte Kunde entwaffnend. Und ob Beuys nun in Rindern wohnte oder nicht – das traf vor allem die Herzen der Heimat-Liebhaber, wie Alfons A. Tönnissen. Es gab keine Einigung.

Die wirklich interessante These des Abends kam von Kunde: Warhols Kunst wirke immer noch aktuell. Beuys' Kunst hingehen wie aus einem anderen Jahrhundert. Wie aus der Urzeit: alt, archaisch. Oder ist gerade dieses Alte, Archaische das wirklich Junge, diese Utopie, die Beuys versuchte aufzubauen? Das ist der Stoff für einen spannenden Abend über Beuys.

Aber ohne Riegel, weil der Biograf die Fragen über die Kunst hinten an stellte. Er wolle Beuys als Mensch sehen, entzaubert, sagte Riegel. Aber was nutzen diese von der Kunst isolierten Daten und Fakten über einen Menschen, dessen Wirken und Wirkung von der Kunst ausging, die den hauptsächlichen Teil seines Lebens ausmachte?

Quelle: RP
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