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Kreis Kleve
Biologe erforscht Schwalben-Zugwege

Kreis Kleve: Biologe erforscht Schwalben-Zugwege
Ein besonders kurioses Paar brütete in diesem Sommer in Rees. Anstatt Eier saßen die Vögel auf Steinen.
Kreis Kleve. Achim Vossmeyer vom Naturschutzzentrum des Kreises Kleve ist ein Experte für Trauerseeschwalben. Die Vögel kommen im Frühjahr aus Afrika an den Niederrhein, um zu brüten. Die Tierart ist vom Aussterben bedroht. Von Nicole Scharfetter

Das Brutpaar auf Floß 22 ist schon ein ganz spezielles gewesen. So speziell, dass selbst der Biologe und Trauerseeschwalben-Experte Achim Vossmeyer immer noch keine Erklärung für ihr Verhalten gefunden hat. Zwar nutzte das Paar das Floß so wie andere Trauerseeschwalben-Paare, um zu brüten - nur Eier lagen keine in dem Nest. Die beiden Vögel saßen vier Wochen lang auf Kieselsteinen, von Vossmeyer und seinem Team wurden sie schon liebevoll Steinbrüter genannt. "Vielleicht hatte das Weibchen einfach keine Lust, mit diesem Männchen Kinder großzuziehen", sagt Achim Vossmeyer scherzhaft.

So lustig die Geschichte des Steinbrüterpaars auch ist, lieber hätte der Biologe gefiederten Nachwuchs gesehen. Denn in Nordrhein-Westfalen wurden in diesem Sommer nur 44 Brutpaare gezählt, deutschlandweit 900. Zum Vergleich: "Beim gemeinen Spatz gab es zwischen 500 000 und 700 000 Brutpaare - allein in NRW", sagt Vossmeyer.

Saskia Wuttke (l.) und Anne van Rüth haben ihre Bachelor-Arbeit im Naturschutzzentrum geschrieben zum Thema Trauerseeschwalbe. FOTO: Achim Vossmeyer

Die Zahl der Paare kennt der Biologe so genau, weil sich rund um das Reeser Naturschutzzentrum der landesweit einzige Brutplatz befindet. Und er dort viel Zeit verbringt, um die Tiere zu studieren. Am Reeser Altrhein zum Beispiel, wo das Gewässer flach ist, gibt es eine solche Brutstätte. Am liebsten bauen Trauerseeschwalben nämlich ihre Nester direkt auf der Wasseroberfläche, gerne auf umgeknicktem Röhricht, der sich über das Wasser legt. Der Vorteil dabei: "Feinde erbeuten das Gelege nicht", sagt Achim Vossmeyer. Der Nachteil: Sollte es Hochwasser geben, seien auch die Eier meistens verloren.

Der ungewöhnliche Brutplatz sei aber nicht Ursache für die geringe Population. Vielmehr trügen die Menschen dafür die Verantwortung, weil es solche Altrheinplätze wie in Rees nur noch selten gebe. Durch den Ausbau des Rheins als Wasserstraße und die Landwirtschaft, die sich seit den 70ern um ein Vielfaches ausgedehnt hat. So sehr, dass es Anfang der 90er Jahre hier keine einzige Trauerseeschwalbe mehr gegeben hat. Und dann waren da auch noch die Nutria, Beutelratten, die besonders gern Röhricht fressen. "Wir versuchen gerade, die Schilfart wieder zu etablieren, können das aber nur in Käfigen", sagt Vossmeyer. Wegen der Nutria, deren Bestände immer weiter wachsen, weil die Winter hier zu mild sind.

In der Zwischenzeit behilft sich das Team um Achim Vossmeyer mit kleinen Flößen, auf denen die Trauerseeschwalben ihre Cocktailtomaten großen Eier legen können. Die Nester werden mit Fotofallen überwacht, in dieser Saison wurden erstmals zehn Schwalben beringt, um zu prüfen, wie brutplatztreu die Vögel sind. Außerdem will das Naturschutzzentrum in Rees gemeinsam mit der Stöckmann-Stiftung zur Förderung von Umwelt- und Naturschutz die Zugwege der Trauerseeschwalben erforschen. Dafür wurden die beringten Tiere zusätzlich mit Geolokatoren ausgestattet - ein Gramm leichte Geräte, die Datum, Uhrzeit und Tageslicht aufzeichnen. In der Hoffnung, dass einige Tiere nach Rees zurückkehren.

"So können wir genau sehen, welche Route die Vögel genommen haben", erklärt Achim Vossmeyer. Bisher weiß man nämlich nur, dass sich die Schwalben im Spätsommer am Ijsselmeer in Holland sammeln, um von dort aus gemeinsam nach Afrika zu fliegen. Meistens in den Westen - nach Ghana oder an die Elfenbeinküste, manchmal sogar bis nach Südafrika.

Die Informationen sind deshalb so wichtig für den Biologen, weil die Trauerseeschwalben vom Aussterben bedroht sind. Je mehr Achim Vossmeyer über die Trauerseeschwalben weiß, umso größer ist die Chance, dass die Population wieder wächst. Leider sei der Bruterfolg am Niederrhein in diesem Jahr nur mittelmäßig gewesen. Nur 34 der 66 geschlüpften Küken sind flügge geworden, und das bei 44 Brutpaaren, die 130 Eier gelegt haben. Das Gelege der Steinbrüter nicht mit einberechnet. Weil es an manchen Tagen einfach zu kalt, zu windig gewesen ist.

Quelle: RP
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