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Kleve
Brunnenhaus ist nur noch Abklatsch des Originals

Kleve. Der Klever Restaurator Clemens Giesen hat in der Stadt bereits mehrerer alte Häuser feinfühlig saniert, sie ins 21. Jahrhundert geholt, ohne ihnen ihre Identität zu nehmen. Die Ergebnisse dürfen als vorbildlich gelten. Giesen ist für die Offenen Klever stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Kultur und Stadtgestaltung. Als Restaurator bezieht er jetzt Stellung zur Wärmedämm-Sanierung des Brunnenhauses neben dem Rathaus, die dem historischen Gemäuer seinen Charme nimmt;

"Neben dem Klever Rathaus steht das sogenannte Brunnenhaus. Es wurde Ende des 19. Jh. über dem Brunnen des ehemaligen Minoritenklosterkreuzgangs gebaut, der dem Gebäude seinen Namen gab. Hier war wegen des großen Wasserverbrauchs zu Zeiten des Krankenhauses die Wäscherei untergebracht. In den 70iger Jahren stark im Inneren verändert behielt es doch von außen seine klare, glatt verputzte Außenansicht mit neogotischem Treppengiebel. Die Fenster wurden damals, so gut es ging, den Originalen nachempfunden. So bildete das Brunnenhaus mit dem Josefsheim und den Resten des Kreuzgangs des Minoritenklosters ein Ensemble das noch stimmig war und uns fast unverändert aus dem 19. Jh. überkommen war. Der meines Erachtens unplanmäßige Wildwuchs eines Ahorns vor dem Brunnenhaus gab dem Ganzen noch mal eine charmante Note.

Aber im allgemeinen Saubermachtaumel im Verband mit dem Rathausneubau ist diese Situation zerstört worden. Die Säge lag schon neben dem Ahorn, bevor der Ratsbeschluss zur Fällung genommen war. Das Brunnenhaus wurde mit dicken Dämmplatten zum pausbackigen Abklatsch des Originals, aus gemauerten Fensterbänken wurden Fensterbleche und das Ganze dann noch mit dem in Kleve üblichen Rauputz versehen, in dem solange das Wasser haften bleibt, das die Fassaden in kürzester Zeit Moos ansetzen. Die Fenster entbehren ob ihrer Grobheit jeglichen Kommentars! Ich frage mich, wann man in Kleve bemerkt, dass das anbringen von dicken Dämmplatten, versehen mit weißem Reibputz, keine Gestaltungsbereicherung ist, sondern vielmehr zu vergleichen ist mit der Verklinkerungsepedemie und Riemchenkleberei der 60iger und 70iger Jahre.

Aber in Kleve gelten ja alle alten Gebäude die nicht unter Denkmalschutz stehen als Freiwild zum Abriss oder zur Verschandelung.

Das neue Rathaus ist schon eine Herausforderung an die Geschmacks- und Sehnerven - nun vermasselt die Verwaltung auch noch das direkte Umfeld. Auf der anderen Rathausseite wo durch den gotischen Hochchor der Minoritenkirche, den wunderschönen originalen Maßwerkfenstern der Sakristei und dem neogotischen Anbau des alten Klosters ein Stückchen mittelalterliches Kleve seinen Dornröschenschlaf frönt, hat die Verwaltung die Fahrradständer für Bedienstete, die Raucherecke und vor allem die oberirdischen Müllcontainer des Rathauses platziert. Diese äußerst "feinfühlige" Planung hat jetzt zum Glück ein einstimmiger Ratsbeschluss blockiert.

Eine bessere Ohrfeige konnte der Rat der Bauverwaltung gar nicht geben! Endlich!" So die Stellungnahme von Clemens Giesen.

Quelle: RP
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