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Kreis Kleve
CDU verbannt Journalisten aus dem Bürgersaal in Issum

Kreis Kleve. Wie die CDU versehentlich beinahe ihre möglichen Bundestagskandidaten vorgestellt hätte, dann aber doch lieber die Presse rauswarf. Ein sehr persönlicher Erlebnisbericht. Von Sina Zehrfeld

Es regnet Bindfäden zum Start der CDU-Veranstaltung am Montagabend in Issum. Nass retten die Besucher sich in den Saal, unter anderem ich. Gut, fürs Wetter kann die Partei nichts. Für alles andere, was noch kommt, aber schon.

Die CDU-Verbände in Issum, Kerken und Rheurdt hatten zu einer öffentlichen Vorstellungsrunde der vier Männer geladen, die gerne nächster Bundestagskandidat der CDU für den Kreis Kleve werden würden. Etwa 60 Interessierte füllen die Sitzreihen vor der Bühne.

Da heißt es, die Presse sei bei der Sache nicht erwünscht. Warum nicht, möchte ich wissen. Es sei doch eine öffentliche Veranstaltung. Issums CDU-Vorsitzender Klaus Viefers zuckt hilflos mit den Achseln. Er könne das auch nicht rechtfertigen: "Ich bin hier ja auch nur ein einfaches CDU-Mitglied." Die vier Kandidaten in spe stehen im Rudel daneben und sind konzentriert bemüht, nichts mitzubekommen. Klaus Viefers fasst sich ein Herz. "Wissen Sie was: Setzen Sie sich einfach in die letzte Reihe."

Na schön. Letzte Reihe. Schon geht's los auf dem Podium. Zeit verstreicht, der erste Bewerber fängt an: Das Rentensystem, da passt ihm so einiges nicht. Und Infrastruktur, dazu hat er auch was zu sagen.

Was genau? Ich werde es nicht erfahren. Denn von da an wird's merkwürdig im Saal. CDU-Mitglieder gehen raus und wieder rein. Blicke werden gewechselt, Köpfe drehen sich. Dann bittet mich die christdemokratische Security in Gestalt des Kreistagsmitglieds Paul Düllings vor die Tür, wo ein weiterer Journalist bereits wartet.

Düllings hebt zur Erklärung an. "Mitglieder und alle interessierten Bürger" seien eingeladen, stand in der Ankündigung zum Abend. Nur: Das stimme leider gar nicht. Interessierte seien keineswegs eingeladen, und schon gar nicht die Presse. Es solle eine interne Veranstaltung sein, nur für Parteimitglieder.

"Aber das ist sie jetzt nun mal nicht", lege ich Protest ein. "Sie haben öffentlich eingeladen." Stimmt. Hubertina Croonenbroeck, Kerkens CDU-Vorsitzende, eilt Düllings zur Seite: Das sei ein Versehen gewesen. "Ich kann mich nur entschuldigen", sagt sie. Es sei ganz allein ihr Fehler. "Die ganzen Gäste da drin, die sind doch jetzt auch nicht alle CDU-Mitglieder", versuche ich es weiter. Doch, schon, so weit man die Leute kenne, sagen Croonenbroeck und Düllings. (Was nichts über die sagt, die sie nicht kennen. Offenbar sind sogar SPD-Mitglieder im Raum.)

"Der Vorstand des Kreisverbandes hat das beschlossen", beharrt Croonenbroeck. Ein hektischer Paul Düllings tätigt Anrufe. Beim CDU-Kreis-Geschäftsführer Manfred Lorenz: Ob man sich nicht über den Beschluss hinwegsetzen könne...? Nein, offenbar nicht. Beim Kreisvorsitzenden Günther Bergmann: Was das soll? Bergmann sagt, bei Vorgänger-Veranstaltungen habe man auch nur Mitglieder reingelassen.

Der "Fehler" mit der öffentlichen Einladung war der CDU Samstag aufgefallen. Warum wurde das dann nicht korrigiert? Das habe man vergessen, sagt Croonenbroeck.

Am Ende bleibt es dabei: Die CDU beraumt eine öffentliche Veranstaltung an und wirft dann - mit dem Ausdruck des Bedauerns - die Presse raus. Man stelle sich vor, das passierte bei irgendeiner anderen Partei. Vorzugsweise bei einer von weit rechts oder weit links. Das wäre aber sehr unschön. Fände auch die CDU.

Quelle: RP
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