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Kleve
Collegium mit Mozart im Burghof

Kleve. Ein Open-Air-Konzert, das man bei jedem Wetter genießen kann: das bietet jedes Jahr das Sommerkonzert des Collegium Musicum im Innenhof der Schwanenburg. Gut geschützt unter dem Paravent erfreuen die Atmosphäre und die Musik - mit dazu gehört der Ausschank von Getränken in der Pause. Von Barbara Mühlenhoff

Dieses Jahr begann das Collegium unter der versierten Leitung von Johannes Feldmann mit Karl Friedrich Abels Overture in C-Dur op. 5 Nr. 4. Abel wusste, was zu seiner Zeit populär war, und komponierte mit hoher Kunstfertigkeit dieses dreisätzige Werk, das das Collegium Musicum beschwingt und knackig interpretierte. Es folgte "Divertimento di danza", ein zeitgenössisches Werk von Harald Genzmer (1909 - 2007), einem wahren "Tausendsassa" der Neuen Musik. Er fand in den fünf Sätzen des Divertimento die musikalisch wertvollen Möglichkeiten der Streicher für eine Vereinigung musikalischer Sprachen, gespickt mit Jazz-Elementen. Genzmer ließ die "akademischen" Kompositionsstile der fünfziger und sechziger Jahre wie Zwölftonmusik und Serialismus aus und ließ sich nur von seinem musikalischen Ohr leiten. So erklangen die fünf Sätze immer wieder versöhnlich in harmonischem Zusammenspiel und das Collegium musizierte mit großer Spielfreude. Bei aller Vielfalt war seine Musik zugänglich konzipiert.

Vor der Pause folgte das Juwel des Programms: W.A. Mozarts Konzert für Flöte und Orchester G-Dur KV 313 mit der Solo-Flötistin Anna Hendriksen, über deren Flötenkünste man getrost schwärmen darf. Die mozartschen Solokonzerte stellen selbst erfahrene Flötisten immer wieder vor eine interpretatorische Herausforderung und zählen zum gestalterisch Anspruchsvollsten, was das Flötenrepertoire zu bieten hat. Hendriksen zeigte einen profilierten, melodisch reich schattierten Ton und interpretierte makellos im Figurenwerk, dabei fein abschattiert in den Kantilenen. Die blitzsauber gespielten Kadenzen gefielen ebenso wie die gewählten Tempi und die motivisch herausgearbeiteten Bezüge untereinander. Die Spielfreude der Interpreten drückte sich in dem spritzigen Wechselspiel von Solopartien und Orchester aus. Als bekanntes Schmankerl gab es die Zugabe der Badinerie von J.S. Bach.

Nach der Pause ging das Collegium Musicum energisch bei Joseph Haydns "Oxforder Symphonie" zu Werke. Der zur Verleihung der Doktorwürde in Oxford geschriebenen Sinfonie merkte man in der motivischen Arbeit, den deftig ausgereizten Akzenten im Menuetto und der kontrapunktischen Kür im Finale Presto die Haydn-Lust des Collegiums an. Feldmann ist mit dieser Aufführung ein klangschöner und leichter Musikgenuss gelungen. Auch wenn die Akustik im Innenhof der Schwanenburg vielleicht ein paar Reize der Musik "schluckt", ist das Konzert in seinen Facetten immer wieder eine bereichernde Empfehlung.

Quelle: RP
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