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Kreis Kleve
Das Amselsterben am Niederrhein

Kreis Kleve: Das Amselsterben am Niederrhein
FOTO: Reiner Jacobs
Kreis Kleve. Deutschlandweit ist ein massives Vogelsterben zu beobachten. Der Grund dafür ist ein tropisches Virus, das von Stechmücken übertragen wird. Besonders betroffen ist der Kreis Kleve. Auch Eulen und Käuze sind gefährdet. Von Natalie Urbig

Amseln, die apathisch wirken, schwanken und wenige Tage später sterben, sind momentan keine Seltenheit: Haufenweise tote Amseln werden in Deutschland gemeldet - auch am Niederrhein und vor allem auch im Kreis Kleve ist das Phänomen zu beobachten. Der Grund für das hohe Vogelsterben ist ein tropisches Virus, das durch Stechmücken übertragen wird. Schon in den Jahren 2011 und 2012 löste das Usutu-Virus in Deutschland ein Massensterben von heimischen Vögeln aus - fast immer handelte es sich dabei um Amseln. Sie sind besonders empfänglich für das Virus. Aber auch Usutu-Fälle bei Eulen und Käuzen habe es gegeben.

Vor gut zwei Wochen hat der Nabu erneut damit begonnen, die Meldungen von erkrankten und toten Vögeln zu sammeln: Inzwischen sind es in Deutschland 850 Usutu-Verdachtsfälle, die bei dem Naturschutzbund eingegangen sind. Dass es sich auch in diesem Jahr wieder um das Ustu-Virus handelt, konnte schon bestätigt werden. Die Meldezahlen sind bislang jedoch nur mögliche Infizierungen. Aus der Erfahrung hält der Nabu-Vogelschutzexperte, Lars Lachmann, zwei Drittel dieser Meldungen für plausible Usutu-Fälle.

Waren es in den Anfangsjahren insbesondere die Regionen entlang des Rheins, von Freiburg bis Köln, hat sich das Virus nun weiter ausgebreitet: Die meisten Meldungen kommen jedoch aus Nordrhein Westfalen, besonders der Kreis Kleve und der Kreis Wesel sind stark betroffen.

Es ist das erste Mal, dass das Virus in dieser Gegend auftritt. Für Lars Lachmann ist das auch der Grund dafür, dass die Vogelsterblichkeit dort besonders hoch ist. Während Amseln aus bereits befallenen Regionen eine Immunität gegen das Virus aufbauen konnten, sind die Vögel aus noch nie infizierten Gebieten anfällig. Doch: "Die Immunität ist nicht vererbbar", erklärt Lachmann, so dass mit einer neuen Generation von Amseln auch die Zahl der Neuinfektionen wieder zunehmen wird. Darin sieht Stefanie Heese, Naturschutzreferentin der Naturstation Niederrhein des Nabu, auch die Ursache dafür, dass es in den Jahren nach 2012 kaum noch Usutu-Fälle gegeben hat. Generell lässt sich über die neuen Verbreitungsgebiete sagen, dass es sich um Gegenden handelt, in denen es zuletzt hohe spätsommerliche Temperaturen gegeben hat. Zusammen mit der Nähe zum Gewässer bilden sie ideale Bedingungen für Mücken, durch die das Virus übertragen wird.

Dabei handelt es sich nicht nur um tropische Ansteckungsherde: Auch einheimische Mücken, können zum Träger des Virus werden, etwa durch den Kontakt zu einem erkrankten Vogel. Neben der Amsel gehören auch Eulen und Käuze zu den gefährdeten Vögeln. Für den Menschen stellt das Virus keine Gefahr da: Europaweit sind laut einer Mitteilung des Nabu erst fünf Infektionen beim Menschen festgestellt worden. Es handelte sich um Personen mit einem ohnehin schon geschwächten Immunsystem.

Infizierte Amseln lassen sich an einem auffälligen Verhalten erkennen: Sie wirken apathisch, machen torkelnde Bewegungen und ergreifen nicht die Flucht, wenn Spaziergänger sich nähern. Eine Veränderung des Gefieders wie etwa kahle Stellen seien dagegen keine eindeutigen Symptome für das Usutu-Virus, so Heese. Sie ruft dazu auf, auffällige Vögel dem Nabu zu melden. Tote Vögel können gemeldet und zu einer virologischen Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg geschickt werden. Dafür dürfe die Amsel jedoch nicht länger als einen Tag tot sein, so Heese. Sie empfiehlt das Beilegen eines Kühlakkus. Auch wenn keine Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht, weist Stefanie Heese darauf hin, das tote Tier nur mit Handschuhen oder etwa einer umgestülpten Plastiktüte zu berühren. Funde im Kreis Kleve können außerdem nach Ankündigung im Veterinäramt abgeben werden. Von dort aus werden die eingeschickten Amseln weitergeleitet an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper: Dort werden sie auf das Virus untersucht.

Für den Nabu ist eine genaue Erfassung wichtig, um die Ausbreitung und Folgen einer neuen Vogelkrankheit zu erfassen. Er bittet deshalb um Mithilfe. Eine Melde- und Anzeigepflicht gibt es dagegen nicht. Ebenso können keine Vorkehrungsmaßnahmen getroffen werden, um den erkrankten Vögeln zu helfen. "Während es generell empfehlenswert ist, Wasser- und Vogelfutterstellen sauber zu halten, kann bei einer Übertragung durch die Mücke nicht viel getan werden", sagt Heese.

Welche Auswirkungen das erneute Amselsterben auf die Population haben wird, darüber kann bislang nur spekuliert werden. Langsam habe sich jedoch der Amselbestand nach der letzten Epidemie bundesweit wieder erholt.

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Quelle: RP
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