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Kleve
Das Café der kleinen Künstler

Kleve. In der Filiale der Bäckerei Heicks & Teutenberg am Fischmarkt ist eine Ausstellung mit Werken von Kindern aus dem "Café Hope" zu sehen. Die Resonanz ist groß. Am Ende der Schau können die Exponate erworben werden. Von Peter Janssen

Xenia ist mächtig stolz. Die Zehnjährige sitzt im Café Heicks & Teutenberg am Fischmarkt und zeigt auf eine Figur, die im Fenster steht. "Die hab' ich gemacht. Und jetzt können alle sehen, wie schön die ist. Auch meine Mutter", sagt Xenia. Vor dem Fenster bleiben Passanten stehen und schauen sich die Plastik an. Wie glücklich Xenia in diesem Moment ist, kann man in ihrem Gesicht ablesen.

Zahlreiche Skulpturen und Bilder sind in dem Café verteilt. Xenia ist zusammen mit 15 Kindern in der Bäckerei-Filiale. Sie läuft mit Freundinnen von einem Werk zum nächsten. Die kleinen Künstler haben die Exponate für die Ausstellung geschaffen. Die Werke sind so unterschiedlich wie das Alter der Kinder und Jugendlichen. Die Spanne reicht von sieben bis 18 Jahre. Sie gehören zu einer Gruppe, die sich regelmäßig im "Café Hope" trifft. Geführt wird die Einrichtung von der "Initiative Jugendhilfe & Lebensberatung". Ein Ziel des Vereins ist es, die teilweise aus schwierigen Verhältnissen kommenden jungen Besucher aufzufangen und ihnen bei ihrer Entwicklung zu helfen.

Die Pädagogen Tina van Laar und Andreas Coenen sind mit an den Fischmarkt gekommen. Sie arbeiten im "Café Hope" und haben das Projekt begleitet, bei dem deutlich wird, was Kunst alles kann. Mehrere Monate beschäftigte sich die Gruppe intensiv mit Modellieren und Malen. "Dabei wurde sichtbar, welches Potenzial in den Kindern steckt", sagt Coenen. Neben Fantasie wurde auch das Miteinander gefördert. So waren häufig gleich mehrere Kinder an der Fertigstellung eines Werks beteiligt. Denn auch zusammen kann man kreativ sein. Neben den Bildern sind teilweise fünf Namen angebracht, die alle einen Beitrag geleistet haben.

Doch stand bei dem Projekt nicht das Ergebnis im Vordergrund. Es ist das Miteinander, die Anerkennung. Ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen ist aufgrund der Zusammensetzung der Gruppe eine Aufgabe, die mit anspruchsvoll nur unzureichend beschrieben ist. Denn neben dem enormen Altersunterschied stammen die Kinder aus verschiedenen Kulturkreisen.

So kommt etwa Majdouline aus Marokko. Als sie merkt, dass es Schwierigkeiten macht, ihren Vornamen richtig zu schreiben, zieht sie den Block über den Tisch und malt diesen aufs Papier. Die 10-Jährige besucht die Spyckschule in der Klever Unterstadt. Sie kennt die Nationalitäten der anderen Kinder genau, die gerade durch das Café laufen. Majdouline zeigt auf einzelne und sagt: "Portugal, Russland, Bosnien, Deutschland, Polen und die anderen finde ich jetzt nicht." Auch von der jungen Marokkanerin sind mehrere Werke in der Ausstellung. "Es hat Spaß gemacht. Immer wenn wir wollten, haben wir wieder gemalt", sagt sie.

Zu der Präsentation in dem Café kam es, weil die Mutter eines der Kinder hier arbeitet. Filialleiterin Sigrun Heinzel sah ein Werk und wollte gern mehrere Arbeiten aus der Gruppe zeigen. Die Pädagogen des "Café Hope" nahmen das Angebot an. Bei ihrem Besuch erfahren sie, wie gut die Bilder bei den Gästen ankommen, die immer vor den Exponaten stehen bleiben. "Die Resonanz auf die Ausstellung ist enorm. Ich werde regelmäßig auf die Ausstellungsstücke angesprochen", sagt Sigrun Heinzel.

Den Wunsch, eines der Exponate nicht nur bei Heicks & Teutenberg zu betrachten, sondern auch zu Hause im Wohnzimmer, kann man sich erfüllen. Am Ende der Präsentation werden die Stücke zum Kauf angeboten. Das Geld kommt allein der Jugendarbeit des "Café Hope" zugute, das auch für Spenden dankbar ist. Es dürfte von Vorteil sein, wenn man sich jetzt für ein Werk aus der Ausstellung entscheidet. Denn auf die Frage, ob sie bald damit beginnt, für die nächste Ausstellung zu malen, antwortet Majdouline: "Nein. Jetzt reicht es mir erstmal."

Quelle: RP
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