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Kleve-Kellen
Das Fundament des Glaubens in Glas

Kleve-Kellen: Das Fundament des Glaubens in Glas
Ganz oben, im Zenit des Kunstwerks, wird Gottvater durch ein Auge symbolisiert. Auf ihn ist alles gerichtet. FOTO: Markus van Offern
Kleve-Kellen. In der Alten Willibrordkirche Kellen wird in neun Glasfenstern der Tod, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi dargestellt. Das Werk wurde von dem Münsteraner Künstler Wilhelm Schülter geschaffen. Von Werner Stalder

Wenn man als Besucher die Alte Willibrordkirche in Kellen betritt, geht der Blick sogleich auf ein buntes Glasfenster im Chorraum dieses altehrwürdigen Gotteshauses. Diese Darstellung fasst in wenigen Szenen die Kernaussagen des christlichen Glaubens zusammen - das Leiden, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi.

Nach der ersten Restaurierungsphase im 20. Jahrhundert war es vor allem der damalige Pastor Joseph Bullmann (von 1934 bis 1958 Pfarrer in St. Willibrord Kellen), der in den Jahren 1954/55 eine zweite Restaurierungsphase forcierte. In diesem Zeitraum schuf der Münsteraner Künstler Wilhelm Schlüter (1902-1976) für das niederrheinische Kleinod das Chorfenster als Mittelfenster hinter dem Altar. Wilhelm Schlüter wirkte in allen Bereichen der christlichen Kunst. Die Ausstattung der Alten und Neuen Kirche in Kellen zählt zu den herausragenden Werken Schlüters.

Ausgeführt wurde die Glasarbeit des Fensters in der Alten Kirche durch die Firma Hein Derix in Kevelaer. Das Glasmalereiunternehmen ist seit 1886, also seit 130 Jahren, in der Marienstadt ansässig. Heute führt Peter Derix die Firma.

Im unteren Teil des Fensters sieht man den gekreuzigten Herrn mit seiner Mutter Maria. Im linken Bild erkennt man seinen Lieblingsjünger Johannes und einige Frauen, die ihm gefolgt waren. Darüber links ist Jesus zu sehen, der aus dem Grabe aufersteht. Er hält die Siegesfahne in der Hand. Auf seinen Händen und Füßen sind die Male der Nägel deutlich zu sehen. Beim Anblick des Auferstandenen wird man an ein Osterlied erinnert: "Halleluja! Der in Qualen wie ein Wurm zertreten war, hebt die Fahne, glänzt in Strahlen, unverletzt und ewig klar; wandelt leuchtend wie die Sonne, spendet Licht und Kraft und Wonne." Diese Darstellung ist in Kellen ein beliebtes Motiv für Totengedenkzettel.

Rechts neben dem Ostergeschehen stehen Soldaten, die das Grab bewachen und sich voller Angst und Furcht abwenden. Gleich zwei Fensterflächen nehmen die Darstellung der Himmelfahrt Christi ein. In der Apostelgeschichte heißt es: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen." (1,11)

"Vielleicht wollte der Künstler damit das Ziel der christlichen Hoffnung zum Ausdruck bringen, nämlich, dass wir wie Jesus Christus zu unserem Vater im Himmel heimkehren", sagt Diakon Klaus Venhofen aus Kellen, der sich seit seinen Kindertagen dem ältesten Bauwerk seines Heimatortes verbunden fühlt. Und er zitiert ein Wort aus dem Johannesevangelium, wo Jesus sagt: "Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin." (Joh 14,3)

So ist das Glasfenster in der Alten Kirche ein lebendiges Evangelium. Es zeigt den Weg des Herrn durch Leiden und Tod hindurch zur Auferweckung und Himmelfahrt. Und so darf die Christenheit im österlichen Jubel singen: "Das Grab ist leer, der Held erwacht: der Heiland ist erstanden; da sieht man seiner Gottheit Macht, sie macht den Tod zuschanden. Ihm kann kein Siegel, Grab noch Stein, kein Felsen widerstehn; schließt ihn der Unglaub' selber ein, er wird ihn siegreich sehn."

Quelle: RP
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