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Zum Sonntag
Das ganz normale Leben

Kleve. Haben Sie es schon bemerkt? Das ganz normale Leben hat wieder begonnen. Schule und Kindergarten haben wieder angefangen; nach den Ferien ist morgens wieder Leben auf den Straßen. Auf die, die nach dem Sommerurlaub wieder ihre Arbeit aufnehmen, warten ungeöffnete Post, unbeantwortete E-Mails und neue Aufgaben. Der Alltag gewinnt wieder an Fahrt. Bald schon wird alles seinen gewohnten Gang nehmen: Das normale Leben ist wieder da.

Vielleicht ging es einigen so wie mir in den letzten Wochen: Wenn mit Ferienbeginn Ruhe einkehrt und alles etwas langsamer läuft, dann genieße ich das. Bei der Arbeit lasse ich es dann ruhiger angehen und packe an, was in den Wochen zuvor liegen geblieben ist. Darüber hinaus bleibt dann noch Zeit für die Familie, für Ausflüge und Besuche bei Freunden. Und dann kommt endlich der Sommerurlaub - Zeit, sich auszuruhen und neue Kraft zu tanken. Schön! Das könnte immer so sein. Oder vielleicht doch nicht? Auch das habe ich in den letzten Wochen gemerkt: Irgendwann denke ich: "Jetzt ist es gut. Jetzt kann das ganz normale Leben wieder beginnen." Irgendwann ist dieser Punkt erreicht. Dann sehne ich mich nach dem gewohnten Rhythmus.

Unser Leben braucht irgendwie beides: Aktivität und Ruhe, Leerlauf und Anstrengung. Leerlauf tut uns gut, weil wir Menschen nicht durchgängig "funktionieren" können. Aber ebenso brauchen wir Beschäftigung: eine Arbeit, die uns ausfüllt, Ziele, für die wir uns anstrengen. Beides brauchen wir. Und auf die richtige Mischung kommt es an.

Ich glaube: Der Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe gehört zu unserem Leben dazu, weil Gott es sich so gedacht hat. Ganz am Anfang, als Gott die Welt geschaffen hat, hat er uns diesen Lebensrhythmus mitgegeben. Da gibt es einen Tag für die Ruhe. Da ist Pause, Sabbat, weil der Mensch nicht nur "funktionieren" kann. Und im Alten Testament schreibt der weise Kohelet: "Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde." Und: "Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit."

Aber manchmal fehlt uns Menschen der Blick dafür, was gerade "dran" ist. Weder der "Workaholic", der ständig in der Tretmühle seines Berufs gefangen bleibt, noch der Faulenzer, dessen Leben träge dahin tropft, lebt wirklich gesund. Das sind natürlich die Extreme, aber mehr oder weniger ringt jeder darum, den richtigen Rhythmus zu finden, das richtige Gleichgewicht zwischen aufzehrendem Stress und gähnender Langeweile.

"Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit." Dieser Gedanke hilft mir, beides zu leben - die Ruhe der Ferien ebenso wie das ganz normale Leben. Beides hat seinen Wert, beides ist wertvoll. Und in beidem pulsiert das Leben, das Gott mir geschenkt hat.

Pfarrer Georg Freuling Ev. Kirchengemeinde Kleve

Quelle: RP
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