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Kleve
Das Geflecht der Künstler im Salon

Kleve: Das Geflecht der Künstler im Salon
FOTO: Evers Gottfried
Kleve. Am Freitag wird die 13. Ausgabe vom "Salon der Künstler" in Kleve eröffnet. Die Ausstellung im Museum Kurhaus zeigt Positionen von 16 verschiedenen Künstlern aus der Region zwischen Arnheim und Köln. Von Matthias Grass

Die rostrote Linie zieht sich im Zick-Zack-Kurs über drei weiße Leinwände, überschneidet sich, windet sich, schlägt spitze Zacken. Hier ist der gezackte Weg des Streifens mattrostig, dort schimmert er bläulich. Er verlässt den Maluntergrund um wieder zurückzukommen und über die nächsten Flächen des Triptychons zu wandern. Es ist eine geradezu minimalistische Arbeit, die die in Bordeaux lebende Kleverin Barbara Schroeder zum 13. Salon der Künstler eingereicht hat. Das Weiß deckt vielen Schichten, zeigt pastos-dicke Linien, die übermalt wurden, lässt Farben erahnen, die manchmal warm durch das Weiß schimmern. Eine leise wie starke Arbeit im 13. Salon der Künstler im Museum Kurhaus Kleve, die locker die Stirnwand des Erdgeschosses besetzt.

Brigitte Dams Flechtwerk im Doppelsaal (oben) und Lique Schoots Installation aus Selbstporträts. FOTO: eve

"Der Salon ist eine sehr schöne Methode, alle fünf Jahre eine Bestandsaufnahme der Künstler aus der Region zu zeigen", sagt Kleves Museumsdirektor Prof. Harald Kunde. Zu zeigen wie sich bekannte Künstler entwickelt haben, welche Überraschungen auftauchen, welche neuen Positionen es gibt. Wie Lique Schoot mit einer spannenden Selbstbetrachtung. Teils wirken die auf Dibond gezogenen Schwarz-weiß-Abzüge ihrer "Selfies" wie Zeichnungen, teils wie flüchtig unscharfe Handyfotos. Schoot gruppiert die Bilder zu einer Installation ihrer selbst, in der manche auch ihr alter Ego sehen können.

Eine ganze Wand aus Fotos hat Pier Pennings im ersten Stockwerk des Museums installiert. Es ist eine Wand voll erzählter Sozialgeschichte. Tatsächlich zeigen die Bilder immer den gleichen Blick in das Wohnzimmer eines Wohnblocks und was der Mensch individuell daraus gemacht hatte. Es ist eine Sozialgeschichte, die hier ihr Ende findet. Die Menschen, die sie schrieben, haben die Wohnungen verlassen. "Home it was" titelt Pennings die Installation der stillen Dokumentation eines Heims, das einmal war. Der Block in der unbekannten Stadt wird abgerissen werden.

Es gibt viele gute Foto-Positionen unter den aus 90 Bewerbern ausgewählten 16 Künstlern, die von Dr. Bettina Paust (Schloss Moyland), Dr. Stephan Mann (Museum Goch), Susanne Figner und Harald Kunde (beide Museum Kurhaus Kleve) auserkoren wurden. 16, die den Überblick über die Kunstschaffenden der Region zeigen. Nicht dabei in diesem Jahr Günther Zins, der nicht am Salon teilnahm.

Jancintha Bierens hat mit ihrer Kamera die Zerstörungen aus Sri Lanka durch den Tsunami in einer solchen fotografischen Ästhetik dokumentiert, dass Arbeiten auf der Wand hängen, die fast "Matisse-artig" sind (so Kunde), Bilder die zugleich Schrecken und Schönheit verbinden. Malte Lambert aus Goch, den Kunde als Neuentdeckung beschreibt, hat eine Serie Fotos gemacht, die als Linie ein Stück Reichswald beschreiben, wie tiefe Spuren auf Wegen oder das Laub der mächtigen Bäume.

Malerisch dagegen Monika Buchen. Kraftvoll und dynamisch wirken die Figurationen auf ihren Leinwänden, fast skulptural. Verborgen dagegen, wie aus einem flüchtigen Gedanken auftauchend, sind dagegen Anke Lands Figuren auf ihren teils gemalten, teils gedruckten Arbeiten. Zhenia Couso Martell ist mit ganz zarten Zeichnungen, kleinteilig und abstrakt, dabei. Elly Sloep wird eine Lichtinstallation bringen, Caroline Koenders zeigt ihre tiefschwarzen Radierungen. Auf Papier arbeitet auch Britta Bogers mit grafischen Formen. Grafisch sind auch die Bilder von Miranda Ricken - sie "malt" mit Material, das sie überall findet und zu Stoffen verarbeitet, die sie dann verwebt. So wird die Leinwand zum Bild und nicht das Bild auf der Leinwand. Stark wie immer die Flechtwerke von Brigitte Dams, die den Doppelsaal besetzen: Gurtwerk mitten im Raum und dazu feine Zeichnungen.

Wie aus einer anderen Zeit die Installationen von Dini Thomsen "Erntedank I + II". Und auf Schroeders minimalitische Linie ohne Titel trifft die bedeutungsschwangere Arbeit "Verschiedene Kleider der Seele" von Rita Beckmann, bei der die Kleverin vom groben Sackleinen bis zum Zeitungspapier diverse Alltagsmaterialien verarbeitet hat. Last not least Lee Eun Young: Die am Niederrhein lebende Koreanerin zeigte einen Wunschbaum aus "Briefen an Gott". So auch der Titel.

Die Ausstellung wird am Freitag, 17. Februar, 19.30 Uhr eröffnet, es spricht Harald Kunde. Bis 1. Mai.

Quelle: RP
 
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