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Weichenstellungen für Generationen (Ende)
Das Jahrhundertprojekt Hochschule

Weichenstellungen für Generationen (Ende): Das Jahrhundertprojekt Hochschule
Eine Stadt des Wissens: der Campus Cleve im Hafen der Kreisstadt. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. In kürzester Zeit gelang es dem Kreis Kleve, einen kompletten Campus im Hafen von Kleve hochzuziehen: Zuvor ging für den Kreis und vor allem für die Kreisstadt ein Traum in Erfüllung, als das Land den Zuschlag für die Hochschule Rhein-Waal gab. Von Matthias Grass

Kreis Kleve 2009 kam die Zusage, 2012 wurde der Campus bezogen und 2015 war die angestrebte Zahl von 5000 Studenten bereits überschritten. Die Hochschule Rhein-Waal mit ihrem Sitz in Kleve und dem Standort in Kamp-Lintfort ist eine Erfolgsgeschichte, ist die Erfüllung eines Traums, den schon die Herzöge von Kleve im ausgehenden Mittelalter träumten, dessen Erfüllung aber bis 2009 immer wieder scheiterte. Jetzt steht in der Kreisstadt eine Stadt des Wissens rund um den alten Getreidespeicher - ein Campus-Gelände mit Wiesen und dem Wasser im Kanal und am Wendehafen. Es quirlt junges Leben durch die Stadt, die eine völlig andere Dynamik bekommen hat.

Der Wettbewerbsaufruf des Landes erschien 2008 und formulierte trocken die Punkte, die Kommunen, die sich um einen Hochschulstandort bewerben wollen, erfüllen müssen: Fachlicher Schwerpunkt sollten Ingenieur- und Naturwissenschaften sein, die regionale Wirtschaft sollte den künftigen akademischen Nachwuchs einbeziehen, und eine duale Ausbildung sollte möglich sein. Das war am 26. Mai 2008. Schon im Februar hatten die Grünen im Kreistag den Kreis aufgefordert, eine Initiativbewerbung an das Land zu schicken, als klar wurde, dass Nordrhein-Westfalen drei neue Fachhochschulen gründen wollte. Der Grünen-Antrag wurde zunächst von der Kreistags-Mehrheit abgelehnt. Und doch: Einstimmig wurde die Verwaltung aufgefordert, "künftig alle Schritte zu unternehmen, die dazu führen, dass der Kreis Kleve Standort für eine Fachhochschule werden kann". Damals glaubte keiner so richtig, dass das klappen sollte.

Prof. Marie-Louise Klotz baute die Hochschule auf. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Doch Landrat Wolfgang Spreen hatte seine Hausaufgaben gemacht: Ein Team stand Gewehr bei Fuß, und schon am 2. Juni 2008, wenige Tage nach der Ausschreibung, kündigte Spreen eine Tischvorlage für die nächste Kreistagssitzung zur Bewerbung an. Der Kreis Kleve holte sich mit Prof. Hanns Seidel einen exzellenten Kenner der Szene als Experten. Man formulierte einen Antrag, der zum Durchbruch führte und dem Kreis die Hochschule brachte. Ausschlaggebend: Die Verzahnung mit der Industrie, mit den Banken, dem Handwerk. Zudem die mit Agrowissenschaften und Logistik auf die Region abgestimmte Ausrichtung als MINT-Hochschule, die sich auf die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik konzentriert. Und als der Zuschlag dann vorlag, stellte Spreen gleich ein weiteres Team zusammen, das für den Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes den Campus baute. Ein Großprojekt mit einem Volumen von über 120 Millionen Euro, das von der Behörde fristgerecht und unter Einhaltung der Kosten in Rekordzeit errichtet wurde. Zuvor gelang es Spreen, alle Bürgermeister des Kreises hinter das Projekt zu bekommen: Man sprach mit einer Stimme.

Gründungspräsidentin Prof. Marie-Louise Klotz startete mit ihrem Team rasant: Mit Dr. Martin Goch, Vizepräsident für Verwaltung, den Vizepräsidenten Prof. Peter Scholz (Forschung) und Antje Freifrau von Richthofen (Lehre) baute sie die Hochschule mit vier Fakultäten auf, legte den Schwerpunkt auf Innovation, Internationalität und Interdisziplinarität. Die Fakultäten Technologie und Bionik, Life Sciences sowie Gesellschaft und Ökonomie haben ihren Sitz in Kleve, die Fakultät Kommunikation und Umwelt in Kamp-Lintfort. "Derzeit bietet die Hochschule Rhein-Waal 25 Bachelor- und acht Masterstudiengänge in natur-, wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlichen Fachgebieten sowie Sozial-, Gesellschafts- und Gesundheitswissenschaften an", sagt Hochschulsprecherin Christin Hasken, Rund 85 Prozent der Studiengänge sind in englischer Sprache. Von Beginn an hat die Hochschule internationale Studenten gesucht, Klotz warb in Fernost akademischen Nachwuchs an.

Präsidentin Dr. Heide Naderer möchte die Region noch mehr einbeziehen. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Auch ihre Nachfolgerin, Präsidentin Dr. Heide Naderer, hält an der internationalen Ausrichtung der Hochschule fest. Sie will aber auch im nahen Ausland, in den Niederlanden, werben und die Netzwerkbildung mit den niederländischen Hochschulpartnern verstärken. Jetzt steht die Konsolidierung der Hochschule auf dem Programm, die Schärfung der Angebote: Auf der Basis der Internationalisierungsaktivitäten soll eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden, um klarer inhaltliche Zielsetzungen abzustimmen; hier sollen die Fakultäten unmittelbar einbezogen werden.

Darüber hinaus stehen weitere Entwicklungen für die Hochschule an. Naderer: "Mit der zunehmenden Zahl von Absolventen muss sich die Hochschule mit der Netzwerkbildung dieser Gruppe befassen, um den Kontakt zu ihren ,Ehemaligen' nicht abreißen zu lassen: Auch wenn ausländische Absolventen in ihr Heimatland zurückgehen, möchten wir wissen, was aus ihnen geworden ist, wo und wie sie sich beruflich entwickeln, und ob es zukünftig Anknüpfungspunkte gibt. Neben Kontakten zu Unternehmen können Weiterbildungs- und e-learning-Angebote helfen, dass "life long learning" unabhängig von Zeit und Ort praktisch möglich wird." Dieses sei jedoch nicht nur in internationaler Perspektive wünschenswert, sondern auch regional und überregional wichtig, um möglichst vielen Studierwilligen eine zeit- und ortsunabhängige Lernperspektive zu geben.

Quelle: RP
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