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Kleve
Das kleine Format als Gewinn

Kleve: Das kleine Format als Gewinn
Malte Lambert kommt aus Goch und hat gerade einen Bachelor als Kommunikationsdesigner an der Fachhochschule Düsseldorf abgeschlossen. FOTO: Markus van Offern
Kleve. Der Gocher Malte Lambert gehört zu den jungen Künstlern, die im "Salon der Künstler" im Museum Kurhaus Kleve zu sehen sind. Kuratorin Susanne Figner stellt die Fotos des Studenten der Folkwang-Schule vor. Von Matthias Grass

Malte Lambert ist Spaziergänger. Ein Mann, der sich gehend den Motiven nähert, der gehend die Motive findet. "Es ist nicht die Frage, was ich sehe, sondern, was sieht mich an, was kommt mir als Bild entgegen", sagt der 32-Jährige, dessen Fotos im "Salon der Künstler" im Museum Kurhaus Kleve aufmerksam machen. Es sind einerseits stille Blicke in die Natur. Ruhig im Aufbau erinnern sie an die Düsseldorfer Schule der Bechers. Doch in der Stille wird andererseits der Blick gebrochen, zeigen sich Spuren. Spuren der Menschen, die dort irgendwann zu Werke gingen.

"Ich muss auch sehen, was den Blick bricht, das macht das Bild spannend, zieht hinein", sagt Lambert. Seine Erkenntnis: Egal, wie lang man läuft, der Mensch hat überall seine Spuren hinterlassen - vom auffallenden Rot als Markierung auf einem Buschgeäst, als Reifenspur im weichen Untergrund.

Auf der anderen Seite seien in den Bildern des 1985 geborenen Fotografen auch skulpturale Einflüsse zu sehen, sagt Susanne Figner vom Museum Kurhaus. Dinge, die das kleine Format der Fotografien Lamberts sprengen - sie werden im Blick des Betrachters viel größer - und bekommen räumliche Qualitäten. Das Interesse an spezifischen Motiven rührt auch immer von einer spezifischen Beziehung seines Körpers im Raum, in der jeweiligen Situation, her, sagt Malte Lambert.

Zwar muss man näher heran gehen, an das kleine Format, aber die Fotos sind so stark, dass man nicht vorbeiläuft. "Letztlich ist das kleine Format ein Gewinn, da sich eine eins-zu-eins Situation zwischen dem Betrachter und dem Bild entwickelt", sagt Figner, was nicht immer einfach ist. Lambert weiß, dass der Eindruck in natura vom Foto abgeschwächt wird und das Motiv sehr stark sein muss, um auf der großen Wand zu funktionieren. Lamberts Fotos funktionieren, halten die Wand aus. Sind als Serie einer Wanderung durch die Natur, die eigentlich ganz viele Wanderungen darstellt, an vielen Orten, nicht nur im Reichswald, ebenso gesetzt, wie als Einzelfotos. "Das Faszinierende an diesen Fotos ist, dass es am Ende nicht um Natur geht, sondern um gefundene Objekte", sagt Figner.

Der Gocher fotografiert in der Regel mit einer Kompaktkamera, die als "leichtes Gepäck" einfach zu handhaben ist. Die Motive behaupten sich auch in der Qualität dieser Kamera, sagt der Fotograf. Stimmt: Das berühmte Foto von Picasso machte Willi Maywald mit einer Kinderkamera, weil ihm seine "Rolleiflex" heruntergefallen war. Das Motiv ist ausschlaggebend. Bearbeitet werden die Bilder lediglich so viel wie nötig. "Jedes digitale Foto muss letztlich bearbeitet werden", sagt Lambert.

Der Gocher hat gerade seinen Bachelor als Kommunikationsdesigner an der Fachhochschule Düsseldorf abgeschlossen und tritt jetzt seinen Master am Folkwang-Institut in Essen an - als Fotograf.

Lambert gehört zu den ganz jungen Künstlern im Salon der Künstler - mit klarer Perspektive, urteilt Figner. Mit den Fotos hat Lambert die Jury überzeugt, die die Mischung aus Jung und Alt, neu und etabliert für den "Salon der Künstler" im Museum Kurhaus ausgesucht hat. Darunter auch ein Bild von Barbara Schroeder. Die längst in Frankreich etabliere Malerin hatte als ganz junge Künstlerin ihre frühen Werke zum Thema Mauerfall in Kleve kurz nach der Wiedervereinigung gezeigt - im "Salon der Künstler". Im Herbst eröffnet eine Ausstellung mit Werken Schroeders in Schloss Moyland.

Salon der Künstler, Museum Kurhaus, bis 1. Mai. Dienstag-Sonntag, 11-17 Uhr.

Quelle: RP
 
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