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Kleve
Das Kriegerdenkmal am Ehrenmal

Kleve. Es ist die Stelle, wo eigentlich Matarés Krieger liegen sollte: Max Knippert und Ursula Meissner schufen einen Gedenkpavillon mit den Fotos der Kriegsfotografin Meissner und einer Dokumentation über das alte Ehrenmal. Von Matthias Grass

Als die monumentale Skulptur 1934 aufgestellt wurde, sollte der "Tote Krieger" an die Opfer des Ersten Weltkrieges gemahnen. Doch den Nazis gefiel die Skulptur des Düsseldorfer Akademieprofessors Ewald Mataré nicht. Sie bauten den in einem Ehrenmal aufgebahrten toten Krieger in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ab, zerstörten die über fünf Tonnen schwere und mehrere Meter lange Basaltskulptur und vergruben sie. Denn Mataré hatte einen toten Soldaten in den Stein geschlagen, der Opfer war, nicht Held.

Erst Ende der 1970er Jahre wurde die Figur bei Bauarbeiten im Bauschutt entdeckt und vom Bildhauer und Mataré-Schüler Elmar Hillebrand restauriert. Da die Stadt Kleve das Mahnmal, in dem der Krieger einst aufgebahrt war, schnöde abreißen ließ, um eine Straße zu verbreitern, hat die Skulptur jetzt ihren Platz vor der Stiftskirche am kleinen Markt in Kleve. Dort, wo das beeindruckende Bauwerk mit Krieger einst stand, ist jetzt ein Nichts im Stadtraum. Ein Stück Wiese, das dazu dient, Großplakaten einen unangemessenen Standort zu geben und Hunde auszuführen. Der Treppenwitz der Geschichte: Die Anliegerstraße heißt dort, wo es schon lange kein Ehrenmal mehr gibt, immer noch "Am Ehrenmal".

Diesen Ort haben der Klever Künstler Max Knippert und die Kriegsfotografin Ursula Meissner aufgegriffen: Sie haben dort einen Mahnmal-Pavillon aufgerichtet. Der erinnert gleichzeitig im Rahmen der Kurhaus-Ausstellung zum 50. Todestag von Ewald Mataré an den richtigen Standort für den Krieger des Büdericher Künstlers.

Auf drehbaren Tafeln haben Knippert und Meissner Geschichte und Gegenwart gegenübergestellt. Sollte der Tote Krieger Matarés noch an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mahnen, folgten die Toten des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Herrschaft, es folgten Korea und Vietnam, Irak und Afghanistan, das Morden auf dem afrikanischen Kontinent: Meissner zeigt mit beeindruckenden Fotos, dass Krieg ununterbrochen bis heute weiter wütet. Verstümmelte Kinder, Frauen, die Kalaschnikows geradezu liebevoll reinigen, ins Leere blickende Gesichter. Es sind Bilder vom allgegenwärtigen Wahnsinn.

Außen dokumentiert Knippert, wie schnöde man in Kleve nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem nahezu unbeschädigten Ehrenmal umging, beeindruckend die Steigerfotos vom Denkmal im Schnee, das irgendwann einfach der Straße im Weg stand. Es wird auch dokumentiert, wie hilflos in Kleve diskutiert wurde, als der Krieger wieder auftauchte, der jetzt etwas unglücklich vor der Kirche liegt: Es ist eine Skulptur, deren Wirkung darauf ausgelegt ist, dass man sie auch von oben betrachten kann - man schaute auf den Toten herab. Jetzt blickt man zur Figur auf, die vor der Kirche liegt. An dieser Stelle gibt es die Topographie nicht, die Mataré nutzte, als er den Gefallenen dort aufbettete.

Knippert und Meissner haben die Bedeutung des Ortes erkannt. Die Tafeln sind eigentlich drehbar: Geschichte und Gegenwart vermischen sich, die Trennung zwischen drinnen und draußen verwischt. Wegen des Sturms sind die Tafeln derzeit bewusst blockiert. Man kann in das Werk hineingehen, die Tafeln auf sich wirken lassen.

Und man kann darüber nachdenken, ob Matarés Krieger nicht an seinem angestammten Platz besser aufgebahrt werden würde. Hier, am Ehrenmal, wo er hingehört. Auch diese Frage stoßen Knippert und Meissner mit ihrer Installation an. Man sollte hingehen, den Pavillon umrunden, eintreten und die Bilder wirken lassen.

Quelle: RP
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