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Niederrhein/Uedem
"Das Leben steht im Vordergrund"

Niederrhein/Uedem: "Das Leben steht im Vordergrund"
Blick in das voll besetzte Bürgerhaus in Uedem. FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Niederrhein/Uedem. Der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe besuchte erstmals seinen Geburtsort Uedem. Zur Diskussion um das Thema "Sterbehilfe" hatte ihn der Evangelische Arbeitskreis (EAK) der CDU Niederrhein in das Bürgerhaus eingeladen. Von Maria van de Sand

Nur einen Steinwurf weit entfernt von dem Haus, in dem Hermann Gröhe vermutlich seine ersten Schritte gemacht hat, referierte der Minister nun zum Thema "Sterbehilfe" - im Bürgerhaus Uedem. Es war das erste Mal, dass der aus Uedem stammende Minister seinem Geburtsort einen Besuch abstattete. Bürgermeister Rainer Weber kommentierte:"Wir sind stolz, dass ein Uedemer Bundesminister ist."

Nachdem Hermann Gröhe sich in das goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, erklärte er zunächt die Hintergründe seines Uedemer Daseins etwas genauer: "Meine Eltern sind im Jahre 1958 aus der DDR geflohen und dann in den Kreis Kleve gekommen." Beide unterrichteten in Uedem an der Zubringerschule. Der jetzige Minister kam im Februar 1962 im Sankt-Laurentius-Krankenhaus zur Welt. Anderthalb Jahre später zogen seinen Eltern mit ihm um. Von der Lohstraße 32 ging es nach Straelen und anschließend nach Neuss, wo Gröhe den Kindergarten besuchte. Kontakte in seiner Heimat habe er heute eher politischer Art wie etwa mit dem Landrat Wolfgang Spreen, so der Minister.

Politisch ging es dann weiter - mit dem Einstieg in das Thema "Sterbehilfe". Nach den Begrüßungsworten durch Jürgen Plöhn vom evangelischen Arbeitskreis der CDU Niederrhein verdeutlichte Gröhe die Brisanz der Problematik. Drei Prozent der 70- bis 75-Jährigen litten heute unter Alzheimer, bei den 90-Jährigen sei es gar ein Drittel, so Gröhe. "Hochbetagte Menschen brauchen Betreuung. Wie muss die Gesellschaft damit umgehen?", fragte er. Alte Leute hätten verschiedene Ängste wie etwa vor Krankheit, dem Alleinsein, vor unerträglichen Schmerzen und dem Tod. Einigen dieser Ängste könne entgegengewirkt werden. 100000 Ehrenamtliche gebe es etwa in der Hospizarbeit, seit dem Jahr 2012 sei die Palliativmedizin Pflichtprüfungsfach für Mediziner, es habe sich schon viel bewegt, erklärte Gröhe. Die Angst vor der Fremdbestimmung aber könne man Menschen nicht nehmen, indem man die aktive Sterbehilfe in Deutschland gesetzlich erlaube. "Als Christen können wir nicht hinnehmen, dass Menschen dieser Apparate getriebenen Medizin ausgeliefert sind", forderte Hermannn Gröhe beim EAK.

Die Referenten des Abends, der Mediziner Norbert Schürmann, Eva Chiwaeze von der Hospizinitiative Wesel und Maria Küsters, Gründerin der Hospizgruppe des Malteser Hilfdienstes, argumentierten in Ihren Ausführungen ähnlich wie der Minister. Gröhe sprach sich vehement dafür aus, die sogenannte geschäftsmäßige Suizidbeihilfe zu verbieten. Sterbehilfevereinen und Medizinern, die beinahe schon für den Tod per Medikament Werbung betrieben, könnte nach dem von Gröhe favorisierten Gesetzesentwurf bald das Handwerk gelegt werden.

Einzig Maria Küster fragte in die Runde, warum sich laut einer aktuellen Umfrage mehr als 60 Prozent der Deutschen gegen das Verbot einer aktiven Sterbehilfe ausgesprochen hätten. Dem hielten der Minister und andere entgegen, dass in derartigen Erhebungen stets die "Gesunden" befragt würden. Wichtig war dem Gesundheitsminister eine vorbeugende Behandlung, zum Beispiel bei Depressionen und anderen Krankheiten.

Der Palliativmediziner Schürmann hat bisher etwa 1200 Menschen beim Sterben begleitet. Er sagte: "Bei den Schwerstkranken steht das Leben im Vordergrund." Die Referenten des Abends waren sich einig, dass das Ja zum Leben und eine helfende Hand bei der Fragestellung im Vordergrund stehen sollten.

Quelle: RP
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