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Kleve
Das Phantom geisterte über die Stadthallenbühne

Kleve. Manch einer hatte wohl eine Version à la Andrew Lloyd Webber erwartet: "Das Phantom der Oper" wurde auf die Bühne der Klever Stadthalle gebracht, allerdings als "Originalproduktion" nach dem Librettisten Paul Wilhelm und dem Komponisten Arndt Gerber. Die Zuschauer kamen dennoch zahlreich. Es erwartete sie ein durchdachtes Bühnenbild mit stimmigen Projektionen der jeweiligen Schauplätze der 16 Bilder auf eine rückwärtige Leinwand, die in die Handlung rund um die Pariser Oper um 1900 entführte. Von Barbara Mühlenhoff

Der Abend mit der insgesamt zweieinhalbstündigen Pause gelang dann sehr unterhaltsam, wenn auch nicht tief berauschend. Die Szenenwechsel mit den passenden Requisiten wie einer Ballettstange, großen Kerzenleuchtern, einem mannshohen Spiegel oder einem "alten" Flügel funktionierten reibungslos. Die Geschichte um das durch die Romanvorlage berühmte Phantom, das versucht, die Liebe der Sängerin Christine Daaé zu erlangen, wurde stringent und mit einigen humoristischen Stellen gewürzt erzählt.

Barbara Freitag als Sopranistin Carlotta erheiterte mit herrlich divenhaftem Gehabe und Primadonna-Robe, während Jens Bogner - eigentlich in einer kleineren Rolle als Monsieur Philippe - in seinen Monologen und seinem Spiel überzeugte. Sehr gut agierte auch Nadine Pohl als Logenschließerin Madame Giry, während Maria Meßner als Christine und Daniel-Erik Biel als Raoul Vicomte de Chagny, ihr Freund, zwar gesanglich und schauspielerisch gefielen, wenn auch nicht unbedingt herausragten. Christoph Goetten als das Phantom belebte seinen Charakter mit Enthusiasmus, entwickelte allerdings - vermutlich wegen der musikalischen Untermalung - keine Gänsehaut-erzeugende Tiefe. Die Musik wurde vom Orchester unter der Leitung von Lajos Taligás gut ausgeführt, bewegte sich jedoch auf einer Rutschbahn zwischen Schlager, Chanson und Musical.

Das sehnsuchtsvolle Lied des Phantoms mit der existentiellen Kernbotschaft "Kann man lieben, ohne zu leben?" erklang so im peppigen Rumba-Rhythmus, das Schlusslied aller Beteiligten auf der Bühne wurde zum freudigen "Get together" im Synchron-Arme-schwenken.

Alles etwas zu gemischt, als dass es Ohrwurm-Charakter entwickeln konnte oder eines der Stücke hängen geblieben wäre. Die Romanvorlage Gaston Leroux sieht mit Sicherheit mehr Tiefe in der Geschichte um das düstere Phantom vor, das - unverstanden von der Außenwelt und auf der Flucht vor der Verachtung seiner Mitmenschen - die Liebe suchend sein Unwesen in der Pariser Oper treibt.

Quelle: RP
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