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Kleve-Reichswalde
Dem Heimatverein in Reichswalde droht "Aus"

Kleve-Reichswalde: Dem Heimatverein in Reichswalde droht "Aus"
Der "Wappenbaum" vor der Kirche in Reichswalde zeigt die Vielfalt der Gruppierungen, die sich in dem Ort engagieren. FOTO: Klaus-Dieter Stade
Kleve-Reichswalde. Wenn sich keiner findet, der sich im Vorstand engagiert, muss sich der Verein nach fast 50 Jahren auflösen. Das wäre im Kreis Kleve einmalig und hätte Folgen: Das dörfliche Erscheinungsbild würde sich ändern. Von Marc Cattelaens

Der 12. Mai könnte für den Heimatverein Reichswalde zum Schicksalstag werden. Dann treffen sich im Schützenhaus die Mitglieder, um nach zwei Jahren einen neuen Vorstand zu wählen. Das Problem: Weit und breit ist keiner in Sicht, der bereit wäre, ein Amt in dem Gremium zu übernehmen.

"Vom alten Vorstand stehen drei bis vier Personen, aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen, nicht mehr zur Wahl", sagt die erste Vorsitzende Heide Goldberg. Drei von vier Personen - das sind auch drei Viertel des Vorstands. Finden sich keine Kandidaten für das Amt des ersten und zweiten Vorsitzenden sowie des Geschäftsführers, muss sich der Heimatverein wohl auflösen. Das Vereinsvermögen würde dann an die Stadt Kleve gehen, sagt Goldberg.

Weitreichendere Folgen hätte eine Vereinsauflösung aber wohl für die Dorfgemeinschaft. Denn die Aktivitäten des Vereins, dem 200 Haushalte angehören, sind vielfältig. Er erstellt die zwei Mal jährlich erscheinende Dorfzeitung "Hallo Nachbar - mach mit" und verteilt diese. Jedes Jahr feiert der Heimatverein mit den Kindern und deren Familien den "Reichswalder Advent" und engagiert sich bei der Dorfkirmes, dem "Dreck-weg-Tag" und anderen Aktivitäten. "Den Reichswalder Advent wird es nicht mehr geben, wenn sich der Verein auflöst", kündigt Goldberg an. Außerdem betreibt der Heimatverein das Reichswalder Archiv im Haus der Kirche, dessen Fortführung wäre ebenfalls in Gefahr.

Auch das Erscheinungsbild des Dorfes könnte sich ändern, gäbe es den Heimatverein nicht mehr. Die Mitglieder haben den Brunnen vor der Kirche angeschafft und kümmern sich auch um dessen Pflege. Sie warten den Heimatbaum mit den vielen Vereinswappen und erneuern regelmäßig die Bänke vor der Kirche. "Wer soll das denn übernehmen, wenn es den Heimatverein nicht mehr gibt", fragt Heide Goldberg. Sie kann sich gut vorstellen, dass die Stadt Kleve diese dorfprägenden Elemente abbaut, wenn sich keiner mehr darum kümmert und sie zu verfallen drohen.

Dass Heimatvereine mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen und Schwierigkeiten haben, Vorstandsmitglieder zu gewinnen, sei kein Einzelfall, sagt Hans-Gerd Kersten, der Vorsitzende des Kreisverbands Kleve für Heimatpflege. Dabei handelt es sich um den Dachverband von 64 Heimatvereinen im Kreis Kleve, denen insgesamt 8000 Mitglieder angehören. Allerdings sei es bislang noch nie so weit gekommen, dass sich ein Heimatverein aufgelöst hätte, so Kersten. "Wir kennen die Probleme der Heimatvereine. Keiner ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. In den Vorständen sitzen nur Grauhaarige. Außerdem ist es heute wohl nicht mehr gefragt, Tradition zu bewahren", sagt Kersten. Je größer der Ort, desto schwieriger sei es, einen Heimatverein zu betreiben. "Der Zusammenhalt in den kleinen Dörfern ist viel höher", betont der Verbandsvorsitzende.

Gleichwohl gäbe es Beispiele von Heimatvereinen, die sich im Aufwind befänden. "Achterhoek ist so ein Fall. Der Verein ist auf Bundesebene beim Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft' vertreten und erfreut sich einer steigenden Mitgliederzahl", sagt Kersten. Wichtig sei es, dass sich Heimatvereine neue Themenfelder erschließen wie etwa "Natur und Umwelt" oder "Heimatgeschichte". Diese Themen stießen auch bei jungen Familien auf Interesse.

Manche Menschen hätten eine falsche Vorstellung von den Aufgaben eines Heimatvereins, findet Kersten. "Viele wissen nicht, dass die Heimatvereine auch Ansprechpartner für die kommunale Verwaltung sind. Die Meinung des Vorsitzenden ist gefragt, weil dieser die Interessen der Bevölkerung vertreten kann ohne eine ,Brille' beispielsweise der Schützen oder eines Fußballvereins aufzuhaben", betont der Verbandschef.

Er hofft mit Heide Goldberg, dass sich bis zum 12. Mai jemand findet, der in Reichswalde ein Vorstandsamt übernehmen möchte. Interessenten können sich unter E-Mail hv-reichswalde@gmx.de melden.

Quelle: RP
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