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Kleve
Dem Sterbenden Beistand leisten

Kleve: Dem Sterbenden Beistand leisten
In Grieth trafen sich ehrenamtliche Mitarbeiter und Koordinatoren des Hospiz-Dienstes zu einer Wanderung mit daran Treffen im Dorfladen. FOTO: Markus van Offern
Kleve. Ambulanter Hospiz-Dienst am Klever St.-Antonius-Hospital betreut Schwerstkranke ehrenamtlich und berät die Angehörigen. Seit dem Jahr 2014 gibt es einen derzeit 192 Mitglieder starken Förderverein, der diese Arbeit unterstützt. Von Antje Thimm

Dieses Thema lässt niemanden unberührt, und irgendwann wird es für jeden Menschen aktuell, verträgt keinen Aufschub: Sterben und Tod. Kommt man als Kranker oder Angehöriger in diese Situation, ist nicht nur der Bedarf an medizinischer Pflege sondern auch an mitmenschlichem Zuspruch sehr groß. Seit 2004 gibt es am Klever St.-Antonius-Hospital unter der Trägerschaft der Katholischen Karl Leisner Stiftung einen ambulanten Hospiz-Dienst, der sich zur Aufgabe gemacht hat, schwerstkranke Patienten ohne Aussicht auf Heilung zu begleiten, deren Angehörige zu beraten und zu unterstützen und das möglichst in ihrem häuslichen Umfeld. Im Unterschied zum Pflegedienst arbeiten die Hospiz-Mitarbeiter ehrenamtlich, also kostenlos.

Die Klever Rechtsanwältin Annette Kröll-Riepe hat, als ihre Tante im Sterben lag, selbst erfahren, dass Hospizhelfer "ohne wenn und aber und sofort" zur Stelle sind. "Wenn ein Mensch schwerstkrank ist, die Angehörigen eine Rund-um-Betreuung einfach nicht mehr schaffen, stößt oft auch der Pflegedienst an zeitliche Grenzen", beschreibt sie die Krisensituation, in der sie zum Telefonhörer griff und die Nummer des ambulanten Hospizdienstes wählte. "Die kamen einfach in Windeseile", betont sie. So war es für sie folgerichtig, sich auch für die Gründung eines Fördervereins, der die Arbeit der Sterbebegleiter finanziell unterstützt, einzusetzen.

Als Stellvertreterin der Vorsitzenden Gabi Remie berät sie unter anderem in Rechtsfragen. Geld wird benötigt für Beschaffung und Lagerung palliativ-pflegerischer Mittel und die Durchführung von Qualifizierungskursen für die ehrenamtlichen Hospizhelfer. Wie Annette Kröll-Riepe erläutert sollen die Mittel über Mitgliedsbeiträge und Spenden akquiriert werden sowie durch Veranstaltungen, die die Arbeit des Hospizes und des Vereins werbend begleiten. Zurzeit gibt es 192 Mitglieder im Förderverein. Ein wichtiges Ziel ist die Einrichtung einer stationären Einrichtung in der Nähe. Das alte Pfarrhaus in Donsbrüggen sei ein geeigneter Standort (siehe Bericht unten). Dorothee Beutler, eine der Koordinatorinnen des Hospizdienstes, erklärt, dass zu den Aufgaben bei der Begleitung Sterbender und deren Angehörigen auch die palliativ-pflegerische Beratung gehört. Auch über Themen wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung müsse gesprochen werden. Ist ein Patient verstorben, geht es um Trauerbegleitung der Angehörigen. Hierbei sind oft Kinder diejenigen, die Beistand benötigen, wenn zum Beispiel ein Elternteil verstorben ist. "Wir haben durch unsere Arbeit schon manches Mal die Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Behandlung abgewendet", berichtet sie von ihren Erfahrungen. Viel besser aber als Hilfe im Notfall sei die Vorbeugung. "Kinder ohne Not aufklären zu dürfen, ist ein Geschenk", sagt Dorothee Beutler. So organisiert der Hospizdienst Aufklärung in Schulen und Kindergärten.

Während Erwachsene noch immer das Thema Sterben und Abschied tabuisierten, seien Kinder oft sehr aufgeschlossen. Auch für diese Maßnahmen benötige der Dienst Material, das der Förderverein finanziere. Zusätzlich würden Wochenenden der Trauerbegleitung für Erwachsene veranstaltet, zum Beispiel auf der Wasserburg. Ein wichtiger Bereich ist die qualifizierte Ausbildung der Sterbebegleiter. Wie Dorothee Beutler mitteilt, wurden seit 2004 bereits 17 Kurse durchgeführt, 120 Menschen ausgebildet. Aktuell arbeiten 60 bis 80 Ehrenamtliche für den Dienst. "Der einzige Beweggrund ist Mitgefühl", so Beutler. Die gelernte Krankenschwester begann ihre Hospizarbeit bei Omega in Bedburg-Hau. Aus Erfahrung weiß sie, dass auf dem Weg zum Patienten sich bereits eine innere Ruhe ausbreitet, denn das benötigen die Menschen ganz besonders: Zeit. Zeit für Gespräche über die Angst, die Schmerzen und die Abschiede. Besonders die oftmals überforderten Angehörigen profitierten von diesen Gesprächen, fühlten sich verstanden und in gewisser Weise entlastet. Sie schöpften Kraft, um sich wiederum mit neuer Energie um den kranken Angehörigen zu kümmern.

Quelle: RP
 
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