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Kleve
Denkmalwertes Knarzen

Kleve. Auf Initiative des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte wird das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland die Denkmäler der Stadt Kleve inventarisieren. Die einleitende "systematische Besichtigung" beginnt am 4. März. Von Michael Baers

Im Urlaub, den man auf einem abgelegenen alten französischen Bauernhof verbringt, gehöre die knarzende schwere Holzeingangstür noch zur Romantik verströmenden Atmosphäre. Zurück in der Heimat hingegen greife man beim ersten Geräusch sofort nach dem Kännchen Öl. "Menschen für solch knarzende Haustüren zu begeistern ist ein Teil meines Berufs", schmunzelt Bau- und Kunstdenkmalpfleger Dr. Andreas Stürmer.

Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland für Kleve zuständigen Inventarisator Thomas Hohn, wird Stürmer ab dem 4. März Kleve "systematisch besichtigen" – Straße für Straße werden sie in einem ersten Schritt alle Gebäude ansehen und einschätzen, ob es sich dabei um "denkmalwerte Bausubstanz handelt", so Hohn.

Sensibilität schärfen

Seit Anfang 2008 beschäftigt sich der Klevische Verein für Kultur und Geschichte mit dem vom Rat beschlossenen Stadtentwicklungskonzept. Einen Schwerpunkt bildet dabei ein Arbeitskreis, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Denkmäler der Stadt zu registrieren und zu inventarisieren. Alwine Strohmenger-Pickmann, Vorsitzende des Vereins, spricht angesichts der Kooperation mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege, der Stadt als unterer Denkmalbehörde und dem Stadtarchiv von einer "Schärfung historischer Sensibilität" und der "Dokumentation des kulturhistorischen Erbes".

Die Diskussionen in den von der Stadt veranstalteten Workshops zum Stadtentwicklungskonzept hätten gezeigt, dass den Klevern ihre Geschichte und ihr kulturelles Erbe sehr am Herzen liegen. Daher rechnet auch Bürgermeister Theo Brauer mit der Unterstützung der Bevölkerung bei der bevorstehenden "Spurensuche". "Grundsätzlich ist unser Interesse an einem Gebäude, beispielsweise einer alten Hofanlage, eine Auszeichnung", erklärt Stürmer, der um das Verständnis der Klever bittet, wenn die "Bereisung des Stadtgebietes" beginnt.

Zwar sind derzeit im Stadtbereich 70, in den Ortsteilen weitere 60 denkmalwerte Gebäude gelistet, doch handele es sich dabei zum Teil um "Verdachtsdenkmäler", so Hohn. Jetzt wolle man "ins Detail gehen". Bert Thissen vom Stadtarchiv erhofft sich davon auf lange Sicht, dass spezielle Themenhefte (zum Beispiel über Gärten oder Industriedenkmäler) entstehen und das "allgemeine historische Wissen über die Stadt vergrößert wird". Ein touristischer Standortfaktor seien die Denkmäler ohnehin.

"Wir suchen nicht ausschließlich neue Denkmäler", betonte Strohmenger-Pickmann, "sondern wir versuchen die Besonderheit des Bestandes hervorzuheben." Gemeinsam mit den Experten der Denkmalpflege wird sich die Gruppe in den nächsten Monaten bemühen, diese Besonderheiten zu inventarisieren – wenn sie von den Besitzern hereingelassen werden, auch inklusive der knarzenden Türen.

Quelle: RP
 
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