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Serie Unsere Seelsorger
Der Baumeister des Herrn

Serie Unsere Seelsorger: Der Baumeister des Herrn
Kleve. 1947 wurde Fritz Häfner Pastor von Wyler und Zyfflich. Der Geistliche sorgte für den Aufbau der beiden Kirchen. Von Werner Stalder

"Pastor Fritz Häfner war ein Mann vom Bau. Er stieg auf das Dach und konnte mit Mörtel umgehen", sagt Erich Thyssen (80) aus Zyfflich. Als die Kirchengemeinden Wyler und Zyfflich in Fritz Häfner einen jungen Pfarrer zugewiesen bekamen, hätten sie keinen besseren für den Aufbau erhalten können. "Möglicherweise muss dem Bischof bei der Weihe des Jungpriesters etwas Zement ins Öl geraten sein, denn er verstand etwas vom Bauen", erzählte man sich später.

Erich Thyssen war nach den Kriegswirren der einzige Messdiener in Zyfflich. Bei seiner Einführung erzählte Pfarrer Häfner, er sei in einem klapprigen Auto mit Hilfe eines Pferdefuhrwerkes im hohen Schnee von Wyler nach Zyfflich gefahren. Dort habe er bei Heinrich und Maria Görtner eine dürftige Bleibe gefunden. Küster Jupp Emschermann habe Erich Thyssen gerufen, der dann in einer Baracke, die sowohl als Versammlungsraum, Schule und zur Kirchennutzung diente, als Messdiener fungierte.

Fritz Häfner wurde als letztes Kind einer großen Geschwisterfamilie 1913 in Emmerich geboren. Am 23. September 1939 weihte Bischof Clemens-August Graf von Galen ihn in Münster zum Priester. Den Dienst vor Gott und an den Mitmenschen erfüllte er in Arnswalde (Pommern), Wilhelmshaven, Delmenhorst, Lemwerder und von 1947 bis 1984 als Pastor in Wyler und Zyfflich. Danach lebte er vier Jahre als Pfarrer emeritus mit den Mitbrüdern in Kranenburg.

In seiner schweren Krankheit wurde er im Altenpflegeheim St. Willibrord in Emmerich liebevoll betreut. Am 24. Februar 1989 rief Gott ihn heim in seinen ewigen Frieden. Auf dem Friedhof in Zyfflich fand er seine letzte Ruhestätte. Seine Großnichte, Anna Deryk-Schoofs (54), hatte bei ihm Kommunionunterricht und Schulmesse. Der "Baupastor" schuf in Zyfflich zunächst eine Notkirche, und in Wyler wurde die alte Kirche wiederhergestellt.

Zeitzeugen berichten, dass Schmuggeln seine Leidenschaft war. Wenn er mit einem geliehenen Motorrad nach Münster fuhr, hatte er immer Kaffee aus Holland dabei. Neben seiner Seelsorgetätigkeit standen für den unermüdlichen Bauherrn weitere große Aufgaben an. Die Kaplanei war zerstört und wurde unter ihm wieder hergerichtet. Später wurde am Möllersweg ein neues Pastorat gebaut. "Als in Wyler und Zyfflich die Schulen aufgelöst wurden, hat Onkel Fritz sehr darunter gelitten", erinnert sich seine Großnichte.

In der aufgelösten Schule in Zyfflich wurde ein Kindergarten eingerichtet. Ein großer Tag für Zyfflich war 1961 die Einweihung der neuen Kirche. Aus einer todwunden Ruine entstand ein wunderbares neues Gotteshaus. Nach dem Weihegottesdienst war das Gedicht "Der Trümmerkaplan" eine besondere Referenz für den unermüdlichen Pfarrer Häfner. Der Wiederaufbau der Kirche war in erster Linie ein Werk der Bevölkerung und ihres Pastors.

Erich Thyssen schilderte die zahlreichen Hindernisse von der Entrümpelung über die historischen Funde bis zur Fertigstellung. Als im Schutt eine Glocke gefunden wurde, bekam diese einen Platz in einem Turm neben der Notkirche. Auch in Wyler war die Freude groß, als 1968 die neue Kirche St.-Johannes-Baptist eingeweiht werden konnte. Der volksnahe und für jedermann umgängliche "Heerohme" predigte ab und zu "in Platt", spielte Blockflöte und schrieb gerne kleine, nette Geschichten.

Quelle: RP
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