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Kranenburg
Der Kämpfer in Kranenburg

Kranenburg. Vor 70 Jahren starb "der Löwe von Münster": Bischof Clemens August Graf von Galen, der gegen das NS-Regime predigte. 1942 firmte er in den Kranen- burger Pfarren. Von Hans Rühl

"Clemens August, wir ehren doch, treuer Hirt in dunkler Zeit" - so beginnt das Lied von Tobias Schrörs (Wesel), das bei der Seligsprechung des mutigen Bekennerbischofs uraufgeführt wurde und auch außer einer kurzen Lebensbeschreibung ins neue Münsteraner "Gotteslob" Eingang gefunden hat. Wer war dieser 70. Oberhirte auf dem Bischofsstuhl des Bistumsgründers Liudger? Wem sagt dieser Name noch etwas in einer Zeit zunehmenden Desinteresses an Religion und Kirche? Und die Zahl derer, die ihm persönlich begegnet oder sogar von ihm gefirmt worden sind, wird immer kleiner. Nur wenige, mittlerweile betagte Katholiken dürften seine hünenhafte Gestalt noch in Erinnerung haben. Doch wer entsinnt sich überhaupt noch seiner eigenen Firmung, bei der Gottes Geist auf den Firmling herabgerufen wird und diese(r) zugleich ein vollmündiges Mitglied seiner Kirche wird?

Zu ihnen zählt Franz Gommans in Hommersum, der 1937 der jüngste Firmling in seiner Pfarrgemeinde war. Er hat die Bilder noch vor Augen, wie der Bischof im Landauer ins Dorf geholt wurde und Fahnen, junge Birken und Triumphbögen die Straße schmückten. Das Sakrament wurde allerdings nachmittags gespendet, weil die Nazis im Führerkult ihre neue Religion sahen. Da wirkt ein im Juni 1934 heimlich gemachtes Foto aus dem Bilderschatz von Fritz Häfner, 1947 bis 1984 Pfarrer in Zyfflich und Wyler, wie eine Karikatur, auf die der ehemalige RP-Redaktionsleiter Alois Puyn im Kalender für das Klever Land 1986 S. 28f eingeht. Die Aufnahme zeigt den Bischof kurz vor dem Eingang der Volksschule in Emmerich-Leegmeer mit dem damaligen Rektor Kaminski, allerdings von der Rückseite. "Staat und Kirche" ist das Bild betitelt, das den hochgewachsenen Graf von Galen (2 Meter) mit dem wesentlich kleineren Schulleiter zeigt (siehe Bild). Dieser - in voller SA-Uniform - soll den Bischof mit einem strammen "Heil Hitler, Exzellenz" begrüßt haben.

Clemens August - so sagt man - habe ihm väterlich die Hand auf die Schulter gelegt und geantwortet: "Guten Tag, mein Sohn!" Dieses Foto damals zu veröffentlichen, hätte einen in arge Schwierigkeiten bringen können. Übrigens soll Kaminski die Kinder aufgefordert haben, in Jungvolk-Kleidung zu erscheinen. Die Eltern aber schickten ihre Söhne und Töchter im Sonntagsstaat.

In der letzten Aprilwoche 1942 stand der Raum Kranenburg für den Diözesanbischof im Terminplan. Der Berichtende hatte zwei Begegnungen mit dem wegen seiner mutigen Predigten gegen Hitlers Euthanasie-Verbrechen und Klosterplünderungen mit Vertreibung der Ordensleute geachteten Oberhirten. Am 28. April begleitete er seinen Vetter Johannes Ingenbleek nach Wyler, um mit dessen Ponygespann die Koffer des Bischofs nach Frasselt zu holen. Der Bischof musste beim Durchschreiten der Tür seinen Kopf beugen. Am folgenden Tag durfte der Elfjährige im Firmgottesdienst die Orgel spielen, hatte jedoch als Firmling den weitesten Weg zum Bischof im Altarraum.

Am 5. Oktober 2005 durfte man mit vielen Pilgern aus Kleve und Umgebung im Petersdom zu Rom die Seligsprechung von Galens miterleben. Papst Pius XII. hatte ihn am 18. Februar 1946 in den Kardinalsstand erhoben - eine persönliche Ehrung für den Bekennerbischof, den ersten Kardinal auf dem Bischofsstuhl zu Münster. Vier Wochen später umjubelte ihn das Volk vor den Trümmern des Paulus-Domes. Fünf Tage danach starb er plötzlich, eine Operation konnte den 68-Jährigen nicht mehr retten, nur noch 33 Tage waren dem Kardinal beschieden. Am Ostermontag jährte sich seine Beisetzung zum 70. Mal. Viele Akten sind nun zur Einsicht freigegeben.

Quelle: RP
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