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Kleve
Der lange Weg zur Vergebung

Kleve: Der lange Weg zur Vergebung
Bischof Felix Genn sprach in der Murmelphase in der Christus-König-Kirche mit Jugendlichen. FOTO: privat
Kleve. Jugendkatechese mit Bischof Felix Genn: Glaubensgespräch mit 400 Jugendlichen in Christus-König-Kirche.

. Zum dritten Mal hat Münsters Bischof Dr. Felix Genn Jugendliche zu einer Katechese am Niederrhein eingeladen. Rund 400 junge Christinnen und Christen aus dem ganzen Kreis kamen am 6. November in die Klever Christus-König-Kirche, um ins Gespräch über den Glauben zu kommen. Die Jugendkatechese stand unter dem Motto: "Sorry! - ,Ich glaube an die Vergebung der Sünden'" und nahm damit Bezug auf das Glaubensbekenntnis.

Im ersten Teil gab Bischof Genn den Jugendlichen insbesondere Denkanstöße, wie schlechtes Gewissen entstehe und welche Bedeutung ein solches Gefühl habe. Ein guter Mensch zu sein, sei "das Tiefste, was wir sein wollen." Und "wir spüren, wenn das nicht der Fall ist", sagte Genn. Auf einen Fehler folge dann das Einsehen: "Das ist nicht in Ordnung, das entspricht nicht meinen Wünschen und meinem Selbstbild." Doch bis zu dieser Einsicht sei es oft ein langer Weg. "Manchmal spürt man im Inneren des Herzens, dass etwas nicht in Ordnung ist, aber es braucht noch, bis man es sagt", erklärte der Bischof. Dann leitete er zu einer Murmelphase über, die Jugendlichen bekamen Zeit, miteinander, aber auch mit Bischof Genn ins Gespräch zu kommen.

Einen Schritt weiter ging Bischof Genn mit den Jugendlichen im zweiten Teil. Die entscheidende Frage: "Wie gehe ich damit um, wenn ich eingesehen habe, dass ich etwas falsch gemacht habe?" Der Versuch, das Geschehene zu verdrängen, funktioniere vielleicht zunächst, "aber irgendwann meldet sich das Gewissen", erklärte Genn. Ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zur Vergebung aber sei, sich mit der falschen Tat zu beschäftigten und zu verstehen zu versuchen, wie sie geschehen konnte. Wichtig dabei sei, nicht nur die eigenen Fehler zu sehen, sondern auch die anderen Menschen, die man möglicherweise verletzt habe. Ein letzter wichtiger Schritt sei dann, die begangene Sünde auch auszusprechen. Das gehe nur in einem Raum des Vertrauens. "Ich wünsche Euch, dass Ihr einem Menschen begegnet, dem Ihr so vertrauen könnt", sagte Bischof Genn.

Sehr persönlich berichtete er von seinen Erfahrungen als Beichtvater. Wie Menschen zu ihm kämen, die oft seit vielen Jahren etwas auf dem Herzen gehabt hätten, über das sie mit niemandem reden konnten. Und davon, dass er ihnen am Ende der Beichte sagen darf: "Deine Sünden sind Dir vergeben." Der Bischof sehr eindringlich: "Man fragt sich, ob es auch Vergebung für all die geben kann, die andere umgebracht haben. Wir Christen glauben, dass es auch für den schlimmsten Mörder Vergebung gibt." Die Vergebung der Sünden sei durch den Tod Jesu am Kreuz möglich geworden.

Im Anschluss an eine zweite Murmelphase antwortete Bischof Genn sehr persönlich auf Fragen der Jugendlichen. In der vollen Kirche hätte man manches Mal eine Stecknadel fallen hören können, so gebannt lauschten die Zuhörer. Das war vor und zwischen den Katechesen anders: da sorgte die effata[!]-Band mit ihren modernen geistlichen Liedern für die passende musikalische Gestaltung des Abends. Und für jeden Besucher gab es am Ausgang noch ein "Sorry" in Form einer Wertmarke, die das Team des Xantener Regionalbüro West für katholische Kinder- und Jugendseelsorge verteilte. Als eine Erinnerung an den Abend und daran, wie wichtig der Weg der Vergebung ist.

(pbm)
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