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Kleve/Ochtrup
Der letzte Zeuge von Karl Leisners Weihe

Kleve/Ochtrup. Karl Leisner starb vor 68 Jahren an den Folgen der KZ-Haft. Hermann Scheipers ist der einzige überlebende Zeuge seiner Priesterweihe in Dachau – und nun 100 Jahre alt. Seine Zwillingsschwester rettete ihn vor der Gaskammer. Von Hans Rühl

Seit 1996 gedenkt das Bistum Münster am 12. August des seligen Karl Leisner. Der einzige im KZ geweihte Priester erlag mit nur 30 Jahren 1945 an diesem Tag den Folgen seiner langen Lagerhaft in Dachau. Der letzte noch lebende Zeuge jener kirchengeschichtlich einmaligen Weihehandlung im dortigen Priesterblock, Prälat Hermann Scheipers, kann nunmehr auf 100 Lebensjahre zurückschauen – inmitten seiner Heimatgemeinde, in die er nach mehr als vierzig Priesterjahren in der Diözese Bautzen (seit 1980 Dresden) als Emeritus zurückkehrte.

Für den Geistlichen unter zwei Diktaturen wurden die Berufswege zu "Gratwanderungen". So hat er 1997 auch sein Buch über diese für ihn nicht leichte Zeit betitelt. Dreieinhalb Jahre musste er im KZ Dachau zubringen. Dort saß Karl Leisner, der nach seiner Verhaftung am 9. November 1939 im Sanatorium St. Blasien an mehreren Stationen festgehalten wurde, bereits seit Dezember 1940 ein. Dessen geschwächte Gesundheit bereitete den Mitgefangenen viel Sorge. "Arbeiten oder Verrecken", bläute man ihnen damals ein. Im Krankenrevier lief man Gefahr, bald in der Gaskammer bei Linz zu landen. Diesem Schicksal entging Scheipers nur durch das mutige Auftreten seiner Zwillingsschwester Anna bei der SS in Leipzig und beim zuständigen Gestapo-Chef in Berlin. Sie erreichte, dass ihr Bruder und viele Leidensgenossen von der Transportliste gestrichen wurden. Dafür erhielt sie später Auszeichnungen aus Rom und Berlin.

Durch ein "Loch" im Zaun der KZ-Plantage, eine Verkaufsstelle für die Zivilbevölkerung, wurden Medikamente und Lebensmittel für Karl Leisner ins Lager geschmuggelt, wobei auch eine spätere Ordensfrau mit dem Decknamen 'Mädi' zu denen gehörte, durch die Gott "mit der linken Hand" Leisners Überleben begünstigte. Dazu trugen auch viele Priester bei, die besonders in der Hungerzeit 1942 von ihren kargen Rationen winzige Stückchen abschnitten, um diese dem kranken Diakon zu spenden. Sie erreichten für ihn zudem leichtere körperliche Arbeit. "Trotzdem ging es mit ihm gesundheitlich immer weiter bergab. Sein größter Wunsch war die Priesterweihe", erinnert sich Scheipers. Man betete um seine Entlassung.

"Gott fügte es anders. Domkapitular Friedrichs aus Münster sagte zu mir im Sommer 1944: 'Hermann, wir müssen beten, dass mal ein Bischof hier eingesperrt wird, damit der arme Kerl zu seiner Weihe kommt!'' Bald darauf wurde der französische Bischof Gabriel Piguet eingeliefert. Den Tag der heimlichen Priesterweihe des Diakons Karl Leisner am 17. Dezember 1944 bezeichnet nicht nur Scheipers als Höhepunkt seiner KZ-Erlebnisse. Das verbindet ihn mit Kleve, wo der 1996 seliggesprochene Glaubenszeuge seine Schulzeit und Jugend verbrachte. "Dies ganze Geschehen darf in der Kirchengeschichte nicht vergessen werden; in seiner geistlichen Dimension ist es aber viel mehr als nur ein historisches Ereignis", so Scheipers. Zum 40. Todestag Karl Leisners sprach er 1985 in der Propsteikirche über die Monate des Hoffens und der Vorbereitung sowie über jene bewegenden Stunden in der Lagerkapelle.

Quelle: RP
 
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