| 00.00 Uhr

Kalkar
Der Name ist Programm: "Kalkar hilft"

Kalkar: Der Name ist Programm: "Kalkar hilft"
In dieser Halle wird die Kleidung sortiert und passgenau in Kartons verpackt. Dann bringen Helfer sie zur Flüchtlingsunterkunft nach Wissel. FOTO: privat
Kalkar. Die Initiative "Kalkar hilft" kümmert sich um die Bedürfnisse der Flüchtlinge und unterstützt damit zugleich die Stadt bei der Bewältigung ihrer Aufgaben. Im Gründerzentrum Kehrum werden Kleidung und Möbel gesammelt. Von Anja Settnik

Die Motivation war dieselbe wie in vielen anderen Städten und Gemeinden, die sich plötzlich einem riesigen Zustrom hilfsbedürftiger Menschen gegenüber sahen: Etwas tun, damit Kinder, Frauen und Männer nach ihrer langen, oft lebensgefährlichen Reise erst einmal Ruhe finden. Und in einem zweiten Schritt Fuß fassen in der Gegend, die vielleicht zur neuen Heimat wird. Im September war es, als einige Kalkarer sich entschieden, eine Plattform zu gründen, auf der Bürger in strukturierter Form helfen können. Viktor Weyers, Günter Pageler, Stephan Brauer und Dirk Schoemakers sind das Kernteam, das die Hilfsangebote und Projekte organisiert. Im Pressegespräch berichteten sie jetzt über den Stand der Dinge. Ort der Begegnung: das Gründerzentrum im Industriegebiet Kehrum. Das gehört der städtischen Entwicklungsgesellschaft und steht bekanntlich in Teilen leer, so dass geräumige Hallen genutzt werden können, ohne dass Miete zu zahlen wäre.

Was brauchen die Asylbewerber und sonstigen Flüchtlinge, welche Angebote machen Sinn? Wie kommen Bedürftige und Spenden zueinander, wie erfahren die Helfer untereinander von ihrem Tun? Weyers hält die Vernetzung für besonders wichtig, ein Portal musst her, damit jeder Engagierte sich informieren kann. Unter www.kalkar-hilft.de werden die Hilfsangebote koordiniert und kann sich jeder, der dies möchte, einbringen. "Ob man sich zwei Stunden in der Woche Zeit nimmt oder weit mehr tun möchte - alles ist möglich und nutzt", versichert Weyers. Er räumt auch ein, dass es für den großen Einsatz der Aktiven noch einen zweiten guten Grund gibt: "Es geht uns auch darum, dafür zu sorgen, dass das ungewohnte Miteinander weitgehend störungsfrei verläuft. Denn was würde passieren, wenn es nicht gut funktionierte?" Jeder, der sich über die Medien informiert, weiß, wovon Weyers spricht, denn nicht überall gehen die Bürger so freundlich mit den neuen Mitbewohnern um wie am Niederrhein. Und auch innerhalb der Wohnheime und Turnhallen herrscht nicht nur Eintracht. "Es kommen Hunderttausende aus anderen Kulturkreisen, mit anderer Religion und mit zum Teil anderem Werteverständnis zu uns", erklärt der Kalkarer. Stephan Brauer betont, dass Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft sich anstrengen müssen, um für unser System zu werben, damit sich keine Parallelgesellschaft entwickele.

Toleranz und Respekt für den jeweils anderen - das ist die Grundlage, auf der Integration gelingen könnte. Doch vorerst sind es noch die ganz praktischen Hilfeleistungen, die wichtig sind: warme Kleidung für den Winter bereit zu stellen und denen, die schon der Kommune zugewiesen sind, Möbel zu organisieren. Insgesamt 210 Asylbewerber hat die Stadt in Wohnungen untergebracht, hinzukommen die Flüchtlinge, die in der Wisseler Turnhalle untergebracht sind und dort von Caritas und Clivia versorgt werden.

Diejenigen, die länger bleiben dürfen, haben die Möglichkeit, über Patenschaften Anschluss an die Kalkarer zu finden. Am 19. Dezember wird im Gemeindezentrum am Kirchplatz ein erstes Patencafé stattfinden, in der sich die einander noch Fremden begegnen können. "Manche möchten Flüchtlinge vielleicht bei sich zu Hause empfangen, andere mit ihnen Behördengänge erledigen oder sie zum Sport begleiten", erzählt Schoemakers. Immer wichtig: Sprachangebote, die es im Übrigen in Kalkar schon deutlich länger als die Initiative "Kalkar hilft" gebe. Ebenso, wie die Kleiderkammer in der Stadtmitte trotz der neuen Halle in Kehrum absolut unverzichtbar sei.

Günter Pageler, der sich vor allem um die Möbel kümmert, findet die "Bedarfslisten" großartig, die eine Ehrenamtlerin entwickelt habe: Auf ihnen ist anzukreuzen, welche Kleidungsstücke die Leute im Flüchtlingsheim benötigen, die Listen kommen dann nach Kehrum, Kartons mit den entsprechenden Sachen werden gepackt und von den Helfern nach Wissel gebracht. Der Hintergrund: geordnete Abläufe helfen, Chaos zu vermeiden.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.