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Rp-Serie Unsere Seelsorger (30): Pastor Johannes Sieverding
Der Philosoph unter den Pfarrern

Rp-Serie Unsere Seelsorger (30): Pastor Johannes Sieverding: Der Philosoph unter den Pfarrern
Pfarrer Johannes Sieverding bei der Trauung von Irmgard Matenaer und Herbert Seegers. FOTO: privat
Kleve. Pfarrer Johannes Sieverding wurde 1951 feierlich in Appeldorn als Seelsorger eingeführt und wirkte dort 25 Jahre. Von Werner Stalder

KALKAR-APPELDORN "Er war ein richtiger Philosoph, ein gebildeter und belesener Mann. Er konnte stundenlang über ein Thema diskutieren und das meistens mit geschlossenen Augen. Seine für normale Menschen ungeordnete umfangreiche Bibliothek war bekannt, wo er sich aber wie von Geisterhand gesteuert zurechtfand." Mit dieser Beschreibung über Pfarrer Johannes Sieverding, der 1951 feierlich in Appeldorn als Seelsorger eingeführt wurde und bis zu seiner Pensionierung 1976 Großartiges für die Pfarrgemeinde St. Lambertus geleistet hat, sind sich Irmgard Seegers (71) und Ewald te Boekhorst (65) einig. Der Brudermeister der St.-Lambertus-Schützenbruderschaft Appeldorn erlebte den Pastor in seiner Kindheit und als Messdiener. Pfarrer Sieverding hat Irmgard Seegers seit ihrer Geburt über Erstkommunion und Trauung begleitet.

Der Seelsorger wurde am 17. November 1901 in Werth geboren. Die Priesterweihe empfing er im Hohen Dom zu Münster, Ostern 1928. Als Kaplan wirkte er in Herzfeld, Gemen, Beckum und Duisburg-Hamborn. 1951 wurde er zum Pfarrer in Appeldorn ernannt, wo er bis 1976 als äußerst korrekter Mann darauf bedacht war, den Menschen die Ehre Gottes, die Erhabenheit und übernatürliche Größe der Kirche zum Bewusstsein zu bringen. Mit reichen Geistesgaben ausgestattet, hat er es verstanden, auch in schwierigen Zeit- und Lebensverhältnissen den geraden Weg des Gewissens im Lichte der Offenbarung zu zeigen, den er selber unerbittlich ging, seinem Amt in großer Verantwortung verpflichtet. Die Pfarrkinder von St. Lambertus in Appeldorn danken ihm die Entstehung einer liturgisch stilvollen Kirche. In einem Nachruf heißt es: "Trotz kleiner menschlicher Schwächen wird er als eine markante Erscheinung der Gemeinde in dankbarer Erinnerung bleiben, der in seiner Herbheit doch ein priesterliches Herz hatte in steter Sorge um die Seinen."

Von 1977 bis zu seinem Tode am 30. Mai 1981 war er Hausgeistlicher im Antoniuskloster Flerzheim. Sein Wunsch war es, in seinem Heimatort Werth beigesetzt zu werden. Zum Silbernen Priesterjubiläum, das 1953 zu einem Fest für die ganze Bevölkerung wurde, überreichte Irmgard Seegers (damals Irmgard Matenaer) dem Jubilar das geschmückte Birett. Der Initiative Pfarrer Sieverdings, den seine Freunde respektvoll "Jan van Werth" nannten, verdanken die Appeldorner die Gründung ihres Kindergartens, des Schwesternheimes und des Jugendheimes. Er war seiner Gemeinde in selbstlosem Dienst verbunden, dabei historisch ungewöhnlich versiert. Er baute die Notkirche unter der Mithilfe der ganzen Dorfgemeinschaft auf. Sein größtes Projekt aber war es, anstelle der Notkirche wieder ein ehrwürdiges Gotteshaus zu errichten. Die liturgische Neuordnung des Zweiten Vatikanischen Konzils und sein Empfinden, Kirche als Haus Gottes und als Volk Gottes zu betrachten, bewegten Pfarrer Johannes Sieverding zur denkmalpflegerischen Restaurierung des historischen Chorbereichs der St.-Lambertus-Pfarrkirche und zur Umwandlung der Saalkirche, die ehemals dreischiffigen, gotischen Stils war, zum "Zelt Gottes bei den Menschen". Ein Kapitell in der Kirche zeigt Pfarrer Sieverding. In Appeldorn erinnert eine Pastor-Sieverding-Straße an einen Mann, der unauslöschliche Spuren hinterlassen hat.

Quelle: RP
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