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Kleve
Der Ruf des Seeadlers auf CD

Kleve. Musik in Verbindung mit Technik, Komposition mit natürlicher Struktur, fernab vom Mainstream: Florian Wittenburg aus Kleve ist experimenteller Komponist, Klangkünstler und Programmierer im Bereich Musikinformatik. Jetzt ist seine fünfte CD auf dem Markt: "Eagle Prayer" heißt die Compilation von sieben Stücken, die bei "NurNichtNur" produziert und erschienen ist. Von Barbara Mühlenhoff

Inspiriert wurde das titelgebende Werk vom Ruf des afrikanischen Seeadlers, in Namibia gehört und aufgezeichnet, zurück zu Hause transkribiert sowie harmonisiert. Und dieses Stück strahlt Ruhe aus: die sich wiederholende Bassharmonik wirkt sehr geerdet, das kurze Motiv im Diskant klar und sauber. Es ist in seiner durchdachten Schlichtheit ebenso eindrücklich wie eingängig und friedvoll wie ein Gebet; passend dazu der Zusatz "Eagle Prayer". Anders konzipiert ist "Willow tree" in zwei Versionen. Ausgehend von dem Anblick der Weide im elterlichen Garten erfüllt Wittenburg sich hier den Wunsch, Baumstrukturen in seine Komposition einfließen zu lassen. Was im ersten Moment unmöglich klingt, ist mittels der Software Metasynth machbar: Fotos von Bäumen oder Ästen wurden als Quelle für seine Musik eingelesen, variiert und in konvertierten Facetten als Klanggenerator umgesetzt.

Darüber legte er Fragmente einer Stimme, die die Gedichte "epitaph" und "glass" rezitiert. Obschon die Frequenzverästelungen für empfindsame Ohren an die Grenzen gehen, ergibt sich aus der Verquickung mit der Stimme jener Gehalt, der dem Komponisten selbst wichtig ist. Auch "One white tree", für Piano solo, strahlt viel Ruhe aus. Jeder Ton und jede Tonfolge hat hier Kraft. Die Dynamik wirkt ausgeglichen und es wird deutlich, dass auch Stille ein wichtiges Element von Wittenburgs Arbeit ist - wie etwa die Stille vor oder nach einem Ton: "Das höchste Ziel ist dabei, solch eine Stille selbst zur Musik werden zu lassen", beschreibt er es. Das pulsierende "P2s2p" bezieht sich auf Facetten von Rhythmus: von keinem bis hin zu harmonischem. Das kann schon sehr nah werden, wenn es den eigenen Körperrhythmus trifft und in den Ohren regelrecht mit pulsiert. Nach dem Intro folgt in "Koninklijk Arpeggio" ebenfalls Rhythmus, vorgegeben durch den Arpeggiator des Synthesizers, dazu eine sich mit System entfaltenden Melodie. "Eagle Prayer" ist insgesamt die gelungene Verbindung von Ingenieurswissen und Komposition, bei der Stücke entstanden sind, die harmonisch-melodisch-rhythmisch agieren und re-agieren - in sich und mit dem Hörer. Es kommt durchaus zum Hörgenuss, aber nicht nur die Schönohren, sondern auch die Gehirnhälften arbeiten dabei mit.

Die CD "Eagle Prayer" ist direkt beim Label NurNichtNur ("http://www.nurnichtnur.de" ) sowie bei Florian Wittenburg ("http://www.florianwittenburg.com" ) erhältlich.

Quelle: RP
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