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Kranenburg-Nütterden
Der Serientäter

Kranenburg-Nütterden: Der Serientäter
Zahllose Bilder seiner vielen Besuche beim Papst hat Werner Stalder daheim in Nütterden. FOTO: Evers
Kranenburg-Nütterden. Der 78 Jahre alte Werner Stalder aus Nütterden schreibt seit 60 Jahren für die Rheinische Post. Seine Themen: Heimat und Kirche. Von Helmut Vehreschild

Es gab noch kein Handy, die Artikel wurden nicht am Computer verfasst, sondern auf einer klapprigen Schreibmaschine geschrieben und Berichte wurden nicht per E-Mail in die Redaktion geschickt, sondern persönlich abgegeben. Es war für die Grenzland Post in den 50er Jahren ein bisschen wie in den guten alten Zeiten beim Königlich Bayerischen Amtsgericht. Werner Stalder ist ein Zeitzeuge dieser Jahrzehnte. Der 78-Jährige aus Nütterden ist seit 60 Jahren Mitarbeiter bei der Rheinischen Post in Kleve.

Geboren ist er am 30. Januar 1939 in Kleve im Krankenhaus, "aber nicht an der Albersallee, sondern im Rathaus. Dort war vor dem Krieg das Hospital. Heute residiert dort die Klever Bürgermeisterin", schmunzelt Stalder, der als Kind an der Lindenstraße in Kellen und später in der Klever Oberstadt aufwuchs. 1954 beendete er die Christus-König-Volksschule an der Lindenallee und begann eine kaufmännische Lehre in der Lederhandlung von Albert van Briel. "Ich war sehr aktiv bei der Pfarrjugend in Kellen und habe so schon mit 18 Jahren den ersten Bericht für die Zeitung geschrieben. Es ging seinerzeit um ein Platzkonzert im Saal des Hotel Braam an der Emmericher Straße", erinnert er sich, der gleichzeitig auch "Ansager" war. Am Ende des Abends sagte Kellens Pfarrer Bullmann: "Es war ein schöner Abend, da es uns gelungen ist, alle Vereine für eine Sache der Jugend mobil zu machen." Es war der 28. Juli 1957, als Stalders Premierenartikel gedruckt wurde. "Die RP befand sich an der Hagsche Straße/Ecke Stechbahn im 2. Stock. Eine Treppe höher saß Boss Druck. Der Redaktionsleiter war damals Erich Stecher. Der kam jeden Tag mit dem Schienenbus von Xanten nach Kleve", sagt Stalder. "Wenn es etwas zu korrigieren gab, ging ich eine Etage höher zur Druckerei. Der Schriftsetzer nahm die Sätze raus und setzte neue Buchstaben im Bleisatz ein. Das weiß ich noch ganz genau. Von dort ging es zur Druckerei Schaffrath in Geldern, wo die Zeitung gedruckt wurde. Ein Kurier kam jeden Tag nach Kleve, um auch die Fotos mitzunehmen."

An sein erstes Interview erinnert sich Stalder noch gut. "Betriebsleiter Kuhnert von der Firma Bause hatte für eine Betriebsfeier Otto Höpfner vom Blauen Bock engagiert. Und der war da ganz offen", erzählt der RP-Mitarbeiter. Höpfner meinte: "Für mich ist es das leichtest verdiente Geld. Bei Betriebsfeiern braucht man nur Witze über die Chefs zu machen." Viele Jahrzehnte hatte es Stalder mit dem Redaktionsleiter Alois Puyn und Fotograf Fritz Getlinger zu tun. "Wenn ich mit Fritz Getlinger zu Terminen kam, hatte der immer eine Treppenleiter bei sich, um auch aus höherer Warte zu fotografieren." Für Überschriften waren früher wie heute die Redakteure verantwortlich. So hieß es beispielsweise damals bei Hanns Evers: "50 Liter Milch frisch von der Kuh." Dabei ging es um den Hauptpreis bei einer Messdiener-Kirmes. Der langjährige RP-Mitarbeiter war schnell am Telefon, wenn es interessante Neuigkeiten gab. So teilte er Alois Puyn mit: "In Nütterden auf dem Sportplatz ist eine Bombe gefunden worden." Zwei Tage später wurde dort noch eine zweite Bombe entschärft. "Das kriegen Sie auch noch honoriert", sagte Puyn.

Stalders Schwerpunkte für die Grenzland Post sind "heimatgebundene Berichterstattung und alles rund um die Kirche." Auf großes Echo stießen stets seine Serien. "Mein Verein" war dabei der Dauerbrenner. "Es gab 148 Folgen von Sport über Chöre, Kunst und Karneval. Bis auf Boxen gab es alles. Ich habe dicke Ordner davon zuhause", sagt er. Ist er doch auch sonst ein wahrer Serientäter: Ob "Was macht eigentlich?", "Junge Talente", "Kinderglück", "Junge Wasserratten", "Meine Schulzeit", "Träger des Rheinlandtalers oder "Unsere Gesellen". Aktuell befasst sich Werner Stalder mit verstorbenen Priestern aus dem Nordkreis Kleve wie Theo Janßen von Christus-König oder Paul van Husen von der Unterstadtkirche. "49 Folgen standen schon in der Zeitung, zwei kommen noch."

Werner Stalder kennen die RP-Leser natürlich auch von seinen zahlreichen anderen Aktivitäten. 23 Jahre war er Pressesprecher beim Internationalen Karl-Leisner-Kreis. Rom ist seine zweite Heimat. In den vielen Jahrzehnten begrüßte er persönlich vier Päpste bei 22 Audienzen. Kanzlerin Merkel, den Bundespräsidenten Gauck und Steinmeier sowie Bundestagspräsident Lammert schüttelte er ebenfalls die Hand. Eines seiner weiteren Hobbys: "Ich sammle Autogramme von Kardinälen und Bischöfen. Knapp 100 Unterschriften habe ich schon", freut sich Stalder, der die Unterhaltung mit interessanten Menschen schätzt. Für die RP möchte er auch nach 60 Jahren weiter schreiben, "solange es mir gut geht und es mir Spaß macht".

Quelle: RP
 
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