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Kleve
Der universale Faust: eine Frau

Kleve: Der universale Faust: eine Frau
Friederike Bellstedt ist "der" Faust in der Inszenierung der Burghofbühne Dinslaken. Der Klassiker kommt im Februar. FOTO: Burghofbühne
Kleve. Das neue Theaterprogramm der Stadt mit einer Mischung aus Klassik und Komödie Von Matthias Grass

Die Bühne ist leer. Nur in der Mitte eine Art Gestell, das nach drei Seiten offen ist. Das Gestell ist Studierstube, ist verruchter Keller, ist Gemach der Maid. Es wird laut auf der Bühne. Und ganz still. Still, wenn Gretchen verzweifelt. Laut, wenn Faust nach dem sucht, das die Welt im Innersten zusammenhält. Es wird spaßig, wenn Mephisto über die Bühne kapriolt. "Faust - der Tragödie erster Teil" kommt nach Kleve. Am 18. Februar 2016 steht Goethes Drama auf dem neuen Klever Bühnenprogramm, das jetzt von Fachbereichsleiterin Annette Wier vorgestellt wurde.

Die Inszenierung der Burghofbühne Dinslaken war ausverkauft, als Goethes großes Drama in der ersten Inszenierung unter neuem Intendanten Premiere hatte. Regisseur Matthias Fontheim hatte Faust mit Friederike Bellstedt in einer Gastrolle und vor allem mit der jungen Charlotte Will als Gretchen gut besetzt. Überhaupt wird dem Ensemble in der Kritik attestiert, dass die acht Darsteller in über 25 Rollen (ganz stark Lisa-Marie Gerl als ordinäre Marthe) eine Menge Leidenschaft aufbringen. Einen weiblichen Faust hat Fontheim genommen, um der "Universalität der Figur Rechnung zu tragen", heißt es. Sie zieht dann als Gelehrter mit Mephisto, dem Teufel, ins pralle Leben.

Schillers Kabale und Liebe ist das Abiturstück für 2016. Es läuft zusätzlich zum Abo. Eine Wiederaufnahme des Landestheaters Detmold. FOTO: Landestheater

Der "Faust" sollte eine Pflichtveranstaltung für Deutschlehrer sein, zumindest die Oberstufenschüler ins Theater zu bekommen - dann könnte auch die Klever Stadthalle mal einen Großteil ihrer Plätze besetzt haben. Ansonsten leidet das Klever Theater seit Jahren an Besucherschwindsucht. Zu lange hatte man sich auf bekannte Gesichter aus dem Fernseh-Vorabendprogramm verlassen. Mit dem zuletzt eingesetzten Theatergremium wurden die Stücke erheblich besser - vor allem die vergangene Spielzeit punktete mit hervoragenden Inszenierungen. Inszenierungen allerdings, die wie das herausragende Stück "Rot" über den Maler Rothko aber ihren Preis haben. Auf Dauer zu teuer für Kleve, wenn die Besucherzahlen nicht deutlich steigen.

Deshalb wurde in diesem Jahr zurückgerudert: In der Saison 2015/2016 gibt es wieder den obligatorischen Fernsehschauspieler - hier Helmuth Zierl in einer Inszenierung der Konzertdirektion Landgraf. In einer Art Wahlverwandtschaften finden in "Wir lieben und wissen nichts" zwei Pärchen über Kreuz zueinander.

Zierl kommt im März. Der bekannte Schauspieler soll die Besucher ebenso ziehen, wie das Uralt-Ohnesorg-Stück "Tratsch im Treppenhaus" in einer Inszenierung des Nordtour Theaters. Mit der Tochter in der Rolle der Mutter: Heidi Mahler als "Tratsche" Meta Boldt, die einst von Mahler-Mutter Heidi Kabel gespielt wurde. Das Hamburger Stück kommt am 7. Januar 2016.

Den Auftakt der Klever Spielzeit macht ein Theater gewordener Film: "Ziemlich beste Freunde" heißt es am 21. September mit dem Tournee-Theater Thespiskarren. Es folgt am 21. Oktober der Psychothriller "Der Seelenbrecher" vom Berliner Kriminaltheater. Ein Stück aus der Psychiatrie nach einem Krimi von Sebastian Fitzek. Das Landestheater Neuss kommt mit einer Bearbeitung des Thomas-Mann-Romans "Joseph und seine Brüder" am 25. November in die Stadthalle.

Bleibt noch das Stück fürs Abitur: Das Landestheater Detmold nimmt seine gelobte Inszenierung von Schillers Sturm-und-Drang-Drama "Kabale und Liebe" von zornigen Rebellen und der ebenso bedingungslosen wie zum Scheitern verurteilten Liebe wieder auf und gastiert damit am 14. Dezember in der Stadthalle.

"Kabale und Liebe" ist das siebte Stück im Programm und kann zum Abo hinzugebucht werden, erklärt Annette Wier. Abos ab ab 60 Euro (vier Aufführungen).

Quelle: RP
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