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Niederrhein
Der Weltenbummler

Niederrhein: Der Weltenbummler
Schreiben als Leidenschaft: Michael Scholten in Kazbegi in Georgien, an der Grenze zu Russland, während der Weltreise im Juni 2008 FOTO: privat
Niederrhein. Er wollte eigentlich nie ein Buch schreiben, doch dann kam bei Michael Scholten alles anders. Aus dem Online-Tagebuch einer Weltreise entwickelte sich das erste Buchprojekt des Reesers, der jetzt in Kambodscha lebt. Von Sebastian Latzel

Dass er seinen Geburtstag am 13. Dezember mit Schriftsteller Heinrich Heine teilt, wertet Michael Scholten nur bedingt als Ursache seiner Liebe zum Schreiben. "Am selben Tag hat auch Heino Geburtstag, aber ich besinge relativ selten schwarzbraune Haselnüsse", scherzt der Reeser, der im asiatischen Königreich Kambodscha lebt und arbeitet.

Geschrieben hat der 39-Jährige eigentlich schon immer: "Noch bevor ich in der Grundschule das Alphabet lernte, habe ich meiner Mutter Theaterstücke und Kurzgeschichten diktiert. Für die ersten Schulaufsätze hagelte es dann Sternchen von meiner höchst motivierenden Lehrerin Heidemarie Peerenboom."

Während seiner Zeit am Reeser Gymnasium Aspel konzentrierte sich Michael Scholten auf das Schreiben von Drehbüchern, die mit Freunden verfilmt wurden, und auf Beiträge für das Schulmagazin "Micro Power" in einer Video-Arbeitsgemeinschaft. "Mir war völlig klar, dass ich später beim Film oder Fernsehen arbeiten werde", sagt Michael Scholten, "aber ich dachte, der Weg dorthin führt zwangsläufig über die gute alte Zeitung."

Zu Beginn seines Studiums in Münster stellte er sich deshalb 1993 bei der RP in Rees vor. Die schickte ihn als erste Reifeprüfung zu einem Karnevalsnachmittag der Frauengemeinschaft St. Georg Haldern. "Als ich den gedruckten Bericht in Händen hielt, habe ich endgültig Druckerschwärze geleckt und wollte dem Printjournalismus treu bleiben", sagt der Reeser.

Bis zum Abschluss seines Englisch- und Publizistikstudiums schrieb er als freier Mitarbeiter für die RP, stieg dann beim Fernsehmagazin "TV Spielfilm" vom Volontär zum Chefreporter auf. Er besuchte Dreharbeiten in aller Welt und die Oscar-Verleihungen in Hollywood, traf Stars zum Interview und entschied als Juror mit über die Vergabe der Deutschen Fernsehpreise und Comedypreise. Trotz der vielen Erlebnisse kam ihm nie der Gedanke, ein Buch zu schreiben. Im Gegenteil: "Während meine Kollegen alle vom eigenen Buch träumten, wollte ich das auf keinen Fall."

Der Zufall wollte es anders. 2007 kündigte Michael Scholten seine Festanstellung in Hamburg und verkaufte seine Wohnung, um sich den Traum einer Weltreise zu erfüllen: 40 Länder in 413 Tagen. Das ADAC Reisemagazin erfuhr davon und verpflichtete den Reeser für eine tagesaktuelle Online-Berichterstattung mit Fotos und Erlebnissen von allen Kontinenten. Im August 2008 kehrte er mit 50 000 Fotos und detailverliebten Tagebüchern nach Rees zurück. Eine Hamburger Grafikerin bot an, aus dem Material ein 560 Seiten starkes Buch zu fertigen, das Scholten am Ende nur noch Korrektur lesen musste. "Ein reines Abfallprodukt", erklärt der Reeser augenzwinkernd. Doch "Weltreise - Ein Tagebuch" hat sich bei Lesungen, Ausstellungen und über die Internetseite www.michaelscholten.com inzwischen weit über tausend Mal verkauft.

Alle Gewinne spendet er zwei Kinderhilfsprojekten in Kambodscha. Seit 2010 lebt er dort, um für die Agentur Lolei Travel Asienreisen für Touristen zu erarbeiten. Parallel arbeitet er als Journalist. Außerdem entwirft er für das ZDF die Interviewfragen fürs Online-Angebot von "Wetten, dass..?" und schreibt im Auftrag der Constantin Film die Pressehefte für Kinohits wie "Wickie auf großer Fahrt" und "Die drei Musketiere". Der Mann, der nie Bücher schreiben wollte, ist inzwischen sehr aktiv: So hat er als Experte für ausgefallene Reiseziele wie Afghanistan, Nordkorea und Papua-Neuguinea an Nele Marie Brüdgams "Lexikon der Reise-Irrtümer" mitgeschrieben.

Für einen großen deutschen Verlag schreibt Michael Scholten derzeit eine autobiografische Kulturschock-Komödie über Liebesbeziehungen zu Frauen in Asien, zudem arbeitet er an Büchern über "Unnützes Fernsehwissen" und die frühen Anfänge des Tourismus in Kambodscha. Zudem recherchiert er seit zwei Jahren für eine bilderreiche Biographie über die Hamburger Film-Promoter-Legende Klaas "Mr. Hollywood" Akkermann,

www.rp-online.de/kleve

(RP/rl/jul)
 
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