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Weichenstellungen für Generationen (18)
Deutschlands schönster Musentempel

Weichenstellungen für Generationen (18): Deutschlands schönster Musentempel
Das Kurhaus bei Nacht in voller Pracht: ein Großteil des Ensembles an der Tiergartenstraße. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Nach zehn Jahren Planungs- und Bauzeit wurde das Museum Kurhaus 1997 eröffnet. Im Jahr 2012 wurde der Bau um das alte Friedrich Wilhelm Bad erweitert. Umgerechnet investierten Stadt und Land NRW rund zwölf Millionen Euro . Von Matthias Grass

kreis kleve Das künstlerische Fundament für den Bau des Museums Kurhaus wurde im Garten gelegt: Ende der 1980er Jahre saßen der damalige Klever Museumsdirektor Drs. Guido de Werd und die Bildhauer-Tochter Sonja Mataré auf den Gartenstühlchen im Halbrund des Parks hinter Haus Koekkoek und verkündeten, dass die Werke des Beuys-Lehrers Ewald Mataré nach Kleve kommen. Nicht nur die Holzschnitte und Aquarelle, sondern auch die Skulpturen des international durch seine sakralen Arbeiten berühmt gewordenen Düsseldorfer Akademieprofessors. Bis heute trägt das Kurhaus den Namen Mataré im Titel. 1988 fiel auch der Entschluss, nicht Haus Koekkoek zu erweitern, sondern neu im ehemaligen Kurhaus anzufangen, das am Waldrand halb verfallen vor sich hindämmerte. Der damalige CDU-Fraktionschef Rudolf Kliver unterstützte die Idee ebenso wie der NRW-Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, Christoph Zöpel (SPD).

"Das Ganze war eine Utopie", blickt de Werd auf die lange Bauphase zurück. Der Museumsdirektor schuf einen wunderbaren Ort der Stille am Klever Barockpark. Die Planungen von Prof. Walter Nikkels wurden in Planungsgemeinschaft mit Wrede-Architekten und später bei der Erweiterung mit dem Architekturbüro Willinek/van Hüllen umgesetzt. Unter Aufsicht und unter dem Schutz des Museumsdirektors, der alle Attacken aus Politik und Verwaltung gegen die Bauvorhaben auch mit Hilfe des starken Freundeskreises abwehren konnte.

Letztlich wurden von Stadt und Land NRW zwischen 1988 und 2012 umgerechnet rund zwölf Millionen Euro verbaut. Wobei der erste Bauabschnitt, der anstatt wie zunächst geplant 1992 doch erst 1997 eröffnet wurde, rund 17 Millionen Mark kostete. "Guido, Du hast nicht nur den Sternberg überwunden, sondern die Abruzzen", wertschätzte Nikkels bei seiner Eröffnungsrede am 18. April 1997 die Mühen des Museumsdirektors, nicht ohne sich beim damaligen Stadtdirektor Manfred Palmen zu bedanken, ohne dessen Eingreifen "Wichtiges versäumt worden wäre". Der damalige NRW-Ministerpräsident und spätere Bundespräsident Johannes Rau war voll des Lobes: "Das Museum in dieser Pracht in einer Kleinstadt wie Kleve ist wie ein Wunder", sagte er und prophezeite, dass dessen Ruf bald dem Wahlspruch des Moritz von Nassau-Siegen gerecht werden solle: "Soweit der Erdkreis reicht." Rau sollte recht behalten: 2004 wurde das kleine Museum in der Klever Provinz über alle Großstadtmusentempel gestellt und von der vereinten Kritikerschar deutscher Feuilletonisten zum Museum des Jahres erkoren. De Werd zeigte Ausstellungen, die aufeinander aufbauten, die eine klare Linie hatten und international beachtet wurden. Gleichzeitig holten "Schule-Kunst-Museum" die Schüler und die Museumspädagogen den Nachwuchs ins Kurhaus.

Der Erbauer: Kleves langjähriger Museumschef Guido de Werd. FOTO: privat

Schon zur Eröffnung konnte de Werd mit der Sammlung Ackermans Hauptwerke internationaler Kunst präsentieren: Diese und die stille, klösterliche Architektur setzten ein Ausrufezeichen in die deutsche Museumslandschaft. Die Verbindung mit Ackermans war allerdings nicht von Dauer - zu dominant waren Arbeiten und Sammler aus Sicht des Museums, zu sehr beschränkt auf "nur" knapp 1000 der damals 2500 Quadratmeter die Flächen im Museum aus Sicht der Sammler. Im September 2000 zerbrach die Ehe endgültig. Die wichtigen Hauptwerke der Gegenwartskunst wurden abgezogen, viele sind jetzt im Düsseldorfer K 21 zu sehen. De Werd konnte den Aderlass auffangen: Schenkungen und die Unterstützung durch den Freundeskreis bei Ankäufen füllten die Lücken in der Sammlung auf - nicht allein mit großen Hauptwerken, aber immer mit herausragenden Arbeiten.

Schon während der Bauphase in den 1980/90er Jahren zeichnete sich ab, dass Teile des Friedrich-Wilhelm-Bades nach dem Tod des ersten Klever Museumschefs Dr. Friedrich Gorissen an das Kurhaus kommen sollten. Als das Stadtarchiv auszog, war der Weg offen: Die CDU-Fraktion stellte unter Udo Janssen und Bürgermeister Theo Brauer 2006 die Weichen für die Erweiterung. Das Museum sollte mit dem neuen Beuys-Westflügel über 700 Quadratmeter Ausstellungsfläche dazubekommen, darunter das Atelier, in dem Beuys zu Beuys wurde. Mit der Eröffnung der Erweiterung des Kurhauses endete die Ära von Guido de Werd. "Ich wollte an diesem ungewöhnlichen Ort etwas Ungewöhnliches schaffen. Ich freue mich, dass dieser Traum mit Hilfe der Stadt Wirklichkeit wurde und dass diese Linie fortgesetzt wird", blickt er zurück.

Der heutige Kurhauschef Dr. Harald Kunde. FOTO: Evers

Prof. Harald Kunde übernahm 2012 das Ruder und setzte neue Akzente. "Das Museum Kurhaus Kleve ist ein wunderbarer Ort der Begegnung zwischen Menschen und Kunstwerken", sagt er. Gemeinsam mit dem Team trage er jetzt die Verantwortung, diese Grundkonstellation weiterzuentwickeln und immer wieder neue Anlässe einer überregionalen Wahrnehmung zu schaffen. Dazu gehöre die klassische Trias der Museumsarbeit: eine gut präsentierte Sammlung, attraktive Ausstellungen und interessante Veranstaltungen. "Dazu zählt aber zunehmend auch die Erhöhung der Service-Funktionen für Besucher sowie der medialen Präsenz für virtuelle Gäste. Wir öffnen das Kloster für die Kunst im Blick auf das Anforderungsprofil der Gegenwart und erweitern es zu einem Marktplatz der Anschauungen", sagt Kunde.

Quelle: RP
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