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Niederrhein
DGB: Ausbildungsmarkt stagniert auf zu niedrigem Niveau

Niederrhein. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Niederrhein hat eine kritische Bilanz des Ausbildungsjahres gezogen. Die von der IHK und den Arbeitsagenturen vorgelegten Zahlen machen deutlich, dass 10.049 Bewerber/innen um einen Ausbildungsplatz am Niederrhein 6954 gemeldete Stellen gegenüberstehen. Die Zahl der gemeldeten Stellen ist für die Region zwar um 31 gestiegen. Aber immer noch 3095 an einer Berufsausbildung interessierte Jugendliche sind leer ausgegangen. Dabei ergibt sich ein leicht differenziertes Bild für Duisburg auf der einen und die Kreise Kleve und Wesel auf der anderen Seite. Während in Duisburg 194 Ausbildungsstellen dazukamen, sind in den Kreisen Kleve und Wesel 163 Plätze verloren gegangen.

In den Kreisen Wesel und Kleve haben 2486 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz gefunden. Die meisten haben sich dann anders orientiert. Viele haben sich an Berufsschulen angemeldet, an einer Hochschule eingeschrieben, absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr oder nehmen eine ungelernte Tätigkeit in Aushilfsjobs an. 324 Schulabgänger/innen gelten in den Kreisen Wesel und Kleve noch als "unversorgt", weil sie noch keine Perspektive gefunden haben.

Der DGB-Vorsitzende im Kreis Kleve Rolf Wennekers begrüßt jeden Ausbildungsplatz und lobt die Ausbildungsbetriebe: "Dies tun allerdings nur noch 24 Prozent der Unternehmen mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Drei Viertel der Betriebe bilden gar nicht aus," kritisiert der Gewerkschafter die Ausbildungsbetriebsquote.

Der Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Wesel Arnold Stecheisen erklärt, "dass der notwendige Aufbruch in verstärkte Ausbildung immer noch nicht gelungen ist." Einen Bedarf sieht Gewerkschaftssekretär Mark Rosendahl nicht nur für die 3095 Jugendlichen am Niederrhein, die noch keinen Platz gefunden haben: "Hinzu kommt, dass in den nächsten Jahren viele Beschäftigte aus den geburtenstarken Jahrgängen in den Ruhestand gehen, für die jetzt dringend Nachwuchs ausgebildet werden muss. Dieser allen Fachleuten bekannte demographische Effekt kann nur aufgefangen werden, wenn verstärkt in Ausbildung investiert wird." Das sei eine Chance für die Wirtschaft, die genutzt werden sollte. Denn, so sagt der Gewerkschafter, "die Jugendlichen, die jetzt zurückbleiben, werden in die Perspektive Hartz IV entlassen verbunden mit einer Dequalifizierung. Sie da wieder herauszuholen, wird umso schwerer, je länger Arbeitslosigkeit dauert."

Da die Ausbildungskapazitäten der Betriebe und Verwaltungen nicht nach Belieben hochgefahren werden können wegen der begrenzten Zahl von Ausbildungsbeauftragten und schulischen wie betrieblichen Rahmenbedingungen, sollten nach Auffassung des DGB alle Möglichkeiten dringend ausgeschöpft werden.

Außerdem kommt auf den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt die Herausforderung zu, Geflüchtete in Arbeit zu integrieren. Dafür müssten die Anstrengungen verstärkt werden. "Wenn Appelle und Aktionen nicht helfen, wird der Gesetzgeber tätig werden müssen", fordert der DGB. Deutschland könne es sich nicht leisten, wegen kurzsichtiger ökonomischer Interessen die Zukunft des Landes zu gefährden.

Quelle: RP
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