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Niederrhein
Die besten Keramiker Europas in Milsbeek

Niederrhein. Die 29. "Keramisto" in Milsbeek präsentiert am Wochenende an zwei Tagen 100 von eine Jury ausgesuchte Töpfer aus 14 Ländern. Von Matthias Grass

Hellwasserblau leuchten sie aus ihrem Inneren heraus, in rot-violett-blau schimmert die Außenhaut der Schalen je nach Lichteinfall, die der Spanier Llouis Soler auf seiner Töpferscheibe dreht. Keck guckt die kleine Meerjungfrau von ihrem Stein herunter, die die Österreicherin Angelika Gross modelliert hat. Auf dem Klepper von Silvia Saenger sitzt eine ganze Familie in tiefem, grobporigen Ton. Zerbrechlich wirkt die Vase aus weißem Ton der Tschechin Nela Havlickova. Vilija Balciuniene aus Litauen hat nicht nur ein gebranntes Frauenporträt ganz aus dem Osten Europas in den tiefen Westen an die deutsch-niederländische Grenze gebracht. Alle sind zu sehen, wenn am Samstag die 29. Keramisto in Milsbeek gleich hinter der Grenze eröffnet wird(der Markt ist ausgeschildert).

Das Töpferkollektiv Milsbeek hat in guter Tradition wieder ausgesuchte Keramiker aus ganz Europa versammelt. 100 Kollegen aus 14 Nationen hat das Kollektiv aus dem Bewerbungen ausgewählt, die am Samstag und Sonntag, 17. und 18. September, jeweils von 10 bis 18 Uhr auf dem Platz am See im Naherholungsgebiet hinter Milsbeek Richtung Nimwegen ihre Keramik zeigen. Das Spektrum reicht von kleinen und großen Skulpturen, von abstrakten kunstvollen Gitterwerken über prächtige Schalen und Teller bis hin zu hochwertiger Gebrauchskeramik. Der Markt präsentiert zum 29. Mal in Folge die hohe Kunst der Keramik auf ihrem aktuellen Stand.

Katrin König kam nach dem Fall der Mauer in den Westen und gehört seit Anfang der 1990er Jahre zum Kollektiv. Sie hat ihr Atelier in Hommersum und arbeitet dort in der Abgeschiedenheit an neuen Arbeiten, die sie auf den Märkten vorstellt. Wie jene tischtiefe große Schale mit dem rauen, abstrakten Muster auf dem Boden in wunderbar glatter Glasur an den Rändern, die sich auch über den grobkörnigen Untergrund legt. Wie natürlich gewachsen präsentiert sich das Innere der Schale: krause Köpfe von Blumenkohl sind das Vorbild für den Boden. Poreestangen ergeben das Muster einer anderen Platte.

Die Fische in einer anderen Schale erkennt man richtig, wenn das Licht Schatten in den Teller wirft. Sie sind wie der Rapport eines endlosen Musters geordnet. "Sie sind von Fischen abgedrückt, die ich auf dem Markt in Nimwegen gekauft habe", sagt König. Ausgesucht unter dem argwöhnischen Blick des Markhändlers, weil sie die Fische doch ganz und gar nicht "schöngemacht" (ausgenommen und filetiert) mitnehmen wollte. Es ist eine komplizierte Töpfertechnik, die in der so leicht wirkenden Schale steckt. "Sie ist sowohl gedreht als auch aufgebaut", sagt König. Die Fische sind mit einer antiken Glasur geschützt. Es ist jene der Terra Sigillata, die glatt und rau über dem weiß gebrannten Ton liegt. Sie entsteht aus einer Verbindung von Wasser und Ton und alkalischen Zusätzen, die flüssig über den Teller kommt und gebrannt wird.

"Ich habe mich lange an diese Projekte heran arbeiten müssen, das war Neuland", sagt König. Selbst ihr als Profi gingen am Anfang große Teile des Brandes kaputt, dann bekam sie das in den Griff. Kostbare Objekte für Sammler entstanden - und verkaufen sich. "Wir treffen uns in Milsbeek nicht nur zum Austausch, nicht nur, um zu sehen, was derzeit der Stand der Dinge ist. Wir wollen natürlich auch verkaufen", sagt König. Das wissen auch Fans guter Kunst aus Ton: Sie haben den Termin lange vorgemerkt.

Quelle: RP
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