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Kleve
Die "Freakshow" für Probleme in der Kleinstadt

Kleve. Eine geniale Idee, finden Louis und Wolf: mehrere Jugendliche aus derselben Kleinstadt, deren Schicksale auf unterschiedliche Weise miteinander verknüpft sind, auf einer Party zu konfrontieren - und das Ganze live ins Internet zu übertragen. Die beiden notorisch rauchenden und Rotwein trinkenden Medienleute (wunderbar selbstverliebt und unsympathisch gespielt von Charlotte Jäckle und Max Frische) träumen vom Erfolg einer solchen "Freakshow" mitsamt ihrer "abgefuckten Seelenkacke": "Perversion, Fremdschämen - das ganze Programm!" Dies ist der Ausgangspunkt der neuen Jugendtheaterpremiere im Klever Theater im Fluss. Das hochspannende und oft extrem witzige Stück "Kill your problem" wurde von Regisseurin Yvonne Campbell Körner und den jungen Schauspielern selbst entwickelt. In verschiedenen Episoden lernt man zunächst die Protagonisten kennen: etwa Elske Beckmann als 18-jährige Emmily, die zu ihrer geistig behinderten Schwester Leonie (herausragend: Laura van Meurs) ein rührend liebevolles, manchmal aber auch erdrückend enges Verhältnis hat. Oder Lisa und Maya (Lena Frost, Alina Krebbers), die ihre Liebe zueinander entdecken, zum großen Entsetzen von Lisas Mutter - Marina Buens gab einen herrlich psychopathischen Drachen. Von Verena Krauledat

Lisas Bruder Jonas (Janis Krebbers), der sich der Kontrolle seiner dominanten Mutter nicht entziehen kann, obwohl er selbst gerne einmal rebellieren würde. Und Elias (Tim Elze, überzeugend in seiner melancholischen Schweigsamkeit), der seit einer zugedröhnten Autofahrt im Rollstuhl sitzt, während seine egoistische Schwester Stefanie alias Sophia Haug an ihrer Schauspielkarriere arbeitet. Sie alle reagieren auf den Online-Aufruf des Projekts "Kill your problem", den Louis und Wolf ins Netz gestellt haben, und der die Lösung all ihrer Probleme verspricht. In kurzen Videoclips, die zwischen die Szenen geschaltet sind (Film: Júlia Kühne Escolà), stellen sie sich vor und erzählen, was sie beschäftigt, bedrückt und überfordert. Dieser Bruch zwischen Live-Schauspiel und Filmausschnitten verleiht dem Stück eine zusätzliche Ebene und spielt auf interessante Weise mit der Selbstinszenierung der Jugendlichen. Grandioser Höhepunkt ist schließlich die von den beiden Initiatoren arrangierte Party, auf der sich alle Jugendlichen treffen und einander teils freiwillig, teils zwangsweise näherkommen. Zwischen peinlichen Kennenlernspielen und oberflächlichem Smalltalk entstehen so aberwitzig-skurrile Situationen, dass es selbst Louis' und Wolfs kühnste Träume übertrifft. Auch der Zuschauer wünscht sich am Ende des Stückes, es möge noch eine Weile so weitergehen - man wird glänzend unterhalten.

Weitere Vorstellungen: 21.5. (Radhaus Kleve) und 22. 5. (Theater im Fluss).

Quelle: RP
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