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Kleve
Die Gemeinschaft der Heiligen

Kleve: Die Gemeinschaft der Heiligen
Alles Heilige – die Kleverin Brigitte Denner inmitten von Vorbildern der römisch-katholischen Kirche. FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Kleve. Heute wird das Fest Allerheiligen gefeiert. Dabei geht es um mehr als das Gedenken an Hunderte von der Kirche Heiliggesprochenen. Es sind Menschen in unserer Nähe, die zu der Gemeinschaft der Heiligen gehören. Das "Heilig sein" ist ihnen nicht anzusehen. So wie auch Brigitte Denner nicht. Von Peter Janssen

Den Namen "Totenmonat" hat sich der November verdient. Volkstrauertag, Allerseelen und Allerheiligen werden in diesen dunklen Tagen begangen. Licht ist derzeit rar und daher von besonderer Bedeutung. Die Gläubigen gedenken heute ihrer Toten und schmücken die Gräber. Als Symbol des Auferstehungsglaubens werden an den Grabstätten Lichter angezündet.

Der Feiertag Allerheiligen gehört nicht allein jenen, deren Abbilder in Form von verstaubten Figuren in Gotteshäusern zu sehen sind. Denn die häufige Annahme, dass sich die Gemeinschaft der Heiligen allein auf die Heiliggesprochenen beschränkt, ist falsch. Nach dem katholischen Verständnis ist jeder ein Heiliger, der sich nach der Taufe um ein Leben in der Nachfolge Christi bemüht. Daran erinnert auch Papst Benedikt XVI.: Heiligkeit sei "kein Privileg weniger Auserwählter".

Es sind diese Heiligen, die unsere Zeit braucht. Menschen, die unauffällig für andere da sind, die sich im alltäglichen Leben um das "Heil" des Nächsten sorgen. Sie wirken unscheinbar und sind kaum zu bemerken. Allein durch ihr Handeln werden die Helfer erfahrbar. Denn was sie tun, geschieht leise. Dabei leisten die "Alltags-Heiligen" keineswegs ununterbrochen Großartiges, sondern haben Fehler und Schwächen. Ihre Namen findet man nicht im Heiligenkalender. Dort sind jene aufgeführt, die von der katholischen Kirche kanonisiert wurden. Um es in den Kalender zu schaffen, sind Wunder vonnöten, die demnach auch vollbracht sind. Doch haben etliche Heilige mit der Gegenwart kaum mehr etwas zu tun. Vielen Menschen sagen die überhöhten Verehrten nichts. Als Vorbilder können sie nicht dienen, durch ihre Glorifizierung sind sie unerreichbar.

Der Begriff "heilig" bedeutet "zu Gott gehörig". Zu Gott gehören die Menschen, die Liebe und Barmherzigkeit in die Welt bringen und mit ihrem Einsatz dabei helfen, diese zu verbessern. So wie Brigitte Denner. Sie kümmerte sich Jahrzehnte in der Klever Klosterpforte um jene Mitmenschen, die am Rand der Gesellschaft angekommen sind. Obdachlose, Drogenabhängige, Außenstehende ohne Perspektive, die Halt und etwas gegen den Hunger suchen. Sieben Tage in der Woche war Brigitte Denner für Bedürftige da, kochte, ging mit ihnen zum Arzt oder Amt. Sie half einem Alkoholabhängigen, baute ihn immer wieder auf, bis er nach fünf Jahren seine Krankheit besiegt hatte. Todkranken stand die Kleverin auf ihrem letzten Weg bei. Doch saß sie auch einfach nur am Tisch in der Klosterpforte, hörte zu und schenkte ihnen Zeit.

Es ging ihr nicht um Anerkennung. Helfen war ebenso selbstverständlich wie alltäglich. Sie hätte es nicht gewollt, als "Heilige" bezeichnet zu werden. Aber sie war eine. Ebenso wie alle Menschen, die durch ihr Handeln versuchen, die Welt etwas "heiler" zu machen. Brigitte Denner verlor ihren Mann früh. Sie war Mutter von drei Kindern, nahm einen Pflegesohn und später noch eine Pflegetochter bei sich auf. Mit Putzen verdiente sie Geld. Das Leben war kein leichtes. Durch leidvolle Erfahrungen kamen Zweifel: Ist das Vertrauen in Gott richtig? Doch blieb sie stets offen für die Nächstenliebe, die sie als ihren Auftrag verstand.

Bis kurz vor ihrem Tod setzte sich Brigitte Denner für Notleidende ein. Vor vier Jahren starb sie mit 67 an einem Krebsleiden. Den Mitarbeitern der Klosterpforte und den Menschen, die dort Hilfe suchen, fehlt sie. In ihren Erinnerungen wird sie bleiben. Besonders am heutigen Tag wird ihr gedacht. Es ist gut, dass es das Fest Allerheiligen gibt. Denn es lohnt sich, "seine" Heiligen zu besuchen, deren Lebensläufe man ebenso kennt wie ihre Dienste für den Anderen.

Menschen wie Brigitte Denner sind Vorbilder, ebenso wie es Verehrte der römisch-katholischen Kirche sein können. Für ein funktionierendes Miteinander ist es wichtig, dass die Gemeinschaft der Heiligen stetig größer wird. Auch die Kirche wird dabei helfen. Denn - und daran sollte man glauben: Wunder gibt es immer wieder.

PETER JANSSEN

Quelle: RP
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