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Kleve
Die Gesichter der Klever Häuser

Kleve: Die Gesichter der Klever Häuser
Bruno Meesters (links) und Clemens Giesen mit dem Plakat. FOTO: Matthias Grass
Kleve. "Klever Köpfe" aus Hausfassaden hat der Restaurator Clemens Giesen gesammelt, Bruno Meesters vom Club Blende 8 hat sie fotografiert. Die Bilder von 80 dieser Gesichter sind seit gestern in der Marktstraße zu sehen. Von Matthias Grass

Sie sind ernst oder lachen von oben herab, tragen rauschende Bärte oder liebliche Locken, manche sind auch gehörnt. Es sind Klever Köpfe. Köpfe, die oft schon seit Jahrhunderten an ihrem Ort sind, ohne dass sie von den Passanten wahrgenommen werden. Gesichter, die aus dem Mittelalter herüberschauen, oftmals mit verwittertem Antlitz. Es gibt pausbäckige Putten ebenso wie wohlgeformte Göttinnen oder gar Hut tragende barocke Menschen. Sie sind in der Regel in Stein gehauen, aber auch in Ton oder Gips gegossen. Man muss jedoch zu ihnen aufschauen, will man sie finden. Der Klever Restaurator Clemens Giesen hat die Orte dieser Köpfe "gesammelt". Sie sind ein Stück Klever Baugeschichte.

Weiß man erst von ihrer Existenz, kann man sich auf eine spannende Entdeckungstour durch die Stadt machen. Denn viele der Häuser, die den Krieg und vor allem die Modernisierungswut der Nachkriegszeit überdauert haben, haben solche Köpfe in der Fassade - die Gründerbauten zwischen Römerstraße und Brabanter Straße ebenso, wie einzelne Häuser an der Emmericher oder Kalkarer Straße. Es gibt sie in der Burg und in den klassizistischen Villen der Stadt. Einen der Köpfe hat Giesen vorm Abbruch gerettet: ein fröhliches Kindergesicht aus der Neuen Mitte, dem einstigen "Cafe Schürings". Es hängt jetzt in dem feinen Hinterhof zwischen Werkstatt und Geschäft des Restaurators und verbreitet gute Laune.

Jetzt hat Giesen zusammen mit dem Klever Fotografen Bruno Meesters vom Fotoclub Blende acht 80 dieser Köpfe von Klever Häusern zusammen gestellt. Die Meesters-Fotos von den Köpfen sind seit gestern in der Markstraße in Kleve zu sehen. In jenem Haus, das Giesen so aufwendig zurückbaute, dass es von der Zeit des schönen alten Kleve erzählen kann. Die Fotos hängen in den Geschäftsräumen zwischen den alten Möbelstücken.

"Seit über 30 Jahren setze ich mich in Kleve für den Denkmalschutz ein", sagt Giesen. Von Haus aus Restaurator, hat er einen geschulten Blick für Fensterformen, Fensterkreuze und den Schmuck der alten Fassaden aus Stuck. Er legt seit Jahren als sachkundiger Bürger der OK den Finger in die Wunden von kunst- und vor allem baugeschichtlichen Sünden, er fragt nach den Sachständen: So wie bei der Klever Stadtmauer, so wie bei den Holzsäulen vor der Kleinen Kirche an der Böllenstege, die immer noch der Witterung ausgesetzt sind.

Zum 25-jährigen Bestehen seines Geschäftes in der Marktstraße hatte er die Idee, die Köpfe, die er entdeckt hatte, zu dokumentieren. Und damit auch irgendwie zu bewahren. Sogar ein Buch war ursprünglich angedacht, ließ sich aber nicht finanzieren. In Bruno Meesters fand er den Partner, der die Köpfe fotografierte. Von den 100 entstandenen Bildern suchten die beiden jetzt 80 aus, die ausgestellt sind. Meesters, der seit 1953 in Kleve wohnt, war überrascht, wie viele dieser steinernen Zeugnisse es in Kleve noch gibt, sagt er.

Es sind Büsten des Bildhauers Brüx dabei, einer der Wasserspeier der Stiftskirche, ein Mittelaltergesicht aus der Schwanenburg oder die Göttin Fortuna von der Tiergartenstraße. In Stein von Bildhauer geschlagene Gesichter aber auch solche, die es zur Jahrhundertwende aus Gips zur Verzierung von Fassaden gab. Sie schauen als flaches oder hohes Relief aus der Wand oder auch, wie an der Brabanter Straße, als Büste. Sieht man einen, findet man schnelle viele - eine Fuß-Rallye durch die Stadt bietet sich an. Der Flaneur wird belohnt mit den meistens noch intakten und liebevoll gestalteten Fassaden der alten Häuser und den in der Regel ausgesprochen freundlichen Gesichtern, die ihn plötzlich anlachen.

Anstatt des Buches gibt es zur Ausstellung eine Postkarte für einen Euro, die zwölf der Köpfe zeigt. Giesen und Meesters ließen zudem ein kleines und ein großes Plakat mit den gleichen Motiven (7,50 Euro und 10 Euro) drucken. Zu sehen bis 30. November in der Marktstraße 8, Mo. bis Fr. 10 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
 
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