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Niederrhein
Die Grabungssprache im APX ist Deutsch

Niederrhein: Die Grabungssprache im APX ist Deutsch
Miriam Gildehaus (links) aus Münster und Felix Eder aus Wien haben - wie bereits 870 junge Leute vor ihnen - je einen der begehrten Plätze in der Sommerakademie in Xanten ergattert und graben sich nun gemeinsam voran. FOTO: Christof Reichwein
Niederrhein. 15 Studenten aus sieben Nationen nehmen im Archäologischen Park Xanten an der 29. Sommerakademie teil und setzen mit der Maurerkelle in die Praxis um, was sie theoretisch gelernt haben. Als "Lohn" gibt es 50 Euro in der Woche. Von Heidrun Jasper

Wer derzeit den Archäologischen Park besucht, dem dürften in einer Grabungsstelle direkt neben den rekonstruierten Lehmhäusern 15 junge Leute kaum entgehen, die dort seit Mitte Juli mit Maurerkellen in mühseliger Kleinarbeit Erdschichten aus dem Weg räumen und Stein um Stein freilegen. Sie studieren alle an europäischen Universitäten und gehören zur Internationalen Archäologischen Sommerakademie, die zum 29. Mal im APX stattfindet.

Grabungsleiter ist Dr. Michael Drechsler, der für ein halbes Jahr vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) nach Xanten geholt wurde. Er hat "Provinzialrömische Archäologie" in Köln studiert, schreibt zur Zeit seine Promotion über die "Befestigung der Stadtmauer von Trier" und betreut die Studenten aus sieben Nationen - Deutschland, Österreich, Italien, Rumänien, Kroatien, Syrien und der Schweiz. Die Grabungssprache ist Deutsch.

Zwei von ihnen sind Felix Eder und Miriam Gildehaus. Der 22-Jährige studiert im sechsten Semester klassische Archäologie in Wien, die 25-jährige Münsteranerin studiert archäologische Wissenschaften an der Uni Erlangen. "Hier wird uns ein breites Angebot der Weltarchäologie gezeigt", begründet Felix Eder, warum er sich um einen der begehrten Plätze in der Sommerakademie beworben hat. Außerdem bekomme man Einblick unter anderem auch in Archäobotanik, wozu zum Beispiel Pflanzenreste in Form von Kohlestückchen zählen, die bei Ausgrabungen zutage kommen. Der Student aus Wien möchte einmal genau das machen, was der Grabungsleiter macht: Provinzialrömische Archäologie.

Der Weg von Miriam Gildehaus, die bald ihren Bachelor macht und den Master dranhängt, geht eher in Richtung klassische Archäologie. Über einen Aushang an der Uni ist die 25-Jährige an die Sommerakademie im APX gekommen, die in den 29 Jahren schon 870 junge Studierende aus vielen Nationen ausgebildet hat. "Einige von ihnen lehren mittlerweile an Universitäten oder archäologischen Instituten", weiß Sebastian Held, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim LVR.

30 Studenten kommen jedes Jahr nach Xanten. Sie werden in zwei Gruppen geteilt, arbeiten jeweils vier Wochen in einer Grabungsstätte, die die Überreste römischer Wohnhäuser birgt. Die jungen Frauen und Männer leben in karg eingerichteten Zimmern der römischen Herberge im APX.

"Das ist schon richtig luxuriös hier", sagt Miriam Gildehaus und lacht. "Wir sind top ausgerüstet und haben sogar eine Waschmaschine und eine Küche." Und Fahrräder, mit denen sie in kleinen Gruppen in der Freizeit mal in die Stadt oder Umgebung radeln.

Der Tag ist durchgetaktet: 6 Uhr aufstehen, 7 Uhr Grabungsbeginn, 10 Uhr kurze Pause, danach kleine Exkursionen oder Vorträge, 13 Uhr Mittagspause. Danach wird bis 16 Uhr weitergegraben. Nur sonntags haben die jungen Studenten Pause. Kost und Logis sind frei. Es gibt auch ein kleines Taschengeld: 50 Euro in der Woche. Finanziert wird die Internationale Archäologische Sommerakademie von der regionalen Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland.

Was den besonderen Reiz ausmacht? "Dass wir das in der Theorie Gelernte praktisch anwenden können", sagt Felix Eder. Dazu gehört nicht nur das körperlich bisweilen durchaus auch anstrengende Graben in der Erde und filigrane Freilegen von Mauerresten, sondern auch das Fotografieren und Anfertigen wissenschaftlicher Zeichnungen bis hin zum Beschreiben im Grabungstagebuch. Exkursionen zu archäologischen Highlights in der Umgebung runden die Sommerakademie ab, an deren Ende es von Dr. Michael Drechsler ein ausführliches Arbeitszeugnis gibt.

Am Samstag, 12. August, reisen die 15 Studenten wieder ab und überlassen das Grabungsfeld der zweiten Studierenden-Gruppe, die Mitte August nach Xanten kommt. Wenn die dann abgereist ist, wird die Grabungsstelle winterfest gemacht - und im nächsten Jahr für die dann 30. Internationale Archäologische Sommerakademie wieder geöffnet.

Quelle: RP
 
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