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Bedburg-Hau-Moyland
Die hohlen Männer in Moyland

Bedburg-Hau-Moyland: Die hohlen Männer in Moyland
Eine der Grafiken zu T.S. Elliots Gedicht "Die Hohlen Männer". FOTO: mgr
Bedburg-Hau-Moyland. Marco Henkenjohann zeigt auf dem Moyländer Kunsthandwerker-Weihnachtsmarkt die Kunst des Steindrucks. Er präsentiert das alte Handwerk anhand eigener Blätter von der ersten Skizze bis zum fertigen Druck. Von Matthias Grass

T. S. Elliots "Hollow Men" (die Hohlen Männer) von 1925 erzählt von der seelischen Leere der Menschen nach dem Ersten Weltkrieg, von Menschen deren "Gestalt formlos", deren "Schatten farblos" ist - eben "Gelähmte Kraft, reglose Geste" (so in der Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger). Marco Henkenjohann ließ sich von dem Gedicht zu einer Serie von Drucken inspirieren. Im Format 23 mal 30 Zentimeter zeigen sie Impressionen zu den Versen und fügen sich zum Künstlerbuch. In dem Buch stehen die Bilder zu den Strophen von Elliots Gedicht, mit der Übersetzung von Enzensberger, gebunden in einem dunklen Karton, auf dem wiederum eine der Grafiken gedruckt ist. Das wirkt, als sei der Einband geprägt.

"Das Künstlerbuch hat eine limitierte Auflage von sieben Exemplaren und kostet 850 Euro", sagt Katja Tönnissen, vom Vorstand des Fördervereins Museum Schloss Moyland. Der Verein organisiert die Druck-Präsentation, die Künstlerin Katja Tönnissen ist künstlerische Beraterin im Vorstand des Fördervereins. Sie steht neben einer großen Druckpresse, Gusseisen, frühes 20. Jahrhundert. Daran lehnt Marco Henkenjohann mit von Druckfarbe schwarzen Fingern und erzählt vom Stein. Vom Stein, der schwarz eingefärbt wird und aus dem er dann die Farbe heraus schabt, damit sich Linien zu Figuren fügen. Er arbeitet vom Schwarzen ins Helle. Henkenjohann erzählt vom Stein, der erstmals 1783 für Drucke, die seitdem Lithographie heißen, verwandt wurde, den die heutige Technik quasi überflüssig gemacht hat und der inzwischen selten geworden ist. Drucker und Art-Connection-Chef Conny Stüven "lieh" ihm dann einen Satz dieser glatt geschliffenen Litho-Steine, mit denen er jetzt die Kunst des Steindrucks auf dem Moyländer Markt vorführen wird. Elliot zitiert in seinem Poem auch das "Herz der Finsternis" von Joseph Conrad, die Novelle, in der sich der Seemann Marlowe mit seinem Dampfboot wie ein "schwerfälliger Käfer" den Kongo empor kämpft, um zu einem sagenumwobenen Mr. Kurtz zu gelangen, der "mehr Elfenbein gesammelt, eingetauscht, erschwindelt oder gestohlen hatte, als alle die anderen Agenten zusammen". Es ist die frühe Kritik am Kolonialismus, die Marco Henkenjohann besonders reizte. So schälen sich aus einer seiner Grafiken Berge von Elfenbein heraus, in denen die Seelen der getöteten Elefanten versteckt sind.

Die während des Weihnachtsmarktes gedruckten Blätter sind 23 mal 20 Zentimeter groß und einzeln zu kaufen, zum Preis von 125 Euro, die größeren 45 mal 33 Zentimeter, zu einem Preis von 250 Euro das Blatt. Henkenjohann, der ein Atelier in Kleve hat und an der Hochschule Niederrhein Grafik im Fachbereich Design lehrt, zeigt den Steindruck von Mittwoch, 13. Dezember, bis Freitag, 15. Dezember, jeweils von 15 bis 20 Uhr, Samstag, 16. Dezember, von 13 bis 20 Uhr und Sonntag, 17. Dezember, 11 bis 18 Uhr, in der großen Ausstellungshalle (die hält die Stiftung seit dem Umbau der Sammlung ja für die fünf Tage Weihnachtsmarkt ausstellungsfrei. Die nächste Ausstellung ist erst am 4. Februar: "Die zweite Haut").

Frank Ruffing, Vorsitzender des Fördervereins, freut sich, dass er nach einer Exkursion des Vereins zur Hochschule Niederrhein Henkenjohann für den Markt gewinnen konnte. Man erlebe während des Marktes den ganzen Herstellungsprozess eines lithographischen Blattes von der Skizze über die Druckformherstellung bis zum Auflagendruck. Wobei die Auflage der einzelnen Blätter, die außerhalb des Künstlerbuches erscheinen, noch nicht feststeht, sagt Tönnissen.

Moyland Weihnachtsmarkt: Mittwoch bis Freitag 13 bis 22 Uhr, Samstag, 11 bis 22 Uhr, Sonntag, 11 bis 20 Uhr. (www.weihnachtsmarkt-moyland.de). Mittwoch um 15 Uhr ist die Eröffnung mit Turmbläsern und Bedburg-Haus Bürgermeister Peter Driessen.

Quelle: RP
 
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