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Kranenburg-Nütterden
Die jungen Meister ihres Schachs

Kranenburg-Nütterden: Die jungen Meister ihres Schachs
Kevin Verführt gewann sein erstes von insgesamt sieben Spielen. Nach vier Niederlagen erkämpfte er sich im sechsten Spiel noch ein Remis gegen Peter Jens vom SK Xanten. FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Kranenburg-Nütterden. Seit Montag trägt die Schach-Jugend in Kranenburg-Nütterden die Landesmeisterschaften aus. Darunter sind zwei Klever Vertreter. Bei den Mädchen boomt derzeit der Sport. Dafür verantwortlich ist womöglich ein junger Norweger. Von Kilian Treß

"Psst. Ruhe jetzt", ruft der Oberschiedsrichter. Sofort wird es still im Saal, auch die jüngsten machen keinen Mucks. Schach, das ist sofort klar, erfordert höchste Disziplin.

Die Ruhe ist das Signal für den Start der nächsten Runde der Schach-Landesmeisterschaften der Jugend, die in dieser Woche in der Tagesstätte Wolfsberg ausgetragen wurden. An rund 90 Tischen, verteilt in zwei Sälen, beginnt kurz darauf das Figurengeschiebe - das Taktieren, der Kampf um die beste Position. Finstere Mienen machen sich breit. Pausenlos sind die Schläge auf die Stoppuhren an den Tischen zu hören. Das königliche Spiel verlangt höchste Konzentration, aber es ist alles anderes als still.

Doch stört das quirlige Treiben keinen der Beteiligten. Auch die Zuschauer, zumeist Eltern, die sich während der Partien mit Fotokameras an die Tische quetschen, sind geduldet. Flatterband hält Sie davon ab, sich gar über das Brett zu lehnen. "Einige würden am liebsten mitspielen", weiß der Turnierleiter Thomas Kubo aus seiner Zeit, als er als Kind selbst Schach spielte. "Aber die Spieler kriegen vom dem drum herum gar nichts mit", sagt der 22-jährige Turnierleiter. Man könne die Spieler ansprechen, sie würden aber nicht antworten.

So auch Kevin Verführt. Er ist der Lokalmatador bei den Landesmeisterschaften. Im Gegensatz zu den meisten der 180 Teilnehmer in den fünf Altersklassen hat der 15-Jährige vom SK Turm Kleve, der in der U16-Klasse antritt, nur wenige Kilometer Anfahrt. Mit starrem Blick fixiert er die Figuren auf dem Schachbrett, die Arme sind verschränkt, die Stellung ist schwierig - ja ausweglos. Der 15-Jährige grübelt, will seinen König befreien - seinen Gegner wenigstens in den Patt locken. Doch keine Chance. "Letztes Jahr bin ich in der U 14 wenigstens zehnter geworden", sagt Kevin. Zumindest in dieses Jahr ist ihm die U16-Konkurrenz aber noch überlegen. Die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht geschrieben.

Doch ihm ist klar: Den Spaß wird er an diesem Spiel, dass ihn einst sein Vater im Alter von sechs Jahren beigebracht hat, nicht verlieren. Der Reiz des "Spiels der Könige" ist zu groß. Es ist einfach wie kompliziert, so uralt aber doch immer wieder neu - zeitlos eben. "Schach rockt" ist derzeit auch das Motto der Nachwuchsspieler. Der Satz ist auf einem riesigen Banner und unzähligen T-Shirts zu lesen. "Wir wollen damit das Klischee abbauen, dass das Spiel nur für Senioren ist", sagt der Turnierleiter. Und ja: das Spiel ist derzeit offenbar so modern wie nie. Zwar bemerke man in den vergangenen Jahren, dass viele aktive junge Spieler wegen des Studiums das Spielen aufgeben, über Nachwuchssorgen braucht sich der Schachverband in NRW derzeit offenbar nicht zu beklagen. "Es kommen sogar immer mehr Mädchen, die das Spiel spielen. Früher war Schach eine Männerdomäne", sagt Kubo.

Eines der Mädchen ist Elyse Habersetzer, Klubkameradin von Kevin. Auch für sie läuft das Landes-Turnier nicht rund. "Ich wollte aber an der Meisterschaft teilnehmen, um Spaß zu haben. Und den habe ich", gibt Elyse zu. Wie der Mädchenboom zustande kommt, kann Kubo sich nicht recht erklären. Ein Grund könne aber der Schachweltmeister sein. Mit Magnus Carlsen hat sich zuletzt ein 24-jähriger Norweger die Schachkrone aufgesetzt. Er hat die Schachszene verändert. "Der ist verdammt stark und hat eine tolle Außenwirkung", sagt Kubo. Ein Blick auf seinen Facebook-Account untermauert das. Dem Pseudonym "Magnuschess" folgen 370 000 Fans. Carlsen ist ein Promi - ein kluger, attraktiver Mann, der es weiß, sich und seinen Sport zu vermarkten. Das sei beste Imagepflege für das "angeblich veraltete Spiel", sagt Kubo.

Beste Werbung für den Sport ist auch die Organisation der Nachwuchsmeisterschaft. Ein sechsköpfiges Team aus jungen Verbandsmitgliedern wertet tagtäglich alle Spiele aus, erstellt die Tabellen und Spielpaarungen. Jeden Morgen erscheint mit dem "Patzblatt" sogar eine turnier-interne Zeitung mit Hintergrundberichten und Rätseln rund um die Turniertage. Und für Eltern, die nicht mit nach Kranenburg-Nütterden anreisen konnten, wird stündlich die Internetseite gepflegt und aktualisiert. Bis halb drei Uhr nachts wird manchmal gearbeitet. "Und dann bemerken wir, dass Eltern die Seite sofort abrufen. Morgens wenn wir aufstehen, fliegen schon die ersten Mails der Eltern ein, die sich nach ihren Kindern erkundigen."

Quelle: RP
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