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Kranenburg-Nütterden
Die Kunst, um die Ecke zu denken

Kranenburg-Nütterden. Zum 16. Mal findet derzeit die mathematische Sommerakademie in der Jugendtagungsstätte Wolfsberg statt. Klassen- oder Altersunterschiede gibt es nicht, hier arbeiten alle Schüler zusammen. Sie alle verbindet die Liebe zur Mathematik. Von Philipp Jacobs

Es gibt einen schönen, alten Witz über Mathematiker: Zwei Personen betreten einen leeren Raum, wenig später verlassen drei Personen diesen Raum wieder. Was denkt sich jetzt ein Mathematiker? Eine Person muss den Raum betreten, damit er wieder leer ist.

Mathematik basiert auf Logik. Nicht nur für Mathematikprofessoren oder Physiker ist logische Berechnung eine Passion. Kinder und Jugendliche finden ebenfalls immer mehr Gefallen daran. "Nur wo können sie ihrer Vorliebe nachgehen?", fragt Ralf Wambach. Er ist Leiter der mathematischen Sommerakademie, die nun zum 14. Mal in Folge in der Jugendtagungsstätte Wolfsberg stattfindet (16 Mal insgesamt). "Wer irgendeinen Sport mag, geht einfach in einen Verein. Aber Kinder, die Mathematik mögen, haben oft keinen Anschluss", sagt Wambach. In der Sommerakademie gibt es ihn.

220 Schüler aus ganz NRW haben sich dieses Mal angemeldet. Von Klasse fünf bis Klasse 13, beziehungsweise zwölf (Doppeljahrgang) eifern die Schüler ihrer gemeinsamen Vorliebe nach: der Mathematik. 40 Dozenten stehen den Schülern zur Verfügung. Eine Konstellation, von der jede Universität oder Fachhochschule nur träumen kann.

Der Unterricht findet statt in Räumen mit Namen wie "Noether", "Gauß", "Archimedes" oder "Newton" – alles große Mathematiker. Im Raum "Archimedes" unterrichtet Lisa Hartung gerade eine achte Klasse. Das Thema: Fibonacci-Zahlen und vollständige Induktion. "Wer von euch hat denn schon das Ergebnis?", fragt Lisa Hartung in die Runde. Eine Schülerin zeigt auf und schreibt ihre Lösung an die Tafel: Für Laien eine kryptische Aneinanderreihung der Buchstaben "f" und der Gleichung "n+1". Die Schüler verstehen es. Die meisten nicken zustimmend. Sie haben das Gleiche raus. Irgendwie verwundert es einen auch nicht mehr, als nahezu alle Schüler auf die Frage "Wer von euch steht in Mathe eins?" aufzeigen.

Viele Schüler wurden als Preisträger der aktuellen Runde der NRW-Mathematik-Olympiaden zur Sommerakademie eingeladen. "Alle hier sind wirklich begeistert von Mathematik", sagt auch Achim Kehrein. Er unterrichtet in der Sommerakademie gerade mit den Kleineren das Origami-Falten. Im "normalen" Berufsleben ist Kehrein Professor für angewandte Mathematik an der Hochschule Rhein-Waal. "Mich beeindrucken vor allem die jüngeren Klassen. Der Unterschied zu ihrem Können und der Schulmathematik ist hier schon sehr hoch", sagt Kehrein. Viele Dozenten der Sommerakademie sind auch im Berufsleben Mathematiker. Auch Ralf Wambach ist Mathematiklehrer, untersucht derzeit aber die Mathematiklehre an der Universität Duisburg-Essen. Neben Differentialgleichungen, Fibonacci-Zahlen und der Berechnung von Planetenbahnen, gibt es für die Schüler auch ein Freizeitprogramm. Es gibt Geocaching-Touren, Sportturniere, Tanzkurse und einen Chor. Doch am Ende wollen die meisten eigentlich wieder rechnen. "Es gibt auch die ,Gute-Nacht-Aufgaben'", sagt Achim Kehrein, "die Schüler bekommen vor dem Schlafengehen eine Aufgabe, die am nächsten Morgen besprochen wird." Schöne Träume.

Quelle: RP
 
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