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Kleve
Die "liebe Putzfrau" von Kleve

Kleve: Die "liebe Putzfrau" von Kleve
FOTO: Stade Klaus-Dieter
Kleve. Heute ist Weltputzfrauentag: Eine, die in diesem Beruf arbeitet ist Birgit Görtz aus Kleve. Während andere um halb acht gerade das Haus verlassen, kehrt sie schon von ihrer ersten Schicht zurück. Sie gibt einen Einblick in ihren Arbeitsalltag. Von Natalie Urbig

Birgit Görtz schließt die Klassentür auf: Krümel, Papierschnipsel und ein Filzstift liegen auf dem Boden. "Das ist heute einer der schlimmeren Räume", sagt sie und fischt ein Stück Papier aus dem Waschbecken. "Es gibt Tage, an denen die Schüler mehr Chaos hinterlassen als an anderen, alles in allem hält es sich aber in Grenzen." Birgit Görtz muss es wissen: Seit neun Jahren ist sie am Gymnasium Freiherr von Stein als Reinigungskraft tätig. Dass am 8. November Weltputzfrauen Tag ist, hat sie bisher noch nicht gehört. Ins Leben gerufen wurde er von der Kriminalautorin Gesine Schulz. Es ist der Geburtstag ihrer Romanfigur, einer Putzfrau und Privatdetektivin. Der Weltputzfrauentag findet mehr und mehr Aufmerksamkeit: So überreichen einige Unternehmen ihren Reinigungskräften am 8. November eine weiße Rose als Zeichen der Anerkennung.

Eigentlich mag Birgit Görtz das Wort Putzfrau nicht. Lieber bezeichnet sie sich als Reinigungskraft: "Das hört sich besser an", sagt sie. "Putzfrau, was ist das schon?, werden einige denken." Doch die 49-Jährige mag ihren Job: "Ich würde auch keinen anderen mehr machen wollen."

Der Tag beginnt für die Kleverin um viertel nach vier. "Man gewöhnt sich an die Zeit", betont sie. Um fünf Uhr fängt ihre erste Schicht an. Denn neben der Schule reinigt sie auch die Mehrzweckhalle in Materborn. Um halb 8 kehrt Birgit Görtz das erste Mal nach Hause zurück. Dort steht für sie dann der Haushalt auf dem Programm - ehe es um 15 Uhr zu ihrer zweiten Putzstelle, dem Gymnasium Freiherr-vom-Stein, geht. Innerhalb von vier Stunden hat Birgit Görtz ein großes Pensum zu bewältigen: Zuerst werden die Putzlappen gewaschen und zum Trocknen aufgehangen, Material wird bestellt und Absprachen unter Kollegen werden getroffen. Birgit Görtz beginnt in den Klassenzimmern, macht weiter in der Mensa, dann gehts in den Flur und in die Küche "Hier muss richtig geschrubbt werden." Als letztes sind die Toiletten dran. Die seien aber völlig ok.

Insgesamt sind es neun Putzkräfte, die sich um die Reinigung der Schule kümmern. Jede von ihnen hat ihr eigenes Revier. Birgit Görtz ist die Vorarbeiterin: Sie ist diejenige, die den Überblick hat, die Arbeit der anderen kontrolliert und neue Mitarbeiter anleitet.

Flink setzt die zierliche Frau die Stühle auf die Klassentische. Über 20 Mal macht sie die Hebebewegung. Dann fegt sie einmal durch den Raum. Kreidestaub wirbelt hoch als sie unter der Tafel ankommt: "Manche sagen, es ist ein Knochenjob - ich merk's noch nicht", sagt sie. Nur die Grundreinigung, die in den Ferien ansteht, die spüre auch sie.

Es geht weiter - bunte Eimer stehen auf dem Wagen der Vorarbeiterin: "Der blaue ist für die Oberflächen, wie Tische und Fensterbänke", erklärt Görtz. "Der grüne nur für die Tafel." Mit den unterschiedlichen Eimern entgehe man der Gefahr einen Lappen zu erwischen, mit dem zuvor die Toilette geputzt wurde. Reinigungsmittel - etwa für Tinten- und Kugelschreiberflecke - befinden sich im Wagen ebenso wie Desinfektionsmittel. Das ist zum Beispiel für Erbrochenes "Ja, auch das kommt ab und zu vor", sagt sie.

Trotzdem fühlt sich Birgit Görtz wohl in ihrem Beruf: Sie mag das "Drumherum", das in Kontakt treten mit den Lehrern und Schülern. Einige von ihnen kennen sie, grüßen und halten auch mal ein Schwätzchen. "Jemand meinte zu mir ich gehöre schon zum Inventar", sagt sie und lacht. An eine Situation erinnert sie sich besonders gerne: Als sie Nachmittag putzte saßen Kinder in der Aula auf den Treppenstufen. "Na was macht ihr denn noch hier?", habe sie gefragt. Als sie sich ein paar Schritte entfernte, hörte sie wie die Kinder sagten: "Die Putzfrau ist total lieb." Geduld sei eine der Eigenschaften, die sie für ihren Beruf braucht: "Oft kommen Kinder nach dem Unterricht zu mir, weil sie etwas vergessen haben." Sie geht mit ihnen zusammen in die Klassenzimmer, wenn es sein muss auch noch bis in die Turnhalle, da die Schüler oft nicht wissen, wo genau sie etwas verloren haben. "Ich mache es ja auch gerne", sagt die 49-Jährige, "nur geht es natürlich auch von meiner Zeit ab." Wirklich stressig werde es aber nur bei besonderen Veranstaltungen wie dem Elternabend. Dann muss innerhalb kürzester Zeit alles erledigt werden. Auch Flexibilität ist in dem Beruf einer Reinigungskraft gefragt: Birgit Görtz hält sich an die wechselnden Stundenpläne und plant Veranstaltungen außer der Reihe ein. Zum Beispiel wenn die Volkshochschule Kurse im Gymnasium anbietet. Die Vorarbeiterin weiß dann, dass sie die Klassenzimmer rechtzeitig für die Teilnehmer aufschließen muss. Zu guter Letzt sorgt Görtz dafür, dass die Fenster alle geschlossen sind und das Licht ausgeschaltet ist. Nach getaner Arbeit schließt sie die Räume und das Schulhaus ab. Eine große Verantwortung, die am Weltputzfrauentag ins Gedächtnis gerufen werden soll.

Quelle: RP
 
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