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Kleve
Die Mär vom makellosen Körper

Kleve. "Save to Drink" heißt die neue Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve. Drei Künstlerinnen laden ein, über Schönheit, Körperlichkeit und Gesundheitswahn nachzudenken. Von Matthias Grass

Der Torso ist perfekt geformt, die Figur mit der schlanken Taille scheint vorbildlich - und vor allem jung. Durchsichtig, wie ein Hauch reckt die Schöne im Salon des alten Friedrich-Wilhelm-Bades ihre Arme in die Höhe und erzählt vom makellosen Körper. Doch die zarte, wie geistige Erscheinung, diese transparente Schönheit ist aus Abfall gemacht, aus PET-Plastik alter Trinkflaschen geformt.

Schönheit als Recycling. Und doch geben sich Juliette Bonneviots wunderschöne Torsi alle Mühe, den Gedanken an mögliche Unreinheiten erst gar nicht aufkommen zu lassen. Dieser Körper ist "clean" - sauber. Kein Härchen zu sehen, kein Schmutz. Aber so in seiner Erscheinung geradezu unsichtbar. Bonneviot setzt sich mit Plastik-Müll und seiner Entsorgung ebenso auseinander, wie mit dem Zwang, schön sein zu müssen, die vermeintlich verlangten Ideal erfüllen zu müssen. Plastik-Müll steckt auch in einem sauberen Tisch (man achte auf das Mikrofasertuch), in den Bonneviot Text-Fragmente graviert hat.

Eine andere Skulptur hängt einfach an der Wand, verliebt in ihren eigenen Faltenwurf, scheint es. Doch die Französin, die in Berlin lebt, legt mehr in die Figuren, als gleich erkennbar ist. Man muss, um sie zu verstehen, auf das ausgelegte Faltblatt zurückgreifen: In die Wandskulptur ist in Silikon das synthetische Hormon Xenoestrogen eingearbeitet, das in Schmerzmitteln ebenso verwandt wird, wie in der Antibabypille. Sagt Kuratorin Dorothee Mosters. Entsprechend der Titel der Arbeit.

Es geht um den Traum vom perfekten Menschen, von der perfekten Schönheit, der perfekten Figur. Zwei junge Kuratorinnen, Dorothee Mosters aus Düsseldorf und Marie Stel aus Utrecht (sie ist gebürtige Nimwegerin) haben mit einem Stipendium von Schloss Ringenberg an einer Ausstellung zum Thema gearbeitet. Sie haben drei junge Künstlerinnen ausgesucht und eine Ausstellung in den Salons des alten Friedrich-Wilhelm-Bades im Kurhaus eingerichtet. Denn es geht ja auch um Gesundheit, um Fitness, um Wellness. Um die Trinkkur. "Save to Drink", heißt also die Ausstellung, die gestern Abend eröffnet wurde.

Kate Cooper baut sich ihre Schönheit selbst: Sie generiert den perfekten Körper am Computer. Porentief rein ist ihre Schönheit, die sich großformatig sportiv auf der Stirnseite in einem der Kabinette des Kurhauses räkelt. Eine spannende, sechsminütige Video-Arbeit, die zwischen original und computergeneriert zu changieren scheint und Fiktion und Realität verschwimmen lässt.

Witzig wirkt Jenna Sutelas Ursuppe im Sandvulkan, die dort wie ein Springbrunnen vor sich hin brodelt und von einem You-Tube-Text überlegt ist. In ihrer Videoarbeit im letzten Kabinett des Kurbades zerfließt Wasser und wabert ein wachsender Pilz großformatig über die Wand.

"Save to Drink" möchte anregen, neu über seine eigenen Bilder und seine eigene Körperbeziehung nachzudenken, sagen die Kuratorinnen.

Bis 14. Januar zu sehen.

Quelle: RP
 
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