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Kleve
Die Stadt ist die Bühne

Kleve: Die Stadt ist die Bühne
Der Preis geht an das Theater im Fluss: Bürgermeisterin Sonja Northing und die beiden Theatermacher Harald Kleinecke und Yvonne Campbell-Körner (v.r.). FOTO: Evers Gottfried
Kleve. Das Theater im Fluss ist der achte Preisträger des "Johann-Moritz-Kulturpreises der Stadt Kleve" mit einem Preisgeld von 5000 Euro. Sonja Northing überreichte die Auszeichnung im Klever Museum Kurhaus. Von Matthias Grass

Gegründet wurde das Theater 1993 im Ruhrgebiet, heute residiert es in einer ausgedienten Industrieanlage in der Klever Oberstadt, jetzt ist es Kulturpreisträger: Harald Kleinecke, Yvonne Campbell-Körner und Ensemblemitglieder nahmen die höchste Auszeichnung der Stadt Kleve für kulturelle Arbeit während einer Feierstunde aus der Hand von Bürgermeisterin Sonja Northing entgegen - zusammen mit einem kleinen Umschlag, in dem ein "echter Scheck" (so Northing) steckte. Das Preisgeld von 5000 Euro.

Kleinecke hatte das Theater mit einigen Kollegen gegründet, 1995 ging's nach Kranenburg und schließlich 2000 nach Kleve. Der Schwerpunkt lag von Beginn an auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Gerne nahmen auch bald die Schulen im Klever Land die Arbeit der Theaterpädagogen - Kleinecke ist zudem Sozialpädagoge - in Anspruch. Entsprechend jung ist auch das Ensemble, das schon Kinder im Grundschulalter auf die Bühne bringt. Und gleich während der feierlichen Übergabe des Preises in der Wandelhalle machte ein durch die Gänge laufender "Hase" klar: Hier ist Theater heute. Mit dabei auch viele Ensemblemitglieder, die in Kostümen die Gäste begrüßten.

Damit ist das Theater im Fluss, übrigens als gemeinnützig anerkannter Verein und Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband sowie der Landesarbeitsgemeinschaft Kulturelle Dienste/Jugendkunstschulen (LKD) geführt, der achte Preisträger des "Johann-Moritz-Kulturpreises der Stadt Kleve", der nur einmal in der Ratsperiode vergeben wird. An das Theater, das Schauspiel ebenso fördert wie vor allem theaterpädagogische Projekte, kulturelle Bildung im Präventionsbereich für Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. Es ist ein Theater, das das Denken an klassisches Theater über Bord werfe, so Festredner Kurt Eichler vom LKD. Es gehe um prozessorientiertes Arbeiten - und das vor allem an Schulen. "Das Theater versteht seine Kunst als Hinwendung zum Menschen", sagt Eichler. Es fördere die künstlerische Kompetenz der Kinder, gehe in die sozialen Brennpunkte und dürfe sich auch als einer der Pioniere der grenzüberschreitenden deutsch-niederländischen Kulturszene sehen. Es sei ein Theater, dessen Bühne die Stadt sei. Es sei aber auch ein Theater, dem das Wasser finanziell oft genug bis an den Hals gestanden habe. Muss es sich doch mit öffentlichen Fördergeldern über Wasser halten. "Jeder im freien Kulturbetrieb weiß, wie schwer es ist, einen kontinuierlichen Betrieb über eine solche Patchwork-Finanzierung sicherzustellen", sagt Eichler. Er wünschte dem Theater für die Zukunft, dass sich aus der alten Fabrik an der Ackerstraße ein soziokulturelles Zentrum entwickle, in dem das Theater seine Heimstatt haben könnte. Er betrachte dies als Appell an die Stadt, diesen Raum als solchen zu erhalten und auszubauen.

Sonja Northing hatte zuvor in ihrer Laudatio daran erinnert, dass auch das Theater im Fluss sich - wie alle anderen Kulturschaffenden auch - in die Klever Geburtstagsfeier einbringe und zur Aufführung in die Stadthalle einlade, wenn es am 15. November, 20 Uhr in einer "selbst entwickelten Auftragsproduktion zur Klever Stadtgeschichte" heißt: "Sternstunden und Schwanengesänge". Northing erinnerte aber auch daran, dass die Stadt Kleve das Theater seit 2011 jährlich mit 10.000 Euro fördere.

Harald Kleinecke dankte für den Preis und sah sich in der Tradition der Kulturpreisträger, die "querschießen". Er dankte dem Vorstand des Vereins, Thomas Brokamp, Jan Teunissen und Stefanie Wolf für ihre Arbeit, freute sich über die Initiative vieler Jugendlicher, die sich für das Theater eingesetzt haben, dankte Max Knippert und unterstrich das Gedankenspiel um ein soziokulturelles Zentrum in der Fabrik.

Quelle: RP
 
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