| 00.00 Uhr

Kreis Kleve
Die Tücken der Wirtschaftsförderung

Kreis Kleve: Die Tücken der Wirtschaftsförderung
Das Kranenburger Gewerbegebiet "Am Hammereisen". FOTO: Graupner
Kreis Kleve. Was in Ballungsgebieten selbstverständlich ist, darum muss im ländlichen Raum gerungen werden. Ein Band von zwei Professoren der Hochschule Rhein-Waal beleuchtet die Wirtschaftsförderung in Theorie und Praxis. Von Matthias Grass

Die Bestandspflege wird von allen Wirtschaftsförderern großgeschrieben. Egal, ob sie am Rande der Republik zu den Niederlanden wirken, im Süden oder im Norden. Ein Mittel zum Zweck: Die Stärken stärken, wie es Kreis Kleves Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers formuliert. Es sollen Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden. Die Professoren Dr. Jakob Lempp und Dr. Gregor van der Beek von der Hochschule Rhein-Waal haben zusammen mit Thorsten Korn, Leiter des Managementzentrums Mittelrhein, das Wirken und Arbeiten, die Zielrichtung und die Wünsche deutscher Wirtschaftsförderer untersucht und dazu im renommierten Springer-Verlag für wissenschaftliche Publikationen einen Band herausgebracht, der sich vornehmlich an Studenten und Wissenschaftler richtet, aber auch für Politiker und Bürger mit Wirtschaftsinteressen interessant sein sollte. Lempp und van der Beek haben nicht nur den Blick aus der Wissenschaft auf die Wirtschaft geworfen, sie haben auch die "Praktiker" ins Boot geholt.

"Die von den befragten Wirtschaftsförderern am häufigsten genannten Problemfelder werden durch sechs Fokusthemen intensiv beleuchtet", sagen Lempp und van der Beek. Diese Themen sind: Kooperationsformen zwischen Wirtschaftsförderung und Hochschulen, Fachkräftemangel und Fachkräftesicherung, demografischer Wandel und Daseinsvorsorge, Infrastruktur im ländlichen Raum, Netzausbau und Internetübertragungsgeschwindigkeit sowie Flächennutzung im Kontext der Energiewende. Da geht's um bröckelnde und bröselnde Brücken ebenso wie um den drohenden Fachkräftemangel.

Prof. Jakob Lempp. FOTO: eve

Jedes dieser Themen wird von einem Wissenschaftler und von einem Praktiker beleuchtet. Die Autoren kommen aus dem Osten und Westen, dem Südwesten der Republik, aus Wien. Es sind junge und etablierte Wissenschaftler und vor allem Wirtschaftsförderer der entsprechenden Regionen, darunter Kuypers als Wirtschaftsförderer des Kreises Kleves.

Grundlage ist eine Befragung von 260 Wirtschaftsförderern in der Republik, von denen die meisten noch in Ämtern organisiert sind, nur knapp 30 Prozent der kommunalen Wirtschaftsförderer sind in privatrechtlicher Form organisiert. "Je größer das Gebiet, desto eher ist die Wirtschaftsförderung aus der verwaltungsinternen Struktur ausgegliedert", schreiben Lempp und van der Beek - wie die Kreis Klever Wirtschaftsförderung.

Hans-Josef Kuypers. FOTO: MVO

Für den Kreis Kleve zeichnet Kuypers aber auch die Tücken der Wirtschaftsförderung im ländlichen Raum auf, wo die Ämter und Gesellschaften um Dinge kämpfen müssen, die in Ballungsräumen selbstverständlich sind: Wie ein überzeugender Öffentlicher Personennahverkehr, wie die Versorgung mit Breitbandkabel für schnelle Datenkommunikation. "Es gibt immer noch Standorte in der Region, die den Ballungsräumen nacheifern müssen", sagt Kuypers. Unermüdlich müssen die Wirtschaftsförderer hier ganz dicke Bretter bohren - vor allem, wenn sie immer wieder mit der "Rechenbarkeit des Netzes" konfrontiert werden. Die ist in Düsseldorf oder Köln schneller erreichbar, resümiert Kuypers kämpferisch: "Auf die einstige Begeisterung über das Netz, das Gleichheit und damit Chancengleichheit (...) bundesweit versprach, folgte die Erkenntnis finanzieller Mitwirkung durch die Kommunen vor Ort, die allerdings gegeben war und ist."

Kuypers setzt beim Fachkräftemangel - vor allem der Anlagen und Maschinenbau mit seinen 7000 Arbeitsplätzen im Kreis Kleve spricht dieses Problemfeld immer wieder an - auf die Hochschule Rhein-Waal: Er hofft, dass die 19.000 Firmenchefs in der Region mit den Hochschul-Absolventen gewünschte Zufriedenheit herbeiführen können. Sebastian Bußmann, Referent im Projekt "Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, das vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird, setzt in seinem Beitrag zum Fachkräftemangel zudem auf Frauen, "die noch stärker am Arbeitsmarkt partizipieren sollen", und auf Weiterbildung von Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Prof. Gregor van der Beek. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Jakob Lempp, Gregor van der Beek, Thorsten Korn (Hrsg). Akutelle Herausforderungen in der Wirtschaftsförderung. ISBN 978-3-658-08959-7, 125 S., 29,99 Euro

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Kleve: Die Tücken der Wirtschaftsförderung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.