| 00.00 Uhr

Kleve
Die Verlierer des Sommers

Kleve: Die Verlierer des Sommers
Landwirt Christian Schulte-Spechtel muss das Getreide aufwendig trocknen, um die Qualität sicherzustellen. Die Probleme gibt es auch bei Speisekartoffeln. FOTO: Stade Klaus-Dieter
Kleve. Der Himmel über dem Kleverland wolkenverhangen, die Temperaturen im Keller. Ebenso schlecht wie das Wetter ist die Stimmung bei den Menschen, die während der wärmsten Jahreszeit eigentlich gute Geschäfte machen wollen. Von Marc Cattelaens und Peter Janssen

Regelmäßig werden Klimarekorde vermeldet: So war 2015 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Nur im Kleverland scheint der Klimawandel nicht so richtig in Schwung zu kommen. Bislang verdienen die zurückliegenden Tage die Bezeichnung Sommer nicht. Bitter ist dies vor allem für Menschen, die dadurch erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.

Essen und Trinken Janes Warnke von der Restauration "Zum Aussichtsturm" hat den Sommer abgeschrieben. "Ich mache mir Gedanken, was ich im Herbst und Winter anbieten kann", sagt der Koch. Wildgerichte und Schmorbraten sind hoch im Kurs. Der Umsatz sei im Vergleich zum vergangenen Jahr um 30 Prozent zurückgegangen.

Daniel Quartier von der gleichnamigen Metzgerei weiß genau, wann gutes Wetter bevorsteht. "Sobald ein oder zwei regenfreie Tage gemeldet sind, zieht bei uns das Geschäft mit Grillgut spürbar an", sagt Quartier. Der Umsatz liegt 20 Prozent unter dem des vergangenen Jahres. Damals haben die Kunden auf 25 Grad gewartet, bis Fleisch für den Rost gekauft wurde.

Negative Rekorde kann auch die Eisdiele Panciera an der Hagschen Straße vermelden, die dort seit 1954 kalte Speisen verkauft. "Diese Saison gehört zu den schlechtesten, die ich bislang erlebt habe", sagt Davide Mazza, der die Eisdiele führt. Besonders bitter ist für ihn, dass es etwa vier Tage warm sein muss, bevor die Leute ins Eiscafé kommen. Um wie viel Prozent der Umsatz zurückgegangen ist, kann Mazza nicht sagen. Er wartet auf das Ende der Saison, denn: "Die Toten zählt man am Ende des Kriegs."

Christina Silva Egidio hatte erst in dieser Saison ihre Tapas-Bar "The Lounge" am Opschlag um eine Terrasse direkt am Spoyufer erweitert. "Das wurde super angenommen", sagt Christina Silva Egidio, "allerdings nur, wenn das Wetter gut war." Und das war es in diesem Sommer nicht allzu oft.

Ihr Nachbar, Luigi Colangiuoli, der Geschäftsführer des "Tijuana" am Opschlag, ist noch mehr vom kühlen und verregneten Sommer betroffen, denn draußen hat das mexikanische Restaurant die meiste Fläche. "Die Saison ist schlecht gelaufen, kein Vergleich zum Vorjahr. Wir haben Umsatzeinbußen von 15 Prozent", sagt Colangiuoli. Jetzt hofft der Gastronom auf einen besseren Sommer im nächsten Jahr - und darauf, dass der Umbau der Uferanlagen schön wird. "Mit einer neuen tollen Terrasse und hoffentlich besserem Wetter wird alles gut", ist sich Colangiuoli sicher.

Schwimmen und Campen Am Wisseler See ist man ziemlich zufrieden, was die Übernachtungszahlen angeht. Offenbar sind Camper hartgesotten; weder Regen, noch Kälte machen ihnen etwas aus: "Wir hatten den Sommer hindurch bislang eine durchschnittliche Auslastung von 80 Prozent. Das ist gut", sagt Yannik Kersten, Auszubildender der Freizeitpark Wisseler See GmbH. Deutlich schlechter sähe es bei der Anzahl der Badegäste aus. "Da ist die abschließende Auswertung zwar noch nicht erfolgt, aber im Juni hat es im Vergleich zu den Vorjahren doch einen Rückgang der Badegäste gegeben", berichtet Kersten.

Draußen unterwegs Bei Regen und Wind aufs Wasser? Keine gute Idee, fanden Klever und Gäste. Das Unternehmen GeccoTours verzeichnete in diesem Sommer deutlich weniger Interesse an Touren. Vor allem der Monat Juni war kein guter für die Grenzland Draisine. "Gegenüber dem Vorjahr wurde eine negative Abweichung der Fahrgastzahlen verzeichnet, die sich höchst wahrscheinlich auf die vielen Unwetterwarnungen beziehen lässt. Die Unbeständigkeit des Wetters hat viele Gäste verunsichert", sagt Sprecher Jörg Boltersdorf. Im Juli waren die Nutzer-Zahlen besser als im Vorjahresmonat.

Landwirtschaft Die Stimmung bei den Bauern ist schlecht. "Die Wetterkapriolen machen uns zu schaffen", sagt Kreislandwirt Josef Peters. Vor allem die Getreideernte sei schwierig, denn es fehlten längere trockene Phasen. Das geerntete Getreide ist zu nass. "Auf die Landwirte kommen hohe Trocknungskosten zu", betont der Kreislandwirt. Auch die Erntemenge sei nicht zufriedenstellend: "Wir liegen bei den Erträgen 20 Prozent unter dem Durchschnitt", berichtet Peters. Qualitätsprobleme gebe es nicht nur beim Getreide, sondern auch bei den Speisekartoffeln. "Die Rüben und der Mais haben es ebenfalls schwer. Der Boden ist zu verfestigt. Er kann nicht mehr atmen", sagt Peters.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kleve: Die Verlierer des Sommers


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.