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Die Zeitzeugen

Wilhelm van den Boom, Jahrgang 1921, aus Kleve war Klassenkamerad von Joseph Beuys und ist einer der letzten lebenden Zeugen der Jugendzeit des Künstlers.

Beim Zeitzeugengespräch im Museum Kurhaus gab er ganz offen zu, mit Beuys damals in der Hitlerjugend gewesen zu sein. Beide wollten zur Luftwaffe. Beuys hat es geschafft, Wilhelm van den Boom nicht. Sein Problem war seine Größe. Genauer gesagt war er ein Zentimeter zu groß für die Luftwaffe.

Gottfried Evers (62) ist seit Oktober 1976 Fotograf für die Rheinische Post in Kleve. In diesen fast 40 Jahren ist ihm immer wieder Joseph Beuys begegnet. Ob in seinen Anfangsjahren, als Beuys die Stadt Kleve, in der er aufwuchs, zur Schule ging und wo er sein erstes Atelier bezog, besuchte. Oder heute, wenn das Museum Kurhaus und das Museum Schloss Moyland in regelmäßigen Abständen die zahlreichen Werke des deutschen Aktionskünstlers, Bildhauers, Zeichners und Kunsttheoretikers ausstellen.
Beim Zeitzeugengespräch am Donnerstagabend war Evers gewiss der Benjamin unter den Akteuren. Dennoch hatte er viel zu berichten. So ist es weniger die Kunst, sondern mehr der Mensch, der Evers interessiert. Beuys als Stimmungsmacher, Beuys als Politiker, Beuys als Medienprofi.

Dr. Hans Hermann Schröer war Stadtdirektor von Kleve, als Beuys 1976 für seine Installation "Straßenbahnhaltestelle" Abgussarbeiten am Eisernen Mann in der Nassauer Allee vornahm. Im Rahmen der Vorbereitungen besuchte Beuys seine Heimatstadt mehrmals. Schröer lud den noch sehr umstrittenen Künstler ins Rathaus ein, diskutierte mit Beuys und stellte ihm das wiederaufgebaute Kleve mit seiner gerade fertig gestellten Fußgängerzone vor. Beim Zeitzeugengespräch im Kurhaus machte Schröer keinen Hehl daraus, dass er Beuys damals für verrückt hielt. Die ganze Stadt habe nicht an seinen künstlerischen Erfolg geglaubt. Dennoch stand er in einer Beziehungs zu ihm, war sogar auf seinem 60. Geburtstag zugegen.

 

Quelle: RP
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