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Bedburg-Hau
Dr. Marie Brill geht in den Ruhestand

Bedburg-Hau: Dr. Marie Brill geht in den Ruhestand
LVR-Direktorin Marie Brill vor dem voll besetzten Gesellschaftshaus. Sie geht Ende des Monats in den Ruhestand. FOTO: Gottfried Evers
Bedburg-Hau. Nach 32 Dienstjahren verlässt die Direktorin die LVR-Klinik Bedburg-Hau. Nachfolgerin wird Anita Tönnesen-Schlack Von Matthias Grass

Stehende Ovationen und minutenlanger Applaus für die LVR-Klinik-Direktorin Marie Brill. Alle im voll besetzten Gesellschaftshaus der LVR-Klinik standen auf und feierten ihre Chefin, die Ende des Monats nach 32 Dienstjahren bei der LVR-Klinik Bedburg-Hau in den Ruhestand geht. 32 Jahre in denen die Psychiatrie im Rheinland und in Bedburg-Hau einen Paradigmenwechsel vollzog. Ihre Nachfolgerin wird Anita Tönnesen-Schlack.

Einen Wechsel, den die promovierte Psychiaterin maßgeblich mit beeinflussen konnte. 24 Jahre war sie in leitender Position, davon zehn Jahre als ärztliche Direktorin. Und: Sie war die erste Frau im Landschaftsverband Rheinland, die eine so große psychiatrische Klinik leitete. Zielbewusst und denoch ruhig, geradezu gelassen manövrierte sie den großen Dampfer LVR-Klinik mit seinen 1600 Mitarbeitern in zukunftsfähiges Gewässer. "Ohne dabei das Gespür für die Mitarbeiter zu verlieren", so die stellvertretende Personalratsvorsitzende Beate Ernesti. Den Patienten hatte die Frau, die 1984 auf der Allgemeinen Psychiatrie I begann, immer im Blick.

Marie Brill studierte im tschechischen Pilsen Medizin, entschied sich für die Psychiatrie und arbeitete an der Uniklinik mehrere Jahre über den Zusammenhang von Depression und Herzerkrankungen. 1983 verließ sie Pilsen. Verabschieden habe sie sich damals nicht können, erinnerte sich Brill gestern: Sie wäre wegen Republik-Flucht verhaftet worden. 1984, an einem sonnigen Tag, hatte sie ihr Vorstellungsgespräch in Bedburg-Hau. Ein Arzt, der sie damals übers Gelände führte, prophezeite: "Mädchen, du wirst hier noch Direktorin." "Aber er hat mir später nie verraten, wie vielen jungen Ärzten er das gesagt hat", erzählt Brill launig. Am 20. August 1984 begann sie als Ärztin, wurde bald Abteilungsärztin der Allgemeinen Psychiatrie I, baute die Sternbuschklinik auf und aus, arbeitete intensiv an der Dezentralisierung der bei ihrem Start überfüllten Klinik und schuf eine psychiatrische Versorgungsstruktur für den Kreis Kleve mit neuen Standorten in Geldern und bald auch in Emmerich. Den 90-Betten-Ersatzneubau, an dessen Verwirklichung sie beharrlich arbeitete, wird ebenfalls hochgezogen. Den Grundstein, der bald gelegt werden soll, werde sie nur als Pensionärin beobachten können, sagt sie. Ein weiteres Kapitel: "Marie Brill hat mutig dazu beigetragen, dass die erschütternde Rolle der Klinik im Zusammenhang mit den Euthanasie-Morden aufgearbeitet worden ist", sagte Martina Wenzel-Jankowski, LVR-Dezernentin für den Klinikverbund und Verbund Heilpädagogischer Hilfen in ihrer Rede zur Verabschiedung Brills.

Marie Brill bedankte sich bei all ihren Mitarbeitern, bei ihrem Vertreter in der Allgemeinen Psychiatrie I, Robert Klein, bei Dr. Jack Kreutz, der ihr die Lasten der Forensik abgenommen habe. "Ich freue mich jetzt auf alles, was kommt, und ich werde gewiss nicht nur den Pflanzen in meinem Garten beim Wachsen zugucken. Ich habe jetzt Zeit für die Enkelkinder, für Bücher, gute Reisen. Und ein paar Stunden möchte ich auch nur als Ärztin tätig sein." Denn ihrem Kindertraum, eine "sprechende Ärztin" zu werden, ist sie immer treu geblieben.

Quelle: RP
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